Dienstag, 15. Juli 2008
Mal wieder
Auch heute Abend mal wieder die Frage "Woher kommt der Name?" und eine Unzufriedenheit mit meiner Antwort "Karlsruhe". Später wieder eine lange Diskussion darüber, warum ich die Frage denn problematisch finde und dass es doch nur Interesse ist. Wieder später etwas verstehen, dass geäußerte Rassismuserfahrungen als solche auch akzeptiert werden sollten. Dann aber doch wieder: Das macht doch Kommunikation kaputt. Und jetzt wird sie verletzt, wenn ihre Frage als rassistisch abgestempelt wird. etc.

Also nichts Neues. Eigentlich keine Nachricht für den Blog. Aber hier kann es auch mal sein wie im richtigen Leben. Es wiederholt sich halt. Und für einige ist es immer noch neu.

Nachtrag 18.07.08: Hier in Korea glauben die Leute doch tatsächlich, mein Name wäre deutsch. Haben sie natürlich auch recht mit.

Nachtrag 21.07.08: Die InderInnen bei der Konferenz hingegen fanden mal wieder, dass ich nicht aussehe wie eine Urmila.

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Montag, 14. Juli 2008
Überfremdung
Gerade läuft noch auf dem Deutschlandfunk eine Sendung unter dem Titel ""Deutschland, Deine Zuwanderer" - Wie willkommen sind Ausländer in Deutschland wirklich?" Ich habe nur die ersten paar Minuten zugehört und da hat mir eine Männerstimme (vermutlich Norbert Geis, CSU-MdB, aber es kann auch Heinz Buschkowsky, SPD gewesen sein), dass er Angst um die deutsche Kultur hat, wenn immer mehr ZuwandererInnen kommen. Das wurde dann von einer Anruferin (oder sonst einer Frau, die zugeschaltet wurde) bestätigt, die widersprach allerdings der Ansicht, dass den ZuwanderInnen hier feindlich begegnet wird. Nach soviel ungefiltertem Rassismus am Morgen konnte ich nicht mehr und habe wieder ausgeschaltet.

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Donnerstag, 10. Juli 2008
Mehr zum Einbürgerungstest
Aus gegeben Anlass ein paar Klarstellungen:
  • es ist im Interesse eines demokratischen Staates, dass ein möglichst großer Teil der Bevölkerung die vollen Rechte als BürgerInnen dieses Staates hat und damit sollte der demokratische Staat ein Interesse an möglichst vielen Einbürgerungen haben
  • die Frage nach Einbürgerung ergibt sich nach einem längeren Aufenthalt im Land, wenn bereits ein sicherer Aufenthaltsstatus erreicht wurde, es geht dabei nicht darum zu klären, wer ein Aufenthaltsrecht in Deutschland haben sollte oder nicht
  • Staatsbürgerschaft ist in der Regel nicht an Wissen geknüpft, es gibt keinen Grund, warum neue StaatsbürgerInnen über ein Wissen verfügen müssen, das von geborene StaatsbürgerInnen nicht verlangt wird
  • eine restriktive Regelung von Einbürgerungen wirkt abschreckend und vermindert die Bereitschaft, sich einbürgern zu lassen
  • für Menschen, die sich mehreren natio-etnno-kulturellen Kontexten zugehörig fühlen, ist es schwierig, sich für nur eine Staatsbürgerschaft zu entscheiden
  • da es im Interesse des demokratischen Staates ist, dass möglichst die ganze Bevölkerung volle BürgerInnenrechte hat, muss der Staat die Hürden für Einbürgerungen abbauen und Einbürgerungen möglichst attraktiv und einfach machen
Der Fragenkatalog zum Einbürgerungstest fragt nicht Wissen über Deutschland ab. Er ist viel mehr eine interessante Konstruktion dessen, was die FragenkatalogerstellerInnen und ihre AuftraggeberInnen für deutsch halten wollen: Meinungsfreiheit, Relgionsfreiheit, Gleichberechtigung von Mann und Frau, etc. Und was sie lieber verschweigen: z.B. den Holocaust. Er zeugt zudem von einem recht seltsamen Wissenschaftsverständnis, da er suggeriert, dass es auf Fragen eindeutige Antworten gibt und diese auch einfach formulierbar sind. Und er ist natürlich parteilich: So ist es z.B. absurd zu meinen, dass die europäische und deutsche Kultur nur vom Christentum geprägt seien. Auch die Betonung des Grundrechts auf Asyl ist fragwürdig, da es doch de facto weitgehend abgeschafft wurde.

Natürlich lassen sich die Antworten für einen solchen Test lernen. Insofern muss der Test kein Hindernis für eine Einbürgerung sein. Auch ich als kritische Wissenschaftlerin kann versuchen, mir zu merken, welche Antwort als die Richtige konstruiert wird. Das Testergebnis sagt dann aber nur was über meine unkritische Lernfähigkeit aus. Und ein Hindernis für Einbürgerungen ist der Test auf jeden Fall, denn er zeigt einmal mehr, dass Einbürgerungen nicht erwünscht sind. Das motiviert nicht gerade.

Mehr dazu hier.

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Zeuginnenausage
Ich war heute Zeugin eines Einbruchversuches und habe daher die Polizei gerufen. Bei der Beschreibung derer, die sich an der Tür zu schaffen gemacht haben, wurde ich dann gefragt, ob das Ausländer waren. Nun war ich bei dem Telefonat nicht gerade in der Stimmung, die rassistische Bedeutung des Begriffes 'Ausländer' genau in diesem Kontext, zu erläutern und hatte auch nicht das Gefühl, dass der Polizist einen solchen Exkurs gut aufnehmen würde. Ich habe es dann damit belassen, dass ich nicht sagen könne, ob es Ausländer wären, da ich ihre Staatsbürgerschaft nicht kennen würde, aber sie fielen vermutlich in die Kategorie von Menschen mit Migrationshintergrund. Er meinte dann, dass ich doch sagen können müsse, ob sie arabisch oder türkisch ausgesehen haben. Da ich Teil dieser Gesellschaft bin, weiß ich natürlich schon, welche physiognomische Merkmale diesen beiden Kategorien zugeschrieben werden, und diese Merkmale trafen auch auf die von mir beobachteten Männer zu. Also habe ich mich etwas auf seine Vorgaben eingelassen, auch wenn mir unwohl dabei war. Ich fand leider so schnell keinen besseren Weg, mit den Fragen umzugehen und die Männer zu beschreiben. Betont habe ich aber, dass zumindest der, der mit mir gesprochen hat, ein Deutsch gesprochen hat, das auf eine Sozialisation in Deutschland hinweist.

Die Kripobeamten, die dann später kamen, haben dann nach der Nationalität der Täter gefragt. Den Begriff habe ich zurückgewiesen, aber gesagt, dass sie vom Aussehen in unsere Bilder von Menschen mit arabischen oder türkischen Migrationshintergrund passen.

Mir ist es unangenehm, dass ich so in den Begriffskategorien drin stecke, dass sie auch für mich als die beste Beschreibung wirken.

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Mittwoch, 9. Juli 2008
Hochqualifizierte und Rassismus in Deutschland
Gerade wird wieder viel über die Anwerbung von hochqualifizierten MigrantInnen, die Deutschland nutzen sollen, gesprochen. Als Teil meiner Forschungsprojekte abonniere ich auch eine Mailing-Liste, in der sich hochqualifizierte indische MigrantInnen austauschen. Viele der geposteten Fragen drehen sich um bürokratische Probleme mit Aufenthaltsgenehmigung, (Sozial)Versicherungen, etc. Aber es wird auch immer wieder der Rassismus in Deutschland moniert.

Gestern hat einer unter dem Titel Deutsches Justizsystem einen Vergleich zwischen den milden Verurteilungen von 'Deutschen', die 'AusländerInnen' zusammenschlagen (z.B. hier), und dem harten Urteil gegenüber 'AusländerInnen', die einen 'Deutschen' zusammenschlagen (aktuell hier), gezogen. Er beendet seinen Beitrag mit:

"This is the German justice system which we should get use to….."

Mehr zu der unterschiedlichen Behandlung ähnlicher Taten auch hier im Blog.

Nachtrag: Die taz berichtet über den Münchner Prozess, dass die Verteidigung noch einen Beweisantrag gestellt hat, um zu klären ob das Opfer sich möglicherweise vor der Tat rassistisch geäußert hat. Der Staatsanwalt und das Gericht das aber abgelehnt und wohl als nicht relevant angesehen haben. Allein gesehen, vielleicht ok. Im Vergleich mit anderen Taten und deren Verfolgung aber schon auffällig.

Noch ein Nachtrag: bikepunk kommentiert und ergänzt diesen Beitrag.

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Dienstag, 8. Juli 2008
Türken und Juden
In der taz heute ein sehr lesenswerter Kommentar von Sergey Lagodinsky zu den Debatten rund um Faruk Sens Äußerung zu Türken und Juden. Ein paar Auszüge:

"... Der Verdacht liegt nahe, dass die ablehnenden Reaktionen auf Sen nichts mit den Befindlichkeiten der Juden, sondern mehr mit den Befindlichkeiten der deutschen Mehrheitsgesellschaft zu tun haben. ...

Mit einer Arroganz der Geläuterten glauben wir Deutsche gerne, alles Nötige aus unserer Vergangenheit längst gelernt zu haben, und wollen uns von niemandem das Gegenteil vorwerfen lassen - erst recht nicht auf Türkisch! ...

Wir lagern den antisemitischen Völkermord in die Kategorie des Unmenschlichen aus und nehmen damit dem Antisemitismus jeglichen Bezug zu uns und unserem Alltag. ...

Kein Wunder also, dass Sen über die Diskriminierungsgeschichte der Juden in Europa redet, und wir ihn über die Vernichtungsgeschichte der Juden in Deutschland sprechen hören. ...

Inakzeptabel ist es aber, den Vergleich von Diskriminierungserfahrungen tabuisieren zu wollen, um Befindlichkeiten der deutschen Mehrheitsgesellschaft zu schützen. ..."

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Montag, 7. Juli 2008
Keine Festung Europa
tagesschau.de berichtet, dass die EU-InnenministerIn unter kompletten Realitätsverlust leiden:

"Die Innenminister der Europäischen Union beraten in Cannes über ein härteres Vorgehen gegen illegale Einwanderung. Trotz der Kritik von Menschenrechtlern will der ranzösische Einwanderungsminister und amtierende EU-Ratsvorsitzende Brice Hortefeux bei dem Treffen einen Vorschlag unterbreiten. Dieser sieht eine schnellere Ausweisung bei fehlender Aufenthaltsgenehmigung vor und soll bis 2010 zu einer gemeinsamen Asylpolitik führen.

....Bei den Mitgliedsländern stoßen die Vorschläge Frankreichs auf Zustimmung. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble sagte: "Wir machen aus Europa keinen Bunker, sondern wir steuern Wanderbewegungen in der Welt." Ferner betonte er: "Ich sehe keine Mauer um Europa".

Auch der luxemburgische Justizminister Luc Frieden stellte klar: "Es geht nicht darum, eine Mauer zu bauen." Europa könne selbst entscheiden, wer hereinkomme."


Vielleicht sollte eine mal den InnenministerInnnen erklären, dass eine Festung sich dadurch auszeichnet, dass sie sich gegen von außen kommendes abschottet. Siehe auch Themensammlung abschieben.

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Sonntag, 6. Juli 2008
Die Geschichte meines Namens
Die Geschichte meines Namens scheint ein beliebter Einstieg in ein Seminar zu antirassistischen/Diversity/interkulturellen/etc. Trainings zu sein. Heute auch wieder. Ich kann viel über die Geschichte meines Namens sagen. Aber nicht weil mich das je interessiert hat. Sondern weil ich mein Leben lang nach der Bedeutung meines Namens gefragt wurde. Mir gesagt wurde, wie interessant mein Name sei, viel interessanter als die deutschen Namen. Man bedauerte, dass ich die Bedeutung nicht kenne. Und mir die Geschichte meines Namens von anderen geradezu aufgedrängt wurde. Über genau diese Fragen wird mir immer wieder klar gemacht (siehe auch hier), dass ich nicht wirklich dazu gehöre, dass ich anders bin, dass ich woanders hingehöre. Deshalb habe ich mich der Übung auch heute wieder verweigert. Ich will bei einem antrirassistischen Training nicht Rassismuserfahrungen wiederholen.

Die Übung müsste nur minimal abgeändert werden, damit auch ich sie gut finde. Die Frage sollte sein: welche Bedeutung(en) hat Dein Name für Dich? Dann kann ich von meinen Rassismuserfahrungen sprechen oder von meinem Spitznamen oder von meinen Eltern oder vielleicht auch von der Geschichte des Namens oder .... Dann kann Kennenlernen über diese Übung viel besser erfolgen.

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Woher kommen Sie?
Ich war kürzlich auf einer wissenschaftlichen Migrationstagung. Beim Abendessen fragte mich eine andere Teilnehmerin etwas über mich, die genaue Formulierung erinnere ich nicht mehr genau, aber sie muss etwas über meine 'Identität' bei Geburt gefragt haben und ich weiß noch, dass sie die Frage mit meinem Namen begründet hat. Denn auf meine Nachfrage, wie sie denn das was sie gefragt hat definiere, sagte sie Staatsbürgerschaft und ich antwortete, dass ich tatsächlich nicht mit deutscher Staatsbürgerschaft geboren wurde. Auf der Basis konnten wir dann über Staatsbürgerschaftsrecht anstatt über meine Herkunft reden.

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