Donnerstag, 28. Januar 2016
Aneignung von Räumen
Vorgestern war wieder ein spannender Vortrag im Institutskolloquium (Un)Möglichkeiten?! Reflexive Herausforderungen der Disability Studies des Instituts für Europäische Ethnologie in Berlin. Annelies Kusters hat über die Nutzung der Abteile für Behinderte in den Vorortzügen von Bombay durch Gehörlose berichtet. Diese scheinen sich sowohl zu Treffpunkten für Gehörlose als auch zu Orten für Interaktionen mit anderen Behinderten zu entwickeln. Dabei werden verschiedenste Sachen verhandelt (wer darf ins Abteil, wer darf sitzen, wie kommuniziert mensch miteinander, etc.). Sehr spannend. Mit überraschenden Aspeketen. So werden Hijras wohl als Mitfahrende geduldet, während andere aus dem Abteil verwiesen werden.

Und: Leider ist es für mich immer noch was besonders. Es war toll zum ersten mal einen Vortrag in Gebärdensprache (simultan gedolmetscht) zu verfolgen.

Ich bewege mich zu sehr in einer seggregierten Welt.

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Mittwoch, 27. Januar 2016
Schwierige Teilnehmende
Bildungsarbeitende kennen das. In vielen Gruppen gibt es Teilnehmende, die schwierig sind. Die die Bildungsveranstaltung, die Bildungsarbeitende, das Konzept, etc. in Frage stellen. Die den Ablauf stören können, die Unruhe rein bringen können. Diese produktiv einzubinden, ist eine ziemliche Herausforderung.

Wenn ich an Bildungsveranstaltungen teilnehme, dann werde ich häufig zur schwierigen Teilnehmenden bzw. befürchte es zu werden. Wenn ich das Gefühl habe, meine Zeit zu verschwenden, weil Gruppenprozesse nicht ordentlich angeleitet werden, weil das Bildungsziel unklar ist, weil die Bildungsveranstaltung mir nicht auf die Interessen der Teilnehmenden abgestimmt scheint, dann fange ich nicht nur an, unzufrieden zu werden, sondern beginne mir auch zu überlegen, welche Methoden eingesetzt werden könnten, um mich als Teilnehmerin zufriedener zu machen. Da hänge ich mich dann häufig dran auf und kann immer weniger aus der Veranstaltung rausziehen. Die anderen Teilnehmenden scheinen meist mit weniger zufrieden. Sie nehmen das mit, was ihnen geboten wird. Ich versuche das auch immer wieder, aber häufig gelingt es mir nicht. Sauer werde ich dann, wenn mir die Bildungsarbeitenden nicht nur wenig methodisch kompetent erscheinen, sondern sie auch noch inhaltlich fragwüdig vorgehen oder generell wenig Interesse an der Gruppe zeigen.

So nehme ich an immer weniger Fortbildungen teil, obwohl ich gerne noch vieles dazu lernen will.

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Sonntag, 24. Januar 2016
Prekäre Solo-Selbständige
Vor zwei Wochen berichtete die taz darüber, dass die Grünen ein Mindesthonorar für Selbständige fordern. Dabei bezog sie sich wohl auf dieses Diskussionspapier Digitalisierung gestalten. Vor allem bei jenen, die eher schein-selbständig als wirklich selbständig sind, kann das eine wichtige Forderung sein.

Mir als privilegierter prekärer Solo-Selbständigen wäre anderes wichtiger. Mein Stundenlohn bei Aufträgen, die ich habe, ist in der Regel ok. Nur reichen die Aufträge pro Monat nicht zum Leben. Vor allem nicht, weil der Krankenversicherungssatz für Selbständige sich an einem illusorischen Einkommen pro Monat orientiert, zumindest illusorisch für jene, die in der nicht-kommerziellen Bildungsarbeit tätig sind. Mir wäre schon viel geholfen, wenn da das angenommenen Einkommen näher an meinem tatsächlichen Einkommen liegen würde. Denn was die taz zum Mindesthonorar schreibt, gilt da auch:

"Die Forderung nach der Statustrennung zwischen Solo- und normalen Selbstständigen begrüßt Berater Gunter Haake ausdrücklich. Er ist Geschäftsführer der Verdi-nahen Firma Mediafon, die Soloselbstständige berät. Mit der Trennung entrinne man einem grundsätzlichen rechtlichen Dilemma beim Mindesthonorar für Selbstständige: „Das Wettbewerbsrecht behandelt Soloselbstständige wie Tankstellenkonzerne.“"

Noch toller wäre es natürlich, wenn es so etwas wie die Künstlersozialkasse auch für Bildungsarbeitende gäbe.

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Freitag, 15. Januar 2016
Paul Mecheril zu Flucht und aktuellen Diskursen
Eine sehr lesenswerte Rede im Weser-Kurier.

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Donnerstag, 14. Januar 2016
Ketten-Abschottung
tagesschau.de meldet, dass die Türkei syrische Flüchtlinge nach Syrien abschiebt. Das wird nun kritisiert:

"Die EU-Kommission teilte Monitor gegenüber mit, irreguläre Abschiebungen ohne individuelle Prüfung würden einen "Bruch internationalen Rechts" bedeuten und die Europäische Menschenrechtskonvention verletzen."

Natürlich ist das ein Bruch internationalen Rechts. Aber was denkt sich die EU? Selbst will sie die Flüchtlinge nicht aufnehmen, rüstet rechtswidrig ihre Grenzen auf, verpflichtet die Türkei, Flüchtlinge zu behalten - warum sollte die Türkei anders handeln als die EU?

Die Konsequenz müsste sein, die Grenzen für Flüchtlinge zu öffnen.

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Rechte Gewalt
tagesschau.de berichtet:

"Trauriger Rekord: Nie gab es so viele gewalttätige Übergriffe auf Flüchtlingsunterkünfte wie 2015. Vorläufige Zahlen des Bundeskriminalamts zeigen einen massiven Anstieg. Die Opposition geht von noch mehr Fällen aus."

Die rechte Gewalt scheint gerade in Deutschland wieder zuzunehmen. Auch 2016 gab es schon einige Gewaltausbrüche:

Die sexualisierte Gewalt am Kölner Hauptbahnhof als Vorwand nehmen, haben in Köln vermutlich biodeutsche Gewalttäter Menschen, die sie als 'Ausländer' klassifizierten, gejagt und zum Teil krankenhausreif geschlagen.

In Leipzig haben rechte Gewalttäter in einem linken Stadtteil gewüstet.

Daniel Bax fragt in der taz, warum es für die rechte Gewalt so wenig öffentliche Empörung gibt:

"Man könnte deshalb auch fragen: Welche Rolle spielt die mitteleuropäische Herkunft der Täter? Oder: Gehört Gewalt gegen Andersdenkende und Andersaussehende so sehr zu „unserer Kultur“, dass sie von vielen nicht als Skandal empfunden wird? Denn der große Aufschrei blieb bislang aus."

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Dienstag, 12. Januar 2016
Sichere Herkunftssstaaten
Die taz berichtet, dass die Union diskutiert, ob Algerien und Marokko als sichere Herkunftsstaaten eingestuft werden sollen.

Ich habe über Algerien und Marokko wenig Ahnung. Aber beim Young Media Summit Reloaded im Dezember in Tunis habe ich zwei marokkanische Menschenrechtsaktivist_innen kennen gelernt. Beide werden in diesem Netzpolitik-Artikel erwähnt, weil gegen sie in Marokko ermittelt wird. Der eine von beiden war daher nach Tunis ins Exil gegangen. Auch wenn mir die Kenntnisse fehlen, all das genau einzuschätzen, bezweifele ich nach dem, was die beiden uns erzählt haben, dass Marokko ein sicherer Herkunftsstaat ist. Politischer Aktivismus scheint gefährlich zu sein.

Nachtrag 15.01.16: Im taz-Interview spricht Isabelle Werenfels von der SWP unter anderem über Marokko:

"All das erweckt den Anschein von Offenheit und einer Reformdynamik. Gleichzeitig stehen Journalisten und Wissenschaftler vor Gericht oder dürfen nicht reisen, weil sie einen investigativen Journalismus vorantreiben wollen oder mehr Meinungsfreiheit einfordern."

Das würde meinen Eindruck bestärken.

Nachtrag 20.01.16: Mehr zu Menschenrechtsverletzungen in Marokko und Algerien in der taz.

Nachtrag 24.01.16: Informationen über verfolgte Menschenrechtsaktivist_innen in Marokko, einer war beim YMS Reloaded dabei.

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Montag, 11. Januar 2016
#ausnahmlos
Eine Gruppe von Feminist_innen hat einen öffentlichen Aufruf Gegen sexualisierte Gewalt und Rassismus. Immer. Überall. #ausnahmslos gestartet.

Aus dem Statement:

In der Silvesternacht auf 2016 waren in Köln und anderen deutschen Städten viele Frauen sexualisierter Gewalt an öffentlichen Plätzen ausgesetzt. Diese Taten müssen zügig und umfassend aufgeklärt werden. Die Schutzlücken im Straftatbestand der sexuellen Nötigung/Vergewaltigung müssen endlich geschlossen werden.

Wir fordern, dass den Betroffenen jetzt alle Unterstützung und Hilfe zukommt, die sie benötigen. Wir stehen solidarisch mit all denjenigen, die sexualisierte Gewalt und Belästigung erfahren und erfahren haben.

Mehr hier. Da kann der Aufruf auch mitgezeichnet werden.

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