Donnerstag, 23. März 2023
thoda thoda
Buch: Teach Yourselve Hindi


Mitter der 1990er habe ich zwei Semester Hindi an der Uni Kiel belegt. Das erste Semester war super. Ich hatte ein Gefühl für die Sprache und konnte einiges lernen. Im zweiten bin ich dann kaum noch hinterhergekommen. Postpositionen? Ich habe Wörter übersetzen können, aber keine Sätze verstanden.

Ich kann Begriffe rund um Familie und Essen, und verstehe ganz einfache Sätze. Damit gebe ich dann auch gerne mal an und antworte auf die Frage, ob ich Hindi kann mit '"thoda thoda" (wenig wenig).

Für mein Fellowship habe ich mein altes "Teach yourself Hindi"-Buch aus dem Regal gezogen und die dazugehörige Audiokassette digitalisiert. Seitdem begleitet mich das Buch bei meinem Indienaufenthalt. Im ersten Monat habe ich auch mal die erste Lektion angeschaut, ein paar Buchstaben geschrieben und dann das Buch nicht mehr angerührt. Sprachelernen ist nicht so mein Ding, zu anstrengend und so wenig Zeit ...

Zudem kommt mensch in Delhi auch sehr gut ohne Hindi bzw. mit "thoda thoda" durch. In den wenigen Momenten, in denen ich ohne Hindi nicht weiterkommen würde, findet sich meist jemensch, die übersetzen kann.

Ich kann absolut verstehen, wenn Migrant_innen sich schwertun die Sprache an ihrem Wohnort zu lernen. Auch wenn sie wissen, dass sie sich dann besser verständigen könnten.

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Mittwoch, 22. März 2023
Überfordernde Milch
Schild eines Mother Dairy Ladens


Man könnte meinen, es müsste einfach sein Milch zu kaufen. Vorallem wenn es dafür auch noch spezialisierte Läden gibt. Und es ist auch nicht schwer sie zu kaufen, aber durchaus nicht so leicht, sich zu entscheiden. Mother Dairy hat viele verschiedene Sorten von Toned Milk bis Kuhmilch. Der Wikipedia-Eintrag zu Toned Milk hat mich nicht überzeugt, zu viel Mischung. Die Mother Dairy-Seite bietet mir aber nicht die Informationen, die ich suche (z.B. von welchem Tier die Milch jeweils stammt). Und so kaufe ich immer da, was ich kenne: Kuhmilch. Obwohl die vorallem für Kinder gut sein soll.

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Dienstag, 21. März 2023
Außenstelle des IfEE in Delhi
Unser Büro in ICAS:MP


Das letzte halbe Jahr haben Anne-Kathrin Will und ich uns das Büro bei ICAS:MP hier in Delhi geteilt. Beworben haben wir uns unabhängig voneinander, gekannt hatten wir uns aber schon vorher. Denn auch am Institut für Europäische Ethnologie der Humboldt-Universität zu Berlin waren wir schon Kolleginnen. Da haben wir uns das Büro allerdings nicht gleichzeitig, sondern nur nacheinander geteilt.

Ende des Monats geht es wieder zurück nach Berlin. Den Blick aus dem Büro werden wir vermissen, da kann die M-Strasse nicht mithalten.

Blick aus dem Bürofenster auf Pfau

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Montag, 20. März 2023
Hindutva-Park
Der Veer Savarkar Park in Lodi Colony Market.


Ganz in der Nähe meiner Wohnung ist der Lodi Colony Market mit guten Restaurants und Läden. Da bin ich immer mal wieder. Den Park in der Mitte blende ich dabei meist aus. Beim ersten Lesen des Namens Veer Savarkar Park war da ein vages Erkennen. Aber ich konnte es wohl nicht glauben, also habe ich es nicht wirklich erkannt. Veer Savarkar hat die Idee der Hindutva entwickelt, also die Grundlage für den Hindu-Nationalismus. Er wird auch in einen Zusammenhang mit dem Attentat auf Mahatma Gandhi gebracht. Ich hätte nicht gedacht, dass es für ihn einen öffentlichen Park gibt. Und hatte es wieder verdrängt, bis eine Kollegin ihn entdeckt hat und entsetzt war.

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Freitag, 17. März 2023
Feministische Filme
Filmabend im ICAS:MP-Büro.


Irgendwie hat es sich ergeben, dass wir Fellows angefangen haben, zusammen feministische (Dokumentar)Filme anzusehen.

Zuerst war es Paromita Vohras Dokumentarfilm Unlimited Girls von 2002. Vohra macht sich da auf die Suche nach dem Feminismus (in Indien).

Vorgestern haben wir dann Pushpa Rawats Dokumentarfilm Nirnay von 2012 gesehen. Den kannte ich noch nicht und war sehr beeindruckt. Rawat filmt dort ihren Ex-Freund, seine Frau, ihre Familie und ihre Freundinnen rund um das Thema Heirat, Ehe und vor allem Druck und Freiheit. Sehr einfühlsam und gleichzeitig pointiert.

Auf unserer Liste stand auch noch Nina Paleys Animationsfilm Sita sings the Blues. Das schaffen wir aber wohl nicht mehr, bevor Ende März die meisten von uns zurück nach hause reisen.

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Donnerstag, 16. März 2023
Arranged Marriage
Ambiance Mall in Gurgaon


In meiner Familie hat sich viel geändert. Love Marriages sind inzwischen auch möglich. Nicht-Heiraten ist aber weiter keine Option. Und Sich-Scheiden-Lassen noch weniger.

Meine 27jährige Nichte hat bisher keinen Freund. Ihre Eltern wollen aber nicht mehr lange mit der Heirat warten. Also suchen sie nach einem passenden Partner. Sie hat dafür Kritierien aufgestellt (nicht mit den Schwiegereltern zusammenleben, weiter arbeiten, ähnlicher sozio-ökonomischer Hintergrund). Mit den Kriterien ist es schwierig, jemanden passenden zu finden. Mit drei möglichen Partnern hat sie sich bisher getroffen. Einer war furchtbar, zu zweien hat sie keinen Draht gefunden. Die Suche geht weiter.

Zu uns meinte sie, es sei zu anstrengend, eine arrangierte Ehe zu arrangieren. Zu viele Entscheidungen müssten getroffen werden. Ihre Empfehlung wäre inzwischen klar, sich einen Boy Friend zuzulegen. Schiefgehen kann es in beiden Fällen, aber die Liebesheirat sei weniger mühsam.

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Mittwoch, 15. März 2023
Rücksichtslosigkeit im öffentlichen Raum
Spice Basar in Alt-Delhi


Seit ein paar Wochen bin ich nun wieder in meiner Bubble rund um die Lodhi Gardens. Hier ist es ruhig und angenehm.

Davor hatte ich Besuch und bin mehr unterwegs gewesen. Vor allem in Delhi und Jaipur. Das war anstrengend. Wegen der vielen Leute. Und der Rücksichtslosigkeit im öffentichen Raum.

Überall drängeln sich die Leute vor, egal ob in der Frauentoilette oder am Security Check am Bahnhof. Wenn auch nur 5 cm Abstand sind, dann kann mensch da durch. Als wir einen Typen am Bahnhof angemacht haben, warum er sich vordrängelt, meinte er doch glatt, er hat uns nicht gesehen. Mit 1,78 m und 90 kg plus Riesen-Rucksack bin ich natürlich auch leicht zu übersehen. Irgendwann habe ich angefangen, meine Körpergröße und mein Gewicht einzusetzen und Leute zur Seite zu kegeln, wenn sie mir den Weg blockiert haben. Da bekam ich so manch überraschten Blick von dem ein oder anderen Typen.

Auf der Straße passiert es mir häufiger, dass mich ein Auto oder sonstiges motorisiertes Gefährt überholt, dann vor mir abbiegt und mir dabei fast über die Füsse fährt. Auch wenn es da dann kein Weiterkommen gibt und sie vor mir stehen bleiben müssen. Das passiert auch hier in der reichen Umgebung.

In der Metro, im Zug, auf der Strasse, auch mal im Restaurant wird laut am Telefon gesprochen, Musik gehört oder so. Lärm wird mit Lärm übertönt, ganz selbstverständlich.

Und der Müll wird einfach weggeworfen, aus dem Zug, auf die Straße, wo auch immer mensch gerade ist. Weg damit.

Diese Rücksichtslosigkeit macht mich immer wieder fassungslos. Wie geht das? Im Privaten ist es vermutlich nicht so. Da werden Respekt und Rücksicht, so weit ich das erlebe, hoch gehalten.

Ach ja, und immer wenn ich anfing, mich darüber aufzuregen wie rücksichtslos DIE Inder_innen sind, kam mit ziemlicher Sicherheit eine weiße Person vorbei, die mindestens genauso rücksichtslos war.

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