Samstag, 5. Juli 2008
Exzellenz
"Auch im Bereich der Mittel sind allerdings keine Quoten geplant. Der Grund: Man wolle sicherstellen, dass ein "exzellentes Projekt" nicht daran scheitern soll, " dass Wissenschaftlerinnen nicht beteiligt sind", so Kleiner." berichtet die taz über Diskussionen der DFG über eine Förderung von Frauen in der Wissenschaft.

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Mittwoch, 2. Juli 2008
BerlinerInnen mit Migrationshintergrund
"Ein Viertel aller BerlinerInnen sind eingewandert oder Nachkommen von EinwanderInnen. Das geht aus einer Analyse melderechtlicher Daten hervor, die das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg am Dienstag gemeinsam mit dem Integrationsbeauftragten des Senats, Günter Piening, vorstellte." berichtet die taz.

Woher wissen die das? Welche Daten haben die über mich, dass sie meinen Migrationshintergrund feststellen können? Und wenn sie keine haben, wie können sie dann die Zahl derer mit Migrationshintergrund angeben?

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Transphob oder nicht
In der taz heute zwei Artikel über den werdenden Vater Thomas Beatie:

Cigdem Akyol kann offensichtlich gut mit Sachen/Menschen/Ideen umgehen, die aus der Norm fallen, und begrüßt das sogar:

"Der schwangere Transsexuelle zeigt, dass es nicht nur Schwarz und Weiß gibt, sondern auch etliche Grauschattierungen. ... Beatie führt ein Leben mit Brüchen und Veränderungen. Ein echtes Leben eben. Ein Dasein als Mann mit einer Gebärmutter."

Auf dem transgenialen CSD 2008

Arno Frank hingegen scheint in seinem Wunsch nach Normeinhaltung völlig irritiert und schlägt deshalb wild (und wenig überzeugend) um sich:

"Das mag ihm glauben, wer will, und derzeit glauben viele Menschen solchen Quatsch sehr gerne - was vor allem an den bizarren Auswüchsen der Genderstudies liegt, deren Ziel es ist, der Gesellschaft einzutrichtern, das Geschlecht sei nichts weiter als ein soziales Konstrukt, das prinzipiell zur Disposition steht und damit unseren Vorlieben sowie der Geschicklichkeit teurer Chirurgen unterworfen ist. Gebärmutter bleibt Gebärmutter, in wessen Bauch auch immer sie steckt."

Enden muss er dann auch noch offen transphob:

"Thomas Beatie ist kein Mann, sondern eine schrecklich verstümmelte Frau - und gottlob nicht verstümmelt genug, um keine Kinder gebären zu können."

Eine solche platte und aggressive Argumentation passt eigentlich eher zu Franz Josef Wagners Bild-Kolumne als zur taz.

Nachtrag 08.07.08: Zum wenig souveränen Umgang der taz mit der Kritik siehe hier.

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Montag, 30. Juni 2008
Public hearing
Als wir Mittwochabend auf dem Balkon gegessen haben, konnten wir die Tore der türkischen Männerfußballnationalmannschaft gut hören. Und von denen der deutschen Männerfußballnationalmannschaft unterscheiden. Bei letzteren war das Geböllere und Geschreie noch lauter und länger.

Heute abend waren wir uns nicht sicher, ob es wirklich ein Tor war. Es gab kaum Jubel. Und auch der Fernsehmoderator, den wir quer über den Hinterhof als Geräuschkulisse verfolgen konnten, blieb sehr ruhig.

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Transgenialer CSD
Transparent auf dem Transgenialen CSD 2008

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Freitag, 27. Juni 2008
Alles friedlich
Fahnen schwenken und Deutschlaaand rufen am Potsdamer Platz

Aus der taz berlin-Berichterstattung über Reaktionen zum Türkei-Deutschland-Männerfußballspiel am Mittwoch:

"20.44 Uhr, Fanmeile, Hauptleinwand: Eine Kurzhaarfrisur im Poldi-Trikot XXL streckt zur Deutschland-Hymne die rechte Hand zum Hitlergruß und grölt leidenschaftlich mit. Für mehr als den Refrain reicht es nicht.
...
22.51 Uhr, Frankfurter Allee, Kinzigstraße: Zwei braungebrannte und tätowierte Schränke zünden ein Türkeifähnchen an. Als das Fähnchen brennt, werfen sie es auf die Frankfurter Allee.
...
22.57 Uhr, Danziger Straße Ecke Pappelallee: Ein Auto mit türkischen Fans hat sich in die Jubelmassen verirrt. Sehr deutsche Fans rütteln an dem Wagen, bevor die Lage eskaliert geht die Polizei dazwischen. "So sehn Verlierer aus!", rufen hämisch die Umstehenden. Ein Fettwanst mit weißem Trikot schwenkt aggressiv seine Fahne über dem Auto und ruft, "Ali, Hakan, Mustafa, fahrt zurück nach …" Ein Polizist reißt ihm die Fahne runter und sagt: "Du nervst!"
...
0.10 Uhr, Holocaust-Denkmal, Behrenstraße: Zwei Polizisten sitzen auf einem Stein und essen Butterbrot. "Ist ja alles friedlich", sagt der eine gelassen. Sie rechnen nicht damit, dass es heute Abend noch zu Auseinandersetzungen kommt...."


(vgl. auch Fahnen schwenken anlässlich der WM 2006)

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Freitag, 27. Juni 2008
Auf gepackten Koffern
Ausstellung Auf gepackten Koffern

Die sehenswerte Ausstellung Auf gepackten Koffern - Leben in der Abschiebehaft des Flüchtlingsrat Berlin noch "bis Freitag, 11. Juli 08, bei ver.di werktags von 10.00 - 20.00 UHr und samstags von 12.00 - 18.00 Uhr zu sehen. Danach kann sie über den Flüchtlingsrat Berlin ausgeliehen werden."

Die Adresse der Bundeszentrale von ver.di ist: Paula – Thiede – Ufer 10, 10179 Berlin

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Aus der Festung Europa
In Melilla haben wieder etliche Menschen versucht, die Grenzanlagen in die Festung Europa zu überwinden. Die taz nimmt dies zum Anlass einen Artikel über das Leben von Flüchtlingen in Ceuta zu bringen, der mal wieder so von rassistischen Bildern strotzt: die Lippen des einen verzerren sich zu einem Schmollmund, die Afrikaner haben angeblich einen andere Beziehung zum Tod und sind besessen vom Traum Europa, etc.

Derweil brennt in der Nähe von Paris ein Abschiebelager, in dem menschenunwürdige Verhältnisse herrschen.

Einen Einblick in das (Arbeits-)Leben von illegalisierten Menschen in der Festung Europa gibt der Roman Caravan von Marina Lewycka. Leider liegt hier allerdings wieder der Fokus auf den 'weißen' Illegalisierten, der Schwarze wird als sehr kindlich-naiv porträtiert, die beiden aus Asien stammenden bekommen gar kein Profil und verschwinden auch wieder schnell.

Währenddessen wollen PolitikerInnen in Deutschland nach wie vor christlichen IrakerInnen besonderen Schutz gewähren, argumentieren dabei offen islamophob:

"Es sei schließlich nicht naheliegend, dass Deutschland vor allem muslimische Flüchtlinge aufnehme und die christlichen Flüchtlinge in der Türkei oder Syrien unterkommen müssten."

und verdrehen dabei die Wirklichkeit von (irakischen) Flüchtlingen in Deutschland wie es ihnen gefällt.

Der Berliner Innensenator sagt derweil, was der Kern deutschen Umgangs mit Flüchtlingen ist:

"Sein Fazit: "Wir werden nicht alle abschieben können, die wir abschieben müssten.""

Die Menschenwürde der 'Anderen' interessiert in Europa nicht.

Nachtrag 02.07.08: Die Folgen der Festung Europa lassen sich z.B. in "Guantanamito"in der Sahara betrachten wie die taz berichtet.

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Montag, 23. Juni 2008
Im Zug
Die Bild-Zeitung fördert die internationale Verständigung während er Europameisterschaft des Männerfussballs 2008.

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Deutsche Geschichte
Vor kurzem waren wir im Berliner privaten DDR Museum, dass sich selber preist eines "der interaktivsten Museen Europas" zu sein. Es ist sicher auch eines der überteuertesten und inhaltlich miserablesten Museen Berlins (vergleichbar mit dem Museum am Checkpoint Charlie). Die willkürliche Zusammenstellung von Ausstellungsstücken (ohne weitere Informationen, woher diese stammen, wie sie zu kontextualisieren sind) wird verbunden mit einer klaren politischen Aussage, dass die DDR schlecht war.

Besonders beeindruckt hat mich folgendes Ausstellungsstück:

Ausstellungsstück im DDR-Museum

In diesem Heft steht Zeile nach Zeile, welche Konsumgüter alle nicht zu kaufen waren in der DDR. Von der Darstellung wirkt es wie ein Tagebuch. Aber das Museum bietet keine weiteren Informationen dazu, woher dieses Heft stammt, wer es zu welchem Zweck verfasst hat. Da es ausschließlich beschreibt, was nicht zu beschaffen war, und keinerlei privaten Aufzeichnungen dazwischen stehen, kann es nicht wirklich ein Tagebuch sein. Wer sollte wohl solche Aufzeichnungen machen? Ohne weitere Informationen von den AusstellungsmacherInnen habe ich das Gefühl, da stimmt was nicht.

Am Wochenende waren wir nun im Zeitgeschichtlichen Forum in Leipzig. Im Vergleich zum DDR-Museum ist das ein hervorragendes Museum. Es gibt einen logischen Aufbau und Hintergrundinformationen. Die Grundaussage ist aber die gleiche (wie auch im Haus der Geschichte in Bonn):
  • Geschichte lässt sich linear darstellen
  • am besten mit vielen Gegenständen und wenig Hintergrundinformationen
  • es gibt Gut und Böse
  • die DDR war böse und die BRD gut
  • es gibt keine Ambivalenzen
  • alles was nicht in den Erzählstrang passt, wird rausgelassen
Ich wünsche mir ein Museum, in dem Ambivalenzen einen Raum bekommen. In dem innere Widersprüche thematisiert werden. In dem es nicht so klar ist, was gut und böse ist. Dann kann die Auseinandersetzung mit der Diktatur DDR produktiver geführt werden und wir Wessis können auch unseren Staat hinterfragen.

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Freitag, 20. Juni 2008
Katholische Ehe
Ein katholischer Geistlicher hat (wie die taz berichtet) die Trauung eines Querschnittsgelähmten untersagt, da er die Ehe nicht vollziehen könne.

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Leben in Berlin
Die taz berichtet aus dem idyllischen Berliner Ortsteil Rudow:

"Am vergangen Mittwoch endlich wurden zwei Verdächtige festgenommen. Der eine ist 16 Jahre alt, der andere 18. Sie kommen aus dem Blumenviertel; sind dort aufgewachsen. Ein dritter Verdächtiger, der der Polizei wegen rechter Gewalttaten bekannt ist, soll an den Vorbereitungen der Feuerattacken beteiligt gewesen sein. Die Staatsanwaltschaft ermittelt, denn fremdenfeindliche Motive schließt sie nicht aus. Der Vorwurf lautet auf versuchten Mord: "Wer Brandsätze gegen ein Haus schleudert, in dem Menschen schlafen, nimmt ihren Tod zumindest in Kauf.""

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Einbürgerungstest
Nach dem baden-württembergischen Muslimtest und der Vorlage für den hessischen Wissen & Werte-Test gibt es jetzt einen bundeseinheitlichen Einbürgerungstest. Es wurde auch schon diskutiert, ob die Fragen nicht zu schwierig sind (ein Berliner Uniinstitut hat sie entwickelt) und von den meisten deutschen StaatsbürgerInnen auch nicht beantwortet werden können.

Aber das ist für mich nicht das zentrale Problem. Das klare Signal, dass Einbürgerung kein Recht sondern ein zu begründende Ausnahme ist, ist das zentrale Problem. Damit wird den nicht-deutschen StaatsbürgerInnen mal wieder gezeigt, dass sie nicht als gleichwertig angesehen werden. Und ein großer Teil der Bevölkerung Deutschlands wird weiter von fundamentalen Staatsbürgerrechten ausgeschlossen. Zutiefst undemokratisch.

Nachtrag 20.06.08: Wie die taz berichtet, ist die Integrationsministerin beleidigt, weil sie für ihre Unterstützung des Einbürgerungstests kritisiert wurde. Auf dieser Basis könne sie nicht diskutieren.

Nachtrag 28.07.11:Die taz berichtet, dass die neue baden-württembergische Innenministerin den "Gesprächsleitfaden" abschaffen wird.

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Wissenschaft
Vor ein paar Wochen auf einer Konferenz bei einem Pausengespräch:

Ein paar NachwuchswissenschaftlerInnen widersprechen einem wichtigen Professoren. Sie halten den Vortrag über Rassismus, den sie gerade gehört haben, durchaus für fundiert. Und argumentieren, dass es keine objektive Fakten gibt, dass alles was wir wahrnehmen durch eine durch Wissen geformte Brille wahrgenommen wird.

Der Professor gibt sich väterlich fürsorglich: Wenn sie davon überzeugt sind, dass es kein objektives Wahrnehmen gibt, dass alle Begriffe schon Wissen reproduzieren und das es kein Denken jenseits des Wissens gibt, dann dürfen sie keine Wissenschaft machen.

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