Freitag, 13. Oktober 2017
Wissen schaffen über und durch das Andere - Reflexionen zur Differenzlinie West/Ost in Deutschland
Institutskolloquium am Institut für Europäische Ethnologie, Humboldt-Universität zu Berlin




Der Osten fungiert in vielen Diskursen als das Andere. Dies gilt sowohl für den Osten Europas als auch für jenen in Deutschland. Über dieses Andere wird das (überlegene) Eigene definiert, das Andere interessiert nicht an sich, sondern wird zur Abgrenzung gebraucht.
Das Institutskolloquium widmet sich sowohl den Produktionsprozessen des Anderen als auch den Regionen,die als Andere konstruiert werden, und ihren transnationalen Verflechtungen. So soll zum einen nicht nur ergründet werden, welches Wissen über das Andere geschaffen wird, sondern auch was diese Wissensproduktion zur Folge hat: Welches Wissen wird über den Osten geschaffen? Wieso wird gerade der Osten dazu genutzt, diese Art des Wissens durch ihn zu produzieren? Welche Bedeutung hat diese Wissensproduktion für den Westen? Zum anderen wird aus Forschungsprojekten berichtet, die sich explizit mit Entwicklungen im Osten Deutschlands beschäftigen, und so Zugang zu anderen Wissensproduktionen geschaffen: Welches Wissen kann durch einen Blick in den Osten produziert werden? Welche Anregungen und Perspektiven lassen sich beim Einlassen auf ostdeutsche Geschichte und Gegenwart gewinnen?

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Freitag, 20. September 2013
Karikaturen
Die taz ist heute eine taz voller Karikaturen. Ich mag (gute) Karikaturen. Politische Themen lassen sich da gut zuspitzen. Das Problem ist nur, dass Karikaturist_innen damit arbeiten müssen, dass bestimmte Bilder bestimmte Assoziationen aufrufen. Damit ist die Karikatur dafür anfällig sterotype Bilder zu reproduzieren (und damit Rassismen, Sexismen, Ableismen, etc.). Eine gute Karikatur ist also gar nicht einfach.

In der taz heute geht es auch um die Karikaturen und die Karikaturist_innen. Dazu z.B. ein Werkstattbesuch bei Mathias Hühn. Dazu eine Karrikatur zur Wahl (siehe taz). Laut taz:

"Was ihm vorschwebt, ist eine Szene, in der es um Nichtwähler geht, um Harz-IV-Tristesse und politische Gleichgültigkeit."

Dass es ums Nicht-Wählen geht, erschliesst sich mir in der Karikatur auch sofort. Aber ich bin etwas irritiert von dem Gebäude. Das sieht mir wie eine Behörde oder ein Asylbewerber_innenheim aus. Die Köpfe, die aus dem Gebäude schauen, passen aber nicht zu dem Eindruck. Es soll wohl eher ein Wohnhaus darstellen. Dazu im taz-Bericht:

"Seit den 90ern sammelt er alle möglichen Motive, die er in thematischen Mappen ordnet. Heute braucht er die mit den Plattenbauten. Der Einstieg fällt ihm leichter, wenn er eine Vorlage hat. Er wählt ein Bild aus, ein Asylbewerberheim in Sachsen-Anhalt."

Mein Eindruck Asylbewerber_innheim stimmt also, genauso wie der Eindruck, dass es um ein Wohngebäude gehen soll. Genauer soll es ein Plattenbau sein, der "Nichtwähler", "Harz-IV-Tristesse" und "politische Gleichgültigkeit" darstellen soll. Der Plattenbau steht für den Osten und der steht für das in dieser Karikatur zu kritisierende. Und da ist da kann dann auch ein Asylbewerber_innenheim als Wohnhaus dienen.

Karikaturist_innen liegen in ihrer Bilderwahl immer mal wieder so weit daneben (siehe auch hier), dass ich die Karikaturen weniger als gelungene Kritik von Politik/ Gesellschaft und mehr als Reproduktion von ausgrenzenden Bildern wahrnehme.

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Sonntag, 15. September 2013
Rechte Gewalt: Ost/West
Die taz berlin fragt Marcus Reinert, den Geschäftsführer der Opferperspektive:

"Kann man bei rechter Gewalt überhaupt noch von einem rein ostdeutschen Problem reden? "

und Reinert antwortet:

"Nein. Und so war es auch nie. Ich habe Seminare in Bayern gehalten und da wurde deutlich, dass es dort ein massives Problem mit rechter Gewalt gibt. Nur herrscht in Westdeutschland ein Wahrnehmungsproblem. Rechte Taten werden dort nicht flächendeckend dokumentiert und nicht öffentlich diskutiert, weil dafür entsprechende Stellen fehlen, die dies tun. Auch Betroffenen dieser Gewalt fehlen qualifizierte Ansprechpartner. Das ist ein untragbarer Zustand."

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Montag, 23. Januar 2012
Das preußische Polen
Im Rahmen des allgemeinen Preußen- bzw. Friedrich-Hypes, der gerade durch die Medien schwappt, hat die taz über den 'polnischen Friedrich' berichtet. Als Protagonist des Artikels dient der Kunsthistoriker Grzegorz Podruczny. Seine Faszination für Friedrich und die Preußen wird wie folgt motiviert:

"Die drei Teilungen Polens - in preußisches, österreichisches und russisches Staatsgebiet - seien noch spürbar. Das preußische Polen fühlt westlich, denkt europäisch, daran lässt Podruczny kein Zweifel. Die Polen im Westen wählen mehrheitlich die liberale Bürgerplattform, nicht die konservative Partei PIS."

Interessante Konstruktion des (fortschrittlichen) 'Westens'. Besonders interessant, da hier historische Kontinuitäten suggeriert werden, die so gar nicht existieren. Etwas später im Artikel wird der Leiter der deutsch-polnischen Seniorenakademie in Slubice zitiert:

""Wir Slubicer sind keine alteingesessenen Bürger", erklärt Raczkowski ihr Interesse für Geschichte. Nach dem Krieg wurden vor allem Polen aus dem damaligen Osten Polens im Westteil des Landes angesiedelt"

Im 'Westen' wohnen also die aus dem 'Osten'.

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Dienstag, 13. Dezember 2011
Projektseite Migration in die DDR online


Nach langer Arbeit ist jetzt endlich die Projektseite Migration in die DDR (und BRD) online. Die Seite ist aus einem Projektseminar an der Humboldt-Universität entstanden. Auf ihr werden verschiedene Projektarbeiten rund um die Migration in DDR präsentiert. Eine davon ist eine Online-Bibliographie (bei der leider die Schlagwortsuche noch nicht funktioniert).

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Mittwoch, 30. November 2011
Der Westen, der Osten und der Rassimus
Zur komplexen Verflechtungen zwischen Westdominanz in Deutschland, inklusiver der Verschiebung von Rassismus in den Osten, und der Realität von Rassismus (auch) im Osten Deutschlands eine Diskussion auf dem Blog Einwende.

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Sonntag, 20. Februar 2011
Berlinale: Dance Town
Der südkoreanische Spielfilm Dance Town begleitet eine Nordkoreanerin auf ihrer nicht ganz freiwilligen Flucht in den Süden und ihre ersten Schritte dort. Düsterer Film, aber gut. Gefallen hat mir unter anderem, dass der Norden nicht als das Böse schlechthin gezeichnet wurde. Die Protagonistin hatte dort auch ein Leben. Südkoreanische Propaganda stellt das in der Regel anders dar.

Zum Ende der Berlinale wurde leider keine Diskussion mit der_dem Regisseur_in angeboten.

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Montag, 12. April 2010
Diskriminierung von Ossis
Die taz berichtet heute in einer Kurzmeldung, dass eine Frau klagt, weil sie aufgrund ihrer ostdeutschen Herkunft abgelehnt wurde. Die taz hat auch einen längerern Hintergrundbericht online. In einem Kommentar argumentiert Daniel Bax, dass es sich um eine rassistische Ausgrenzung handelt.

Rassismus würde ich es nicht nennen (und auch den Begriff Ethnie [Nachtrag 21.06.10: nicht] nutzen). Denn das macht zum einen den Begriff Rassismus beliebig und zum anderen verdeckt es die Spezifik des Machtverhältnisses West-Ost. Meine Gedanken dazu in diesem Artikel.

Nachtrag 15.04.10: Da heute der Prozess beginnt hat auch der swr einen Artikel. Spannend wie um eine reale Diskriminierung anzuklagen, jetzt eine Ethnie konstruiert wird. Das erinnert mich an einen Fall in den 1990er in Britannien. Da war Diskriminierung aufgrund ethnischer Herkunft verboten nicht aber aufgrund von Religion und so haben Sikhs argumentiert eine ethnische Gruppe (und nicht eine Religionsgemeinschaft) zu sein.

Diese Konstruktionen von kollektiven Identitäten sind nötig, da die Ausgrenzungen aufgrund von zugeschriebenen kollektiven Identitäten in unserem Rechtssystem nur so verfolgt werden können. [Nachtrag 21.06.10: Hier ist das Rechtssystem problematisch. Anstatt diskriminierende Zuschreibungen zu verfolgen, argumentiert es selbst auf Basis von essentialisierenden Zuschreibungen.]

Nachtrag 16.04.10: Der essentialisierenden Logik des AGG folgend kann die Diskriminierte sich nicht auf das AGG berufen, da sie nicht unter eine der angegebenen Kategorien fällt (siehe swr).

Ich kann es durchaus nachvollziehen, dass Ost-Sozialisierte nicht als Ethnie definiert werden (wobei Ethnie auch bei anderen Gruppen eine Konstruktion ist). Diskriminierung liegt aber (zumindest soweit ich den Fall aufgrund von Presseberichten beurteilen) kann durchaus vor. Das AGG kann mit seiner festschreibenden Logik damit allerdings nicht umgehen. Aber das soll das AGG wahrscheinlich auch gar nicht.

Nachtrag am Abend: antropologi.info hat noch weitere Informationen zusammengetragen. Unter anderem verlinkt antropologi.info zu einem Artikel in dem ein Berliner Wissenschaftler festlegt, wie lange es braucht, um eine Ethnie zu bilden. Er scheint zu argumentieren, dass es Ethnien aus sich heraus gibt.

Nachtrag 18.04.10: Hier noch der taz-Artikel zum Urteilsspruch.

Nachtrag 27.04.10: Ein weiterer Ethnologe hat sich auf stern.de zum Thema Ethnien und Ossis geäußert (via antropologi.info). Bierschenk weist auf den Konstruktionscharakter von Ethnien hin und weist die eindeutige Zugehörigkeit zu nur einer Ethnie zurück. Damit ist er sehr viel differenzierender und hinterfragender als Kaschuba. Aber auch er legt den Fokus auf Zusammengehörigkeit und nicht auf Ethnifizierung. Ich glaube nicht, dass 'Ossis' eine 'Wir'-Gruppe bilden. Ich beobachte aber sehr wohl, dass es eine Zuschreibung 'Ossi' gibt, die die so Bezeichneten zu einer homogenisierten Gruppe macht. Daher würde ich nicht sagen, dass 'Ossis' eine Ethnie sind (oder sonst irgendwer), sondern dass 'Ossis' als Gruppe konstruiert werden (unabhängig davon, wie sie sich fühlen oder bezeichnen).

Nachtrag 22.04.10: Die taz berichtet, dass in einem alternativen Cafe in Göttingen eine Mitarbeiterin der Ausländerbehörde nicht bedient wurde:

"Die Stadt prüfe, ob ein Verstoß gegen das Antidiskriminierungsgesetz oder Gaststättenrecht vorliege, und schließe rechtliche Schritte nicht aus, erklärte Detlef Johannson, Sprecher der Stadtverwaltung, der taz."

Ob das eine Diskriminierung aufgrund von ethnischer Herkunft oder 'Rasse' war?

Nachtrag 28.04.10: Laut taz hat das Cafe erklärt, dass es sich als ein antirassistisches Cafe versteht und die Frau (institutionell) für Abschiebungen verantwortlich ist. Die Mitarbeiterin der Ausländerbehörde wiederum behauptet, dass jemand rassistisches gar nicht in der Behörde arbeiten könne. In jedem Fall aber gilt:

"Rein rechtlich verfügt ein Wirt über das Hausrecht und kann jeden Gast hinauswerfen, sofern er diesen nicht wegen Ethnie, Rasse, Alter, Geschlecht, Weltanschauung, Religion oder sexueller Orientierung des Raumes verweist."

Nachtrag 29.04.10: Und wieder eine unsinnige Verwendung des Begriffs Rassismus in der taz:

"Rassismus von links

Entscheidung des Tages: Ein Göttinger Alternativcafé hat sich geweigert, einer Mitarbeiterin der Ausländerbehörde Frühstück zu servieren. Korrektes Verhalten?

...

40 Prozent Auf keinen Fall. Das ist Rassismus von links. "

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Donnerstag, 10. September 2009
Im Schwarzwald
Barbara Bollwahn, Dorfschreiberin in Schollach, hat in der taz ethnograpische Einblicke in das Leben im Schwarzwald (und die Perspektiven auf den Osten Deutschlands) veröffentlicht.

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Mittwoch, 29. April 2009
Geteilte Stadt
Schon bei dem Tempelhof-Volksentscheid war es sichtbar. Und auch jetzt wieder bei dem Pro Reli-Volksentscheid (siehe taz berlin). Die Themen West-Berlins sind nicht jene Ost-Berlins (und anders herum). Unterschiedliche Sozialisierungen und unterschiedliche Privilegierungen führen zu unterschiedlichen politischen Positionierungen. Und irgendwie scheinen die privilegierten Westpostionen am lautesten zu sein. (Wobei aber auch nicht alle Westbezirke zu letzteren gehören.)

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