"Karl Kopp von Pro Asyl ist aber wenig optimistisch. Schließlich habe die Kommission schon 2003 höhere Standards einführen wollen. "Schon damals ist der Vorschlag kaputt geredet und kaputt verhandelt worden. Ich empfand das als Nullharmonisierung", sagte er der taz. "Die nun geplanten neuen Regeln, zum Beispiel das Haftverbot für Minderjährige, wären sehr weitreichend. Aber es wird nicht so kommen, das wird mit Sicherheit im Rat wieder kaputt verhandelt", glaubt Kopp."
Dabei zeigt die Aussage des für Flüchtlingsfragen zuständigen EU-Kommissars Jacques Barrot, dass es dringend notwendig wäre (wie auch ein taz-Artikel über Abschiebungen nach Syrien):
"Unser Ziel ist ein humanes und faires Verfahren für Asylbewerber. Um das zu erreichen, brauchen wir höhere Schutzstandards, einheitlichere Rahmenbedingungen und ein leistungsfähigeres System."
Human und fair sollten in einem Rechtsstaat doch selbstverständlich sein, oder?
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"Aus der Pisa-Studie 2000 hatten Forscher dagegen geschlossen, dass Migrantenkinder besonders wenig lesen."
und das dann mal gleich auf alle, die wir so 'Migrant_innen' nennen verallgemeinert.
Aber: "Der neuen Studie der Stiftung Lesen nach ist Migration kein entscheidender Faktor für das Leseverhalten - es sind vielmehr Bildung bzw. Schulabschluss, Schichtzugehörigkeit und das Leseverhalten der Eltern, die darüber entscheiden, wie viel ein Mensch in Deutschland liest."
Und es kommt noch 'überraschender': "Dieser Zusammenhang ist sogar noch stärker für Deutsche ohne Migrationshintergrund als für MigrantInnen, die auch mit Hauptschul- oder fehlendem Schulabschluss, geringem Einkommen und fehlender Lesesozialisation noch eher zum Buch kommen als ihre deutsche Vergleichsgruppe."
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"Jürgen Rüttgers (CDU) etwa, der Ministerpräsident, gibt den Hauptschulen auf lange Sicht Bestandsschutz. "Wie wollen wir denn sonst sicherstellen, dass diejenigen, die überwiegend praktisch veranlagt sind oder eine Zuwanderungsgeschichte haben, eine auf sie zugeschnittene gute Ausbildung bekommen?", fragt er."
Da habe ich wohl keine auf mich zugeschnittene gute Ausbildung bekommen.
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"Kritik an dem Anti-Schulschwänzer-Projekt kommt von Egon Schweiger vom Verband Deutscher Sinti und Roma. Das Mannheimer Modell sei ein reines Kontrollinstrument, ein pädagogischer Ansatz fehle dabei, sagt er. Schulschwänzen sei ein Problem in armen Familien, bei denen die Wertschätzung von Bildung keine Rolle mehr spiele. Oft sei es ein Problem über Generationen hinweg, wie bei den Sinti und Roma. Nach Verfolgung und Ermordung im Dritten Reich gab es in der Bundesrepublik zunächst fast keine Hilfe für sie, später ging sie an ihren Bedürfnissen vorbei. Er fordert individuelle Betreuung von Familien und Kindern, die auch das Problem der Mehrsprachigkeit erfasst. Dazu müssten zunächst die Schulen besser ausgestattet werden. Baden-Württemberg stecke jedoch in die Förderung für Hochbegabte pro Schüler ein Vielfaches der Mittel, die für Schulschwänzer mit Lernproblemen zur Verfügung stehe."
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"Hakan Tas, Mitbegründer des Vereins türkeistämmiger Schwuler und Lesben GLADT und im Integrationsbeirat des Senats Vertreter homosexueller MigrantInnen, ärgert diese Haltung: Homophobie sei "ein weltweites Problem", sagt Tas. MigrantInnen oder Muslime zu Haupttätern zu erklären, sei diskriminierend. Der LSVD isoliere sich, wenn er "nur Türken und Araber als Täter" sehe, so Tas: "Er soll sich mal fragen, warum kaum noch MigrantInnen mit ihm zusammen arbeiten wollen"." in Schwule streiten schärfer
"Ich bin nicht dafür, das Problem zu ethnisieren, wie es der LSVD meiner Meinung nach tut. Nehmen Sie den Namen seines Migrantenprojektes: Miles. Es steht für Migranten, Lesben und Schwule und nicht für Migrantische Lesben und Schwule. Das ist doch eine eigenartige Sicht." aus dem Interview mit Nurkan Erpulat
Nachtrag 10.12.08: Die taz zitiert Thomas Birk, den schwulenpolitischen Sprecher der Berliner Grünen-Fraktion zu Homophobie:
"Verbreitet sei sie ethnisch übergreifend bei Männern mit konservativen Rollenbildern."
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Wollte der Westen wirklich den Süden unterstützen, könnte er eine ganze Menge machen: z.B. 'Entwicklungshilfe' erhöhen, Migration erlauben und Arbeitserlaubnisse vergeben, Schulden abschreiben und Steuerflucht nicht weiter fördern.
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In dieser Sendung erfuhr ich, dass die CDU-Politikerin Erika Steinbach einen Verfassungszusatz (oder so) haben will, um festzuschreiben, dass die Nationalsprache Deutsch ist. Ähnliches wollen jetzt auch SPD-Abgeordnete in Berlin wie die taz berichtet.
Diese Politiker_innen sollten sich mal intensiver mit Sprache auseinandersetzen. Die lässt sich nicht einfach normieren. Sie ist lebending, verändert sich permanent und wird von den Sprechenden gestaltet.
Mehr dazu gibt es auf dem sprachwissenschaftlichen Bremer Sprachblog
Nachtrag 03.12.08: Die taz hat zum Thema Pro und Contra. Im Contra-Kommentar argumentiert Svenja Bergt, dass es bei der Forderung um 'Deutschtum' geht. Arno Frank kann in seinem Pro-Artikel aber nichts Anrüchiges feststellen und ist daher dafür, wenn er auch kein Argument dafür anführt. Frank hat sich aber auch schon früher für die völlig machtunkritische Wahrung der Norm eingesetzt.
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Und es kommt (wie bei der Weigerung Straßen umzubennen) das absurde Argument:
"Wörter aus der Kolonialzeit sollten darum nicht einfach gelöscht werden, sondern als sprachliche Mahnmale erhalten bleiben. Und jedes Mal, wenn wir solche Begriffe benutzten, sollten wir über die Geschichte und ihre Folgen nachdenken."
Sicher: Beim herzhaften Biss in den Schokokuss mal kurz an Kolonialismus und Sklaverei denken. Da schmeckt er gleich doppelt gut.
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"In Brasilien unternimmt er mehrere Expeditionen in die bis dahin nicht erschlossenen Gebiete der Amazonas-Indianer."
Die 'Amazonas-Indianer_innen' können natürlich nicht selber erschliessen. Dafür muss der 'weiße' Mann kommen.
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Nachtrag 29.11.08: Noch ein Beispiel in der taz.
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""Wenn so viele Nationalitäten gemeinsam lernen, schafft nur eine gemeinsame Sprache die Grundvoraussetzung für Kommunikation", sagt Schulleiterin Anna Marx".
Ich bin auf eine Europäische Schule gegangen. Wir waren zwar prinzipiell nach Hauptsprache in Klassenverbände aufgeteilt, haben aber auch viel Unterricht in gemischten Klassen gehabt. Im Unterricht gab es immer eine Hauptsprache, aber es war kein Problem, wenn eine Schüler_in auch mal eine andere benutzt hat, weil sie etwas nicht verstanden hat oder sich nicht ausdrücken konnte. So habe ich auch für mehrere Sprachen, die ich nie formal gelernt habe, ein Gefühl entwickelt. Vielsprachigkeit war für mich ganz selbstverständlich und unproblematisch. Als ich dann auf die einsprachige deutsche Universität kam, fand ich das sehr befremdlich. Da waren meine Studienaufenthalte in Großbritannien eine angenehme Abwechslung. Endlich gab es wieder vielsprachige horizonterweiternde Gruppen.
Aber es scheint bei den deutschen Schulsprachvorgaben auch nicht primär, darum zu gehen, ob vielsprachig gelernt werden kann. Es geht wohl vielmehr um die Unsicherheiten und Komplexe von Einsprachigen:
"Die Mädchen hätten vielmehr im Unterricht gestört und trotz Ermahnungen der Lehrerin weiter Türkisch gesprochen. Die Lehrerin habe sich persönlich angegriffen gefühlt, da sie aus Gesten und Mimik der Schülerinnen entnahm, dass negativ über sie gesprochen wurde, sagt Marx. Auch andere Schüler hätten sich zuvor über die Mädchen beschwert. "Sie empfanden ihr Verhalten als Ausgrenzung, Mobbing und Ärgern." Selbst auf einer Elternbeiratssitzung sei das Thema schon behandelt worden, weil Schüler vermuteten, über sie werde in einer fremden Sprache gelästert, erklärt Marx."
Mit solchen Problemen müsste eine Schule doch anders umgehen können.
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""Diese Diskussion ist mir zu theoretisch", meint BVG-Sprecher Klaus Watzlack. Zerkratzte Scheiben "sehen aus wie Hund". Den Fahrgästen sei es außerdem egal, wie das Muster auf dem Sitz oder am Fenster aussieht. Hauptsache, es sei alles sauber und ordentlich - das würde auch das Sicherheitsgefühl erhöhen."
Aha.
Nachtrag 18.11.08: Habe heute morgen die ersten gescratchten Brandenburger Tore gesehen. Auch nicht hübsch.
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