Samstag, 15. November 2008
Mal wieder Opferumkehr
In Steglitz-Zehlendorf erinnern Straßennamen nicht nur an den antisemitischen Historiker Treitschke sondern auch an die gewalttägigen Versuche Deutschlands, Teile Chinas zu kolonisieren. Die taz berichtet:

"Die Iltis-, Lans- und Taku-Straße erinnern an deutsche Kolonialschlachten im Osten Chinas. Die "Iltis" war ein Kanonenboot, das 1900 chinesische Widerstandskämpfer besiegte. Wilhelm Lans war deren Kapitän. Er bombardierte die Küstenforts von Taku. Mit alliierten Großmächten plünderten und mordeten sich die Kolonisten bis nach Peking."

Die CDU aber ist strikt gegen die Umbenennung der Straßen und führt dafür absurde Argumentationslinien an:

"CDU-Fraktionschef Hippe resümiert dagegen am Mittwoch, wer denn eigentlich Opfer gewesen sei - schließlich wurde auch der deutsche Kapitän Lans verletzt. "Kriegsverbrechen waren das jedenfalls nicht." Und wo heute Straßen nach Karl Liebknecht benannt seien, ertrage er Wilhelm Lans erst recht."

Nachtrag 22.11.08: Die taz berichtet wieder über den Streit über die Umbennenung der Treitschkestrasse in Steglitz. Gereon Asmuth kommenteirt pro Umbennenung und Uwe Rada contra. So argumentiert Rada, dass es auch falsch gewesen sei das DDR-Erbe aus dem Straßenbild zu löschen wie z.B. in der Umbenennung der Clara-Zetkin-Strasse in Dorotheenstrasse. So weit kann ich folgen. Weshalb wir mit einem Straßennamen der Ehefrau eines Kurfürsten gedenken und sie damit auch ehren sollen, ist mir unklar. Der Frauenrechtlerin Clara Zetkin zu Gedenken und dabei auch in Erinnerung zu halten, dass es zwei deutsche Staaten gab, finde ich ok. Daraus lässt sich für mich aber nicht folgern, dass wir der antisemitischen Geschichte Deutschlands Gedenken, in dem wir Antisemit_innen weiter mit Straßennamen ehren, wie das in Steglitz geschieht. Das dient weniger der Auseinandersetzung mit der Geschichte und mehr der Kontinuität.

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Donnerstag, 13. November 2008
Software erkennt Geschlecht
betitelt die taz einen Artikel über eine Webseite, die das Geschlecht einer Webautor_in mittels Sprachanalyse feststellen will.

Für meinen (englischsprachigen) Blog werde ich zum Mann erhoben (das heisst - wenn ich die Argumentationslinie richtig verstehe-, ich produziere ganz untypisch für Frauen Informationen):
Genderanalyzer analysiert andersdeutsch/english

Auf meiner englischsprachigen Webseite, auf der ich den Leser_innen meine wissenschaftlichen Ergebnisse zugänglich mache, scheinen aber die Informationen zu fehlen:
Genderanalyzer analysiert urmila.de/english

Dank des genderanalyzers kann ich jetzt aber wissenschaftlich fundiert sagen, ich sprenge die Grenzen der Zweigeschlechtlichkeit.

Nachtrag: Kyla Pasha wird vom GenderAnalyzer ganz eindeutig als Mann kategorisert. Auch yeahpope und Alison Bechdel werden in die Kategorie gepackt, allerdings etwas vorsichtiger. Hier gibt der GenderAnalyzer wie bei meinem Blog an, dass die Seiten recht "gender neutral" sind, genauso wie die als Frau kategorisierte Mera Terrha Pakistan. Spannend. Denn was all diese Seiten auf jeden Fall verbindet (ausser dass sie alle von in der Gesellschaft jeweils als Frauen definierten Menschen gemacht werden) ist, dass sie sich ganz explizit mit Gender beschäftigen und dabei alles andere als neutral sind.

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Dienstag, 11. November 2008
Weiße Flecken
Schild im Görlitzer Park

Das Bild hat meine immer gut informierte Kreuzberger Freundin mit folgendem Text verschickt:

"Das irre an dem Bild ist, dass der/die/das Punktemacher völlig richtig gekennzeichnet hat wo im Görli gedealt wird- allerdings hat er/sie/es ausschließlich die Stellen gekennzeichnet, wo schwarze Dealer stehen, dagegen sind alle Stellen, wo nicht so schwarze Dealer stehen, ausgelassen. Ähnlcih ist die Polizei dann bei einer Razzia verfahren: Alle Schwarzen -und nicht nur alle schwarzen Dealer- eingesammelt, die anderen durften weiter arbeiten."

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Donnerstag, 6. November 2008
Unsichtbar
Victoria Robinson kommentiert heute in der taz, welche Bedeutung der Wahlsieg Obamas für Schwarze Deutsche hat.

Dabei thematisiert sie auch, dass mit dem Fokus der Politik in Deutschland auf 'Migration und Integration' viele rassifizierte Menschen unsichtbar gehalten werden:

"In Deutschland sind Schwarze Deutsche kaum politisch repräsentiert - wir sind nämlich in weiten Teilen keine "Migranten", müssen weder Sprache lernen noch uns integrieren - und fallen damit aus dem Rahmen der Gruppen, für die "Beauftragte" in Frage kommen. Auch, wenn wir tagtäglich spüren müssen, dass man uns für "anders" hält, wird gleichzeitig so getan, als würde unser Schwarzsein gar keine Rolle spielen. Und wir bleiben mit unseren Belangen im Allgemeinen unsichtbar."

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Mittwoch, 5. November 2008
Rechtsstaatlichkeit nur für echte Deutsche
Von dem Prozess gegen den vermutlichen Holzklotzwerfer berichtet die taz:

"Weil der Mann aus Kasachstan stammt, beantragen seine Verteidiger gleich zu Beginn, die Angeklageschrift zu übersetzen und einen Dolmetscher zu bestellen. Doch der Vorsitzende Richter sieht hierfür keinen Grund. Nikolai H. lebt seit 14 Jahren in Deutschland und hat einen deutschen Pass. Das Argument der Verteidiger, dass H. im Alltag Russisch spricht und wegen geringer kognitiver Fähigkeiten als "nicht vermittelbar auf dem Arbeitsmarkt" gilt, reicht dem Richter nicht."

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Dienstag, 4. November 2008
Obama und Rasismus
In einem taz-Artikel über Obama argumentiert Bettina Gaus:

"Wenn die Hautfarbe eines Kandidaten der wesentliche Grund dafür ist, dass man seinen Sieg wünscht oder fürchtet, dann ist das Rassismus - auch wenn der Kandidat schwarz ist. So, wie die Unterstellung sexistisch war, dass sich jede Frau über die Wahl von Angela Merkel zur Bundeskanzlerin freuen sollte."

Der Argumentation kann ich so nicht ganz folgen. Wenn sich jemand gegen eine Kandidat_in ausspricht, nur weil sie/er Schwarz oder eine Frau ist, dann ist das ein Ausdruck von Rassismus/Sexismus derjenigen Person, die sich das wünscht. Soweit stimme ich mit Gaus überein.

Wenn aber eine Person sich wünscht, dass eine Kandidat_in, die Schwarz oder eine Frau ist, gewinnt, dann ist das nicht ein Zeichen von eigenem Rassismus/Sexismus. Dann ist das ein Zeichen, dass wir in einer Gesellschaft leben, die rassistisch/sexistisch ist, dass daher Menschen aus bestimmten Kategorien wenig Chancen haben, Machtpositionen zu erlangen, und dass es daher schon als Erfolg gewertet wird, wenn überhaupt mal eine Person dieser Kategorie es in die Machtposition schafft.

Politisch mag dieser Wunsch naiv sein. Denn Schwarz oder eine Frau zu sein, bedeutet noch lange nicht, dass gute Politik gemacht wird. Rassistisch/sexistisch aber ist der Wunsch nicht.

Nachtrag 06.11.08: Geography, Telecast bloggt zu Obama and the Death of Racism.

Nachtrag 07.11.08: antropolgi.info berichtet über offen rassistische Kommentare zu Obamas Wahl.

Nachtrag 17.08.09: Die taz berichtet über rassistische Reaktionen auf Obama.

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Antisemitismus und die CDU
Aus einem taz-Artikel über dei geplante Antisemitismus-Erklärung des Bundestags:

"Die vehemente Weigerung der Union, eine gemeinsame Erklärung gegen Antisemitismus mit den Linken zu unterschreiben, stieß beim Zentralrat der Juden in Deutschland auf Kritik. Generalsekretär Stephan Kramer nannte dieses Vorgehen in der Frankfurter Rundschau außerordentlich unglücklich. Zwar habe er Probleme mit einzelnen Linken, es gebe aber keinen Zweifel, dass von führender Stelle auf seriöse Weise gegen den Antisemitismus mitgearbeitet werde. Auch die CDU habe nicht immer eine gute Figur gemacht."

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Mittwoch, 29. Oktober 2008
Homophobie
In Kausldorf werden zwei Frauen angegriffen. Die Polizei schliesst eine homophobe Tat nicht aus. Die taz berichtet.

Ausserdem berichtet die taz von einem Treffen von "Vertreter[n] von Homosexuellen und Migranten .. mit Politikern" (ob es sich tatsächlich nur um Männer gehandelt hat und ob die Kategorien Homosexuelle, Migrant_innen und Politiker_innen trennscharfe sind, thematisiert die taz nicht weiter). Diesen Artikel beginnt die taz bezugnehmend auf den Vorfall in Kausldorf mit:

"Geplant war das Treffen schon länger, nach dem Angriff auf zwei Lesben in Hellersdorf (siehe oben) erfuhr es ungeahnte Aktualität"

Warum hat das Treffen dadurch ungeahnte Aktualität? Sind homophobe Migrant_innen extra ins 'weiße' Kausldorf gefahren, um dort 'weiße' Homosexuelle anzugreifen?

Die taz zitiert eine LKA-Vertreterin wie folgt:

"Die meisten Straftaten geschähen in den Innenstadtbezirken wie Schöneberg und Teile von Kreuzberg, wo sich Schwule offen zeigen, so Löhrs Kollegin, Marie Tischbier. Lesben würden eher Opfer verbaler Gewalt, während schwule Männer oft auch körperlich attackiert würden. In den östlichen Außenbezirken oder Neukölln trauten sich die meisten gar nicht, auf der Straße ihre Homosexualität zu zeigen.

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: In Kreuzberg und Neukölln fühle ich mich recht sicher. Körperliche Gewalt befürchte ich eher nicht, verbale gibt es aber immer wieder. In Marzahn-Hellersdorf (dazu gehört auch Kaulsdorf) hingegen habe ich richtig Angst und passe sehr auf. Es gibt ganz klar No-Go-Areas und in denen ist dann natürlich die Anzahl der Angriffe geringer.

Homophobie ist ein Problem der heteronormativen Gesellschaftsordung und nicht spezifisch eines von 'Migrant_innen'.

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