Montag, 27. Oktober 2008
Veweigerte Integration
Migrant_innenverbände klagen in ihrer Zwischenbilanz zum Nationalen Integrationsplan diverse Verschlechterungen an (die taz berichtet):

""Mit Sorge beobachten wir die zunehmende Gefahr, dass in einigen Bundesländern Kinder mit Migrationshintergrund beim Zugang zu weiterführenden Schulen verstärkt benachteiligt werden" ...
"Bei der beruflichen Ausbildung ist eher eine rückläufige Beteiligung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund festzustellen"...
Kritisch beurteilen die Migranten auch die Verschärfung des Zuwanderungsgesetzes...
Auch den neuen, bundesweit einheitlichen Einbürgerungstest lehnen die Migrantenverbände ab. "Wir betrachten diesen zweckfremden Test als weiteres Hindernis für die Einbürgerung", heißt es in dem Papier."


Nachtrag 28.10.08: Unsere Integrationsministerin findet die Kritik gar nicht gut, wie die taz berichtet. Alles andere hätte mich auch gewundert.

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Sonntag, 26. Oktober 2008
Diverse Rassismen
Stellenausschreibung in Wien
  • in einem Verboten der taz wird mal wieder das N-Wort benutzt
  • in anderen Artikeln der taz wird vom Busch oder von Eingeborenen geschrieben
  • "Immigrantenkinder sollen in Italien fortan separat unterrichtet werden. Ein Antrag der fremdenfeindlichen Regierungspartei Lega Nord wurde im Abgeordnetenhaus gebilligt." aus der taz
  • Oranienburg wählt rechts und keiner war es (taz):
    "Mit Ausländern gebe es jedenfalls keine Probleme. "Ich kenn nur den Fidschi vom Baumarkt, sonst hab ich hier keinen gesehen.""
  • Rudolf Steiners rassistischen Überzeugungen werden klein geredet (taz):

    "So gibt es Passagen, in denen er einen Zusammenhang zwischen Intelligenz und Hautfarbe herstellt. ... Jens Heisterkamp ... plädierte dafür, Steiners Aussagen vor dem historischen Hintergrund einer spätkolonial und eurozentristisch geprägten Epoche zu sehen."
  • der britische Immigrationsminister argumentiert, dass Migrant_innen durch ihre Anwesenheit Rassismus schüren (taz, 20.10.08)
  • im US-Wahlkampf droht Obama der Rassismus aus der Mitte (taz):

    "Größere Sorgen bereiten den Parteistrategen jene Männer und Frauen, die sich nicht zum eigenen Rassismus bekennen wollen oder sich dessen nicht einmal bewußt sind."

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Rund um den Islam und Islamophobie
  • die Moschee in Heinersdorf ist eröffnet (siehe taz und frühere Beiträge hier)
  • eine Moschee in Duisburg wird eröffnet und Deniz Yücel veröffentlicht einen differenzierten Artikel in der taz
  • das Landesarbeitsgricht Hamm bestätigt, dass einer koptuchtragenden Lehrerin gekündigt werden darf (siehe taz)

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Diverses zum Thema Abschotten und Abschieben
Nach drei Wochen Pause beim Bloggen stappeln sich auf meinem Schreibtisch die Zeitungsartikel rund um die Festung Europa und das Abschieben, zu viel um da mal eben eine Geschichte draus zu machen. Aber ein paar Stichworte will ich doch geben:
  • der Europäische Gerichtshof entscheidet Hartz IV ist kein Grund zur Abschiebung (taz)
  • Afro Hesse ist dank Unterstützung wieder aus dem Abschiebegefängnis und betont "dass man die namenlosen Abschiebehäftlinge, die er in den letzten Wochen kennen lernte, nicht vergessen soll. Viele würden wegen mangelnder Sprachkenntnisse oft das bürokratische Prozedere, das mit ihnen geschieht, nicht verstehen." (aus der taz)
  • "Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) will mehr kriminelle Ausländer ausweisen. ... Die jetzigen Vorschriften seien äußerst kompliziert und für Ausländerbehörden nur schwer anzuwenden." taz am 14.10.08
  • Drei minderjährige Mädchen werden von ihrer Tante getrennt, das Jugendamt setzt sich als Vormund ein, nur weil die Familie nicht mehr in den menschenunwürdigen Zuständen einer Asylbewer_innenunterkunft leben wollen (mehr dazu in der taz).
  • eine Ausländerbehörde verweigert einem Geduldeten einen Aufenthaltstitel, obwohl er verpartnert ist (mehr in der taz)
  • die Koalition einigt sich auf Visa-Warndatei (taz, 08.10.08) und macht damit einen Besuch in Deutschland noch schwieriger
  • EU verabschiedet Abschottungspakt (in der taz)

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Ausbürgerungen
sollen jetzt gesetzlich geregelt werden wie die taz berichtet hat:

"Eigentlich heißt es im Grundgesetz: "Die deutsche Staatsangehörigkeit darf nicht entzogen werden.""

Nachtrag 23.07.11: Die taz berichtet, dass Ausbürgerungen nun als zwangsläufig angesehen werden:

"Nach der Verurteilung von S. zu einer langjährigen Haftstrafe habe die Ausländerbehörde keine andere Entscheidung als die Rücknahme seiner Einbürgerung treffen können."

Die Lehren aus der Geschichte (Ausbürgerungen durch das nationalsozialistische Deutschland) werden damit nicht mehr gezogen. Menschen, die mal ausländische Staatsbürger_innen waren, bekommen eine härtere Bestrafung als geborene Staatsbürger_innen.

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Freitag, 3. Oktober 2008
Selbstverständlich Diskriminierungserfahrungen
Der neue Bundesgeschäftsführer der Türkischen Gemeinde Deutschland Florencio Chicote wird in der taz mit einigen der alltäglichen Diskriminierungserfahrungen Anderer Deutscher zitiert:

"Zum Beispiel im Bildungssystem. Obwohl meine Noten das nicht rechtfertigten, habe ich wie so viele Migrantenkinder nur eine Hauptschulempfehlung bekommen."

oder "Man hat uns schon spüren lassen, dass wir keine Deutschen sind."

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Bestrafung für schlechte Noten
"Weil eine 16-Jährige schlechte Noten hat, soll sie keine Niederlassungserlaubnis bekommen." berichtet die taz.

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Stetig verschlechtert
"Seit dem Ende der Achtziger habe sich die Situation der Asylsuchenden stetig verschlechtert, berichtet Ralf Santana Lourenco von der Hamburger Karawane."

zitiert die taz in einem Artikel über die Flüchtlingsorganisation Karawane.

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Montag, 29. September 2008
Macht(missbrauch) der Wissenschaftlerin
Mir wurde heute mal wieder gezeigt, wie ich als Wissenschaftlerin immer wieder Gefahr laufe, meine Aufgabe der Repräsentation (insbesondere durch Texte) zu missbrauchen. Natürlich habe ich dabei nur hehre Ziele (zumindest rede ich mir das gerne ein): ich will auf gesellschaftliche Missstände hinweisen, kritische Diskussionen anstossen, etc. Dafür schreibe ich (und natürlich auch, weil das mein Beruf ist). Und da ich mit ethnographischen Mitteln arbeite, nutze ich dafür personalisierte (wenn auch anonymisierte) Geschichten. Nicht immer sind die Menschen, deren Geschichten ich dafür nutze, mit der Art meiner Repräsentation einverstanden. Mir fehlt dabei manchmal das Einfühlungsvermögen und vor allem muss ich mir noch viel häufiger bewußt machen, welche Macht ich mit dem wissenschaftlichen Repräsentieren ausübe.

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Sonntag, 28. September 2008
Muslime und Statistik
Durch die Medien geisterte in den letzten beiden Tagen eine Studie über Muslime (z.B. in der taz). Besonders erwähnenswert ist den Medien vor allem folgende Erkenntnis:

""Bislang wurde die Religiösität der Muslime als sehr politisch wahrgenommen. Doch tatsächlich spielt Politik für sie eine untergeordnete Rolle", sagte die ehemalige Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth bei der Vorstellung der Studie am Freitag in Berlin."

Woran der Unterschied zwischen unseren Unterstellungen und den Ergebnissen der Studie wohl liegt? Möglicherweise an der Studie selbst. Mit quantitativen Erhebungen kann frau ja alles herausbekommen, was sie rausbekommen will. Könnte aber auch daran liegen, dass unsere Unterstellungen in der Regel wenig mit dem zu tun haben, was die 'Muslime' so tun.

Meine grundlegende Frage ist eine ganz andere: Wie wurden die Muslime, die studiert wurden, definiert? All jene Menschen, die sich als Muslime definieren? Dann frag ich mich erstens, wie diese Menschen gefunden wurden: Wurden alle Menschen in Deutschland gefragt, ob sie Muslime sind? Und zweitens überrascht es mich, dass nur 90% religiös sind, schliesslich war Religiösität ja die Definitionsgrundlage. Gab es eine andere Grundgesamtheit? Welche?

Am meisten wundere ich mich immer wieder, welche Bedeutung Statistiken beigemessen wird. Dabei sagen sie so unheimlich wenig aus, wenn nicht alle Annahmen bei der Datendefinition und -erhebung transparent gemacht werden.

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Freitag, 26. September 2008
Die asiatische Gefahr
"Er sorgt sich um die Kollegen: Was wird das erst für eine Schufterei, wenn die Asiaten das Sagen haben? ""

und

"Hunderte Hapag-Lloyd-Angestellte waren im August mit acht Bussen von Hamburg in die Hauptstadt gekommen, um vor der Botschaft von Singapur zu demonstrieren. Klein musste da die Angst und die Wut seiner Leute fühlbar machen. Er sprach von der "Identität der deutschen Wirtschaft", von "erarbeiteter hanseatischer Kultur", davon, dass das Konsortium aus Singapur "in Hamburg nicht willkommen" ist. Es war ein Appell an den Konkurrenten aus Übersee, endlich die Finger von der Hapag zu lassen."

aus einem taz-Artikel über den geplanten Verkauf der Hapag-Lloyd.

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Donnerstag, 25. September 2008
Afrika-Viertel
Der taz berlin Artikel über das afrikanische Viertel im Wedding strotzt nur so von den üblichen Afrikabildern: ab und zu geht es mal um einzelne Länder, aber im wesentlichen reicht es Afrika pauschal zu bezeichnen, da gibt es dann auch afrikanische "Landsleute", was immer das sein mögen.Und es gibt eine "afrikanische Lebensweise". Ausserdem können 'Afrikaner_innen' nicht pünktlich sein und tragen weite Gewänder. Die Farbe weiß passt nicht zu Afrika. Und die Kolonialgeschichte ist nur erwähnenswert, weil sie Straßennamen hinterlassen hat. Dafür aber in der Online-Ausgabe dann ein Bild mit dem Untertitel: "Ein bisschen Afrika gibt es auch in Berlin - wenn auch ohne wilde Voodoo-Tänze wie hier in Benin."

Nachtrag 17.12.10: Aus der taz berlin:

"Im Afrikanischen Viertel in Wedding sind bei einer antirassistischen Aktion Plakate geklebt und Straßenschilder überklebt worden. Anwohner meldeten am frühen Morgen der Polizei, dass sie in der Togostraße Plakate gefunden hatten, die die Verbrechen während der deutschen Kolonialzeit thematisierten. Zudem hatten die Unbekannten Straßenschilder "umbenannt". So sei zum Beispiel aus der Swakopmunder die Bantu-Biko-Straße geworden, aus dem Nachtigal- der Lumumbaplatz und aus der Otawistraße die Lilian-Ngoyi-Straße. Insgesamt seien sieben Straßen nach afrikanischen Bürgerrechtlern umbenannt worden ".

Gut, dass die Anwohner_innen gleich die Polizei verständigen. Wo kämen wir sonst hin?

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Institutionelle Menschenrechtsverletzung
Illegalisierte Menschen sind in Deutschland von den meisten Menschenrechten ausgeschlossen. Die taz berichtet über die (nahezu) Unmöglichkeit des Schulbesuchs für illegalisierte Kinder. Im Interview fordert Johannes G. Knickenberg vom Katholischen Forum Leben in der Illegalität weit mehr als die Abschaffung der Meldepflicht in Schulen.

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