Weihnachtsmeditation mit Macken
Die Geschichte des "Weihnachtsbaum mit Macken" sollte gestern bei der Weihnachtsmeditation wohl für Verständnis und Toleranz für 'Menschen mit Macken' produzieren. Ganz im Sinne der christlichen Nächstenliebe. Sowie auch die Ankündigung des Gastmusikers aus der "mongolischen Steppe", der so einen "schönen Namen" hat, den wir nicht ausprechen können, der aber mal ein paar Worte aus seiner "Heimat" sprechen soll, wohl die globale Nächstenliebe fördern sollte. Mir wurde immer übler. Da wurden "Macken" konstruiert, damit wir gut sein können. Da wurde die Fremde konstruiert, damit wir uns an der Exotik freuen können. Da wurde immer wieder darauf Bezug genommen, dass wir uns ja was leisten können (den Weihnachtsbaum ohne Macke, den Wein für unsere Feier, die fehlende Figur für die Krippe), es aber doch schön ist, wenn wir es uns nicht selber leisten müssen (sondern den Baum mit Macke nehmen, den Wein und die Figur geschenkt bekommen). Da wurde der väterliche Freund gelobt und die Frauen mal in einem Nebensatz auch noch erwähnt. So eine selbstgefällige Selbstzentrierung von 'weißen' heterosexuellen männlichen deutschen Christ_innen habe ich schon lange nicht mehr so nah erlebt. Es war zum Davonlaufen. Wenn nicht der Musiker mit dem mongolischen Instrument und dem mongolischen Ober- und Untertongesang gewesen wäre. Der war Klasse. Und konnte auch fliessend Deutsch.
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Die Mitte duckt sich weg
Burkhard Schröders Kommentar in der
taz über die Reaktionen auf den Passauer Mordanschlag finde ich durchaus zwiespältig. Mit folgender Analyse stimme ich aber weitgehend überein:
"Niemand [viel zu wenige, u.]in der sogenannten Mitte fühlt sich aufgerufen, das Notwendige zu denken und etwa die deutschen Gesetze gegen Einwanderung und Abschiebeknäste in einen Zusammenhang mit rassistischen Vorurteilen der Bevölkerung bringen. Wer staatlichen und gesetzlich legitimierten Rassismus thematisiert, gerät stattdessen automatisch unter den Generalverdacht des Linksextremismus [oder nicht klar denken zu können, u.]."
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Menschenrechte als Sonderrechte
Viel wird immer von der Universalität der Menschenrechte gesprochen. Ganz konkret wollen wir sie aber nur besonders ausgewählten gewähren. So spricht sich der Berliner Innensenator Erhart Körting im
taz-Interview dagegen aus, den menschenrechtswidrig auf Guantanamo Gefangenen grundlegende Menschenrechte zu sichern. Da geht es nicht um Rechte sondern darum, dass Körting
"keine Lust" hat, denn
"Solche Menschen will ich mir nicht nach Deutschland holen". Und obwohl er weiss, dass eigentlich die Unschuldsvermutung gelten müsste, weiss er doch ganz genau (ohne rechtskräftige Beweise), dass diese Leute nicht unschuldig sind:
"Das sind Sympathisanten der Taliban und der al-Qaida. Es sind dieselben Leute, die im Stadion von Kabul vor Begeisterung geklatscht haben, wenn Frauen zu Tode gesteinigt wurden." Damit wäre dann auch nochmal kurz erwähnt, dass Muslimen die Menschenrechte aberkannt werden müssen, da sie kollektiv die Frauenrechte missachten. Und überhaupt müssen wir uns nicht kümmern, denn das ist ja Aufgabe der USA und damit sind wir fein aus dem Schneider.
Dass ich keine Lust auf eine solche selbstzentrierte Abschottungspolitik habe, spielt leider so gar keine Rolle.
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Islamist_innen und Evangelikale sind nicht gleich
In unserer Gesellschaft ist es Standard Muslime kollektiv als Islamist_innen (und damit Terrorist_innen) zu bezeichnen. Es scheint deshalb ok, wenn der Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung Thomas Krüger die Schüler_innenzeitung Q-Rage mit folgendem Begleitwort verschickt:
"In der Zeitung finden sich interessante Informationen, wie islamistische [...] Gruppen, die wichtige Freiheitsrechte in Frage stellen, Jugendliche umwerben." (siehe Artikel der
taz). Da macht es nichts weiter, das durchaus unterschiedliche Geschichten über junge Muslime/Muslima in der Zeitung beschrieben sind.
Krüger hat aber einen Fehler gemacht. Er schreibt nicht nur von islamistischen Gruppen sondern von
"islamistische und evangelikale Gruppen" und das geht nun gar nicht. Der Aufruhr ist groß und
"Krüger distanzierte sich von dem Text - und von seinem Begleitschreiben." wie die
taz schreibt. Dass Evangelikale z.B. Homosexualität für eine heilbare Krankheit halten, ist wohl nichts weiter verwerfliches.
(Mich hatte die Q-Rage aus einem
anderen Grund geärgert.)
Nachtrag 04.01.09: Die
Evangelikalen fordern noch mehr und scheinen damit erfolgreich. Auch wenn einige von ihnen gegen die jugendlichen Redakteur_innen hetzen:
"Diese waren mit Anschriften und Fotos auf Internetseiten bibeltreuer Christen veröffentlicht und attackiert worden."
Nachtrag 11.01.09: Ein längerer Bericht zu den Evanglikalen im
taz mag.
Nachtrag 31.01.09: Die Bundeszentrale bringt jetzt - wie von den Evangelikalen gefordert - eine Publikation über
Christliche Verantwortung heraus, wie die
taz berichtet.
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in: islamophobie
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Islamophobie und Antisemitismus
Hilal Szegin hat in der taz wieder ein interessantes, differenziertes und zum Nachdenken anregendes
Schlagloch: Ein anderer Koffer unterm Bett veröffentlicht.
Dabei weist sie zum einen darauf hin, dass es neben Islamophobie noch andere gewalttätige Rassismen im heutigen Deutschland gibt:
"Was die reale physische Bedrohung durch Neonazis angeht, geraten afrikanischstämmige Menschen viel häufiger in deren Visier."
Zum anderen verweist sie darauf, dass der deutsche Antisemitismus ein singulärer ist:
"Und doch ist der arabische Antisemitismus historisch und politisch ganz anders gelagert als der deutsche - gerade weil der Holocaust ein im schlimmsten Sinne einzigartiges Verbrechen und Kulminationspunkt einer bestimmten, deutschen (und europäischen) Geschichte ist."
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in: islamophobie
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Polizist_innen morden nicht
In Dessau ist keiner verantwortlich für den Tod von Oury Jalloh. In Bremen wird niemand verurteilt für den Tod durch Brechmitteleinsatz. Und in London verhindert der Richter eine Verurteilung wegen des
Mordes an Jean Charles de Menenez.
Nicht nur in Deutschland: Der Staat und seine Gerichte als
Freund und Helfer der Polizei.
Nachtrag 02.05.10: Der Freispruch für den Bremer Polizeiarzt ist laut
taz vom BGH aufgehoben worden.
Nachtrag 18.02.12: Die
taz berichtet:
"Das Magdeburger Landgericht hat am Donnerstag den Antrag der Nebenklage zurückgewiesen, ein neues Brandgutachten zur möglichen Todesursache Jallohs einzuholen. Damit wird die Frage, wie in seiner Polizeihaft in Dessau ein Feuer entstehen konnte, nicht neu untersucht."
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in: rassistisch
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Keine Arbeitserlaubnis für Qualifizierte
Eine deutsche Firma stellt eine Frau aus Frankreich ein, um für den französischen Markt zu arbeiten. Zu vermuten wäre, dass die Firma (betriebswirtschaftlich) weiß, was sie tut. Dass sie diese Frau einstellt, weil die sich für den Job eignet.
In Deutschland entscheidet aber nicht die Firma, ob die Auswahl der Arbeitskräfte eine wirtschaftlich sinnvolle ist. Das Recht behält sich die Ausländerbehörde vor. Zumindest dann, wenn die Arbeitskräfte nicht eine EU-Staatsangehörigkeit haben.
Die
taz Berlin berichtet von so einem Fall. Und zitiert Carole Chetcheu-Hendjeu mit:
""Die deutschen Behörden wollen einfach keine Ausländer", sagt sie. "Und schon gar keine Schwarzen.""
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in: abschieben
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Im Dienste der Wissenschaft
"Vor dem Hintergrund dieses verbrecherischen Abschnitts deutscher Kolonialgeschichte dürften der von Herero und Nama geforderten Rückgabe der Schädel eigentlich keine Hindernisse im Weg stehen. Doch man höre: die Charité entschuldigt sich damit, dass die Untersuchungen an den Schädeln noch nicht abgeschlossen seien, man die Präparate dann jedoch für eine ehrenvolle Bestattung zurückgeben werde. Es kommt noch besser: das Archiv der Universität Freiburg verteidigt die Sammlung von Schädel und Knochen gar als "Kulturgut"."
berichtet die
taz.
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in: (post)kolonial
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Humoristischer Rassismus in der taz
Die satirische
Wahrheit wie die Rubrik verboten der taz greifen immer mal wieder auf rassistische Bilder zurück, um satirisch/lustig (oder so) zu sein. In der letzten Woche waren es zweimal Bilder über 'Chines_innen': Am 09.12.08 wurden sie als
"Zitronengesichter" bezeichnet. Und am 20.12.08 gab es einen Kartoon zum Thema 'China-Woche' und Zähne. Meinen Kommentar hier finden die Macher_innen bestimmt vollkommen humorlos. Das bin ich bei der unkritischen (Re)Produktion von Rassismen allerdings tatsächlich.
Nachtrag 22.04.11: Die taz-Wahrheit-Seite hat sich mal wieder in
rassistischem Humor hervorgetan (siehe auch
Leser_innenbrief von Ulrike Janz und zum
N-Wort).
Was für ein Verständnis von Humor ist das? Aus der Machtposition abwertende Begriffe humoristisch zu benutzen, entspricht so gar nicht meinem Humorbegriff.
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in: rassistisch
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Der Bundestag und Spätabtreibungen
Wie die
taz berichtet, hat der Bundestag über ein neues Gesetz über Spätabtreibungen debatiert. Dabei wird ein Konflikt zwischen
"BehindertenpolitikerInnen und FrauenrechtlerInnen" (in der Printausgabe mit Binnen-I) provoziert. Ob es aber tatsächlich um den Schutz von Menschen mit anderer Befähigung geht, darf bezweifelt werden:
"Der Chef des Frauenärzteverbands in Rheinland-Pfalz, Werner Harlfinger, spricht von einer "Unverschämtheit" gegenüber GynäkologInnen und Schwangeren. ... Der Gynäkologe sieht den Handlungsbedarf woanders: "Ich sehe, wie behinderten Kindern von den Krankenkassen kaum eine Therapie bezahlt wird. Und wie Mütter vor Gericht um ihr Pflegegeld kämpfen müssen. Im Moment werden die Frauen geopfert, wenn sie ein behindertes Kind zur Welt bringen. Daran sollte die Union mal etwas ändern.""
Wichtiger als die Spätabtreibung zu regeln, wäre es wohl eine Gesellschaft zu schaffen, die Menschen, die von der Gesundheitsnorm abweichen, als gleichberechtigt wahrnimmt und ihnen gleiche Rechte gewährt. Der Kampf gegen die Spätabtreibung wirkt vor dem Hintergrund dieses Versäumnisses eher wie eine heteronormative Disziplinierung von Frauen.
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in: ableism
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Gewünscht: Mieter_innen mit deutschem Namen
Emsal Kilic hat für ihre Diplomarbeit untersucht, welche Erfahrungen Wohnungssuchende mit türkisch-klingendem Namen, türkisch-klingender Stimme und türkisch-wirkendem Aussehen im Vergleich mit deutsch-Wirkenden machen. Die
taz berichtet über die Ergebnisse, die eine klare Privilegierung der deutsch-Wirkenden zeigen.
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in: islamophobie
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