Dienstag, 1. April 2008
Aprilscherz
Der taz-Artikel hört sich nach einem Aprilscherz an, ist aber wohl eher eine Beschreibung deutschen Behördenalltags:

Ende Februar hat sich das Kosovo für unabhängig erklärt und Deutschland hat den neuen Staat anerkannt. Deutsche Ausländerbehörden aber ignorieren das. Sie verlangen weiterhin, dass sich KosovarInnen bei der serbischen Botschaft Papiere besorgen bzw. die Ausbürgerung aus der serbischen Staatsbürgerschaft nachweisen, um eingebürgert zu werden.

Eine Ausnahme ist die Ausländerbehörde München. Sie hat mitbekommen, dass es nun ein unabhängiges Kosovo gibt. Daher ruhen nun alle Einbürgerungsanträge von KosovarInnen auf unbestimmte Zeit. Denn solange es noch keine kosovarische Botschaft gibt, kann die Ausbürgerung der Einbürgerungswilligen nicht nachgewiesen werden. Und auf diesen Nachweis besteht die Münchner Behörde, obwohl sie durchaus pragmatischer vorgehen könnte (wie z.B. die Schleswig-Holsteiner).

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Montag, 31. März 2008
Kein ethnisches sondern ein soziales Problem
Die taz bringt heute einen langen Beitrag von/über Marianne Rubach (geschrieben von Gabriele Goettle), die als Lehrerin für benachteiligte SchülerInnen in Neukölln arbeitet. In dem Beitrag betont sie verschiedentlich, dass sie es nicht mit einem ethnischen sondern einem sozialen Problem zu tun hat.

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Aus der Steinzeit
Das Land um das es geht "dämmert noch immer in einem anderen Zeitalter", vielleicht in der "Steinzeit" oder auch im "Mittelalter". Die Menschen stehen in Beziehung "zu ihrem Gott". Sie leben in "fensterlosen Lehmgehöften". Es gibt keinen Fortschritt, dafür aber "Boys" die Mächtigen sexuell zu Diensten sein müssen. Als Konfliktlösungsmittel kennen sie nur die Gewalt.

Bei der Beschreibung können wir uns sicher sein, dass dieses Land weit weg von uns liegen muss. Denn wir sind selbstverständlich zivilisiert, leben im Fortschritt und nicht in fensterlosen Lehmgehöften. Und schwul sind wir schließlich auch nicht. Dafür trauen wir uns zu "die Region aus der Steinzeit ins 21. Jahrhundert zu katapultieren" und zwar mit Hilfe von Armeen.

Dabei haben "30 Jahre Krieg [Strukturen und Werte] aus den Köpfen seiner Bewohner gebombt". Zu fragen wäre da, wie denn jetzt unsere Truppen, die Zivilisation in diese Köpfe bomben sollen?

Dieser alle orientalistischen und rassistischen Bilder über Afghanistan reproduzierende Artikel von Carsten Stormer wurde übrigens in der taz veröffentlicht.

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Sonntag, 30. März 2008
Einbürgerung
Der Gesprächskreis Migration und Integration der Friedrich-Ebert-Stiftung hat eine neue Broschüre herausgegeben:

Einbürgerung
Rahmenbedingungen, Motive und Perspektiven des Erwerbs der deutschen Staatsangehörigkeit

Ein Gutachten von Dietrich Thränhardt
Download als pdf

Thränhardt zeigt schön die Unterschiede in der administrativen Bearbeitung von Einbürgerungsanträgen in den verschiedenen Bundesländern auf. Zudem vergleicht er das "deutsche Einbürgerungsdefizit" mit anderen Ländern und spricht sich für die Tolerierung mehrfacher Staatsangehörigkeiten aus.

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Der schwarze Mann
Eine Frau wird von einem Mann eingesperrt, ausgebeutet und misshandelt. Viele Jahre lang. In einem Land, dessen Sprache sie nicht spricht, das sie nicht kennt und in dem sie sich keine Hilfe organisieren kann. Eine schlimme Geschichte. In diesem speziellen Fall mit einer Art Happy End: durch eine schwere Krankheit kommt sie in ein Krankenhaus und entkommt damit ihrem Peiniger.

Die taz berichtet darüber. Aber über einiges in diesem Artikel von Waltraud Schwab wundere ich mich:

"Mit ihrem runden Gesicht, das von schwarzen Haaren eingerahmt ist, mit den dunklen Augen, der bronzefarbenen Haut könnte die Indonesierin auch aus Nordafrika oder Südamerika stammen."

Was soll diese Rassifizierung? Eine so aussehende Frau könnte genauso gut aus Deutschland 'stammen'. Oder nicht?

Der Täter wiederum wird als "Araber" bezeichnet und wie folgt beschrieben:

"Er hat schwarze Haare, schwarze Augen, einen schwarzen Schnurrbart."

Der schwarze Mann. Steht er im Kontrast zu der bronzefarbenen Frau, die auch aus Südamerika stammen könnte? Symbolisiert das Schwarze das Böse? Was wenn der Mann blond gewesen wäre und blaue Augen hätte?

"Er errichtet eine Haremsmauer um die Frau."

Warum eine Haremsmauer? Warum nicht einfach eine Mauer? Wieso der Bezug auf das orientalistische Bild des Harems?

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Samstag, 29. März 2008
Klimawandel
Aus der taz:

"Atiq Rahman dagegen hat eine radikale Idee. "Warum retten die Industrienationen nicht die Menschen, die sie durch den Klimawandel töten?", fragt der große alte Mann der Umweltbewegung des Landes in seinem Büro in Dhaka provozierend. ... "Jedes Unternehmen in einem Industrieland", schlägt er vor, "das mehr als 100.000 Tonnen Kohlendioxid im Jahr ausstößt, muss ein Dorf von Bangladeschern in seinem Land ansiedeln. .... Rahman macht eine Pause und beobachtet, welche Wirkung seine Worte haben. Dann sagt er: "Ich mache keine Witze. Ich meine das todernst.""

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Samstag, 29. März 2008
Weder inhaltlich noch ästhetisch
In einem Kommentar zum Wilders-Film schreibt Peter Heilbrunner vom SWR-Hörfunkstudio Brüssel auf tagesschau.de:

"Und dennoch: Es bleibt einer schaler Beigeschmack. Zum einen, weil der Film unter normalen Umständen wahrscheinlich kaum wahrgenommen worden wäre - allein unter künstlerischen Gesichtspunkten hätte ihn am Ende keine TV-Anstalt ausgestrahlt. ... Nun aber kommt dem Pamphlet eine Bedeutung zu, die ihm weder inhaltlich noch ästhetisch zukommen dürfte. Und das ist das eigentlich bittere an der Geschichte. Hätte es nicht diesen Hype im Vorfeld gegeben, wäre der Film in den tiefen des Internets einfach verloren gegangen - allenfalls ein paar Rechtspopulisten hätten sich daran nicht satt sehen können."

Was sind normale Umstände? Ich vermute mal, das Ziel von Wilders war, möglichst viel Aufmerksamkeit auf seinen Film zu lenken. Deswegen hat er ihn frühzeitig ins Gerede gebracht. Es ging ihm nicht primär um den Inhalt oder die Ästhetik (dann hätte er da mehr Arbeit reingesteckt), sondern um den Hype. Daher hat er den Hype gezielt angestachelt. Ich glaube nicht, dass dieser Film jemals eine Chance hatte, in den Tiefen des Internets verloren zu gehen.

Heilbrunner kommt allerdings zu einem anderen Schluss als ich:

"Und was lehrt uns das? Wir müssen gelassener werden im Umgang mit Islam-Kritik. Meinungsfreiheit ist eine der größten Errungenschaften der freien Welt und die sollten wir nicht übervorsichtig opfern aus Angst vor erbosten Reaktionen. Mit Selbstzensur jedenfalls stellen wir das Licht unser westlichen Tradition unter den Scheffel - einen Dialog der Kulturen muss man offen führen können und ohne vorauseilenden Gehorsam."

Ich verstehe nicht, warum Heilbrunner hier zum Thema Selbstzensur schwenkt. Das Problem hier erscheint doch eher, dass ein Film produziert wurde bzw. über die Produktion eines Filmes geredet wurde, der als alleiniges Ziel hat, eine bestimmte Bevölkerungsgruppe zu verunglimpfen und zu provozieren. Der Film ist inhaltlich und filmisch schlecht gemacht. Ginge es um irgendein anderes Thema (oder hätte Wilders nicht vorher für ausreichend Öffentlichkeit gesorgt), würde niemand auf die Idee kommen einen solchen Film zu zeigen (und keiner sagen, dass es eine Verletzung der Meinungsfreiheit ist, ihn nicht zu zeigen). Aber da Wilders den (geplanten) Film geschickt als eine Verteidigung der Meinungsfreiheit lanziert hat, wird die Idee des Films zu einem Symbol der Verteidigung 'unserer' Werte und das (mögliche) Nichtzeigen zu einer unzumutbaren Selbstzensur. Eine äußert clevere PR-Strategie.

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Donnerstag, 27. März 2008
Gender und Anti-Rassismus
Gender Mainstreaming und interkulturelle Trainings sind inzwischen in aller Munde. Die Broschüre "Pädagogische Ansätze für interkulturelle Geschlechtergerechtigkeit" herausgegeben von IDA e.V. (da auch zu bestellen) setzt sich mit der Verbindung beider kritisch auseinander. Die Redaktion hatten dabei die Rassismus- und Genderforscherin Maria do Mar Castro Varela sowie Birgit Jagusch von IDA. Mir haben vor allem die Grundlagentexte von Castro Varela und Gabriele Dina Rosenstreich gut gefallen.

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AsylbewerberInnen sind anders
Die taz berichtet über Proteste von Flüchtlingen gegen ihre menschenunwürdige Unterbringung in einem ehemaligen Ferienlager in dem thüringischen Katzhütte, das ganz und gar nicht den Anforderungen von dauerhaft dort wohnenden Menschen genügt.

Die Offiziellen zeichnen sich mal wieder durch rassistische Unterscheidungen zwischen 'uns' und den 'Anderen' aus:

Die Heimleiterin sagt: "Und unsere Asylbewerber haben eine andere Lebensweise als wir Deutschen. Ein Deutscher duscht nicht unter fließendem Wasser."

Der Fachbereichsleiter Jugend und Soziales spricht: "von einem "anderen Lüftungsverhalten, als der Bau erfordert"" (vermutlich um den unzumutbaren Schimmel zu erklären).

Nachtrag 08.05.08: Die Ostthüringer Zeitung berichtet, dass Katzhütte teilweise geräumt aber nicht aufgegeben wird.

"Die beiden Sprecher der Katzhütter Flüchtlinge wurden gestern gegen ihren Willen nach Eisenach bzw. Greiz verlegt, da sie laut Kreisbehörde massiv Ruhe und Ordnung im Objekt gestört hätten, das Vertrauensverhältnis zum Personal gestört sei und so dort nicht mehr geduldet würden, hieß es."

Das Einfordern von Menschenrechten kann also nicht geduldet werden.

Nachtrag 19.05.08: Die taz berichtet über das Schimmelasyl und interviewt Tobias Pieper dazu:

taz: "Die Isolierung ist also politisch gewollt?

Pieper: Natürlich. Das ist ja im Gesetz so vorgesehen: Bevor der Aufenthalt nicht geklärt ist, soll auf keinen Fall eine Integration stattfinden. Und deshalb isoliert man die Leute in solchen zentralen Lagern.

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Dienstag, 25. März 2008
Tibet und Deutschland
Bei den Protesten gegen die chinesische Tibetpolitik in Deutschland hat ein junger Mann aus Tibet versucht, sich anzuzünden. Im taz-Interview interpretiert ein Mitarbeiter der Tibet-Initiative Deutschland dies weniger als eine spezifische Protestform als eine Verzweiflungstat eines abgelehnten Asylbewerbers, der die Abschiebung nach China befürchten muss.

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