"Bereits in der 3. Spielminute zückte er Gelb, als ein türkischer Kicker seinen Teamkollegen mit dessen Namen Ahmed rief. Dann gab es Gelb, als der Schiedsrichter einen türkischen Zuruf nicht verstand. Kapitän Murat Kaya wies Füllenbach noch darauf hin, "dass wir nicht alle Dieter heißen". So ging es weiter. In der 60. Minute dann ist das Spiel vorbei. Füllenbach zeigt Rot, und Kicker des SC Europa gehen auf ihn los.
"Ich muss auf dem Platz alles verstehen können", beharrt der 55-Jährige. Wenn ein Spieler einem anderen zurufe: "Hau ihn um", dann will er handeln können. Das Problem ist, dass er den Inhalt der türkischen Sätze gar nicht verstehen konnte und trotzdem wegen "Beschimpfung" die Verwarnung zog. Er räumt ein, nur "die Körpersprache interpretiert" zu haben. "
Würde dieser Schiedsrichter bei der WM pfeifen, dann dürften bald nur noch die 'deutsche' und die 'schweizerische' Mannschaft spielen.
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Am Strand von Rio, in den Vororten Nairobis, auf Bolzplätzen in Berlin - Straßenfußball ist überall. Wer keinen Ball hat, spielt mit Plastikbündeln oder Blechdosen. Millionen Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene – darunter immer mehr Mädchen - sind Straßenkicker. streetfootballworld bringt sie zusammen: Gemeinsam mit der Stiftung Jugendfußball von Jürgen Klinsmann vernetzen wir Straßenfußball-Projekte rund um den Globus. Es geht um den Spaß am Kicken. Und um das Gute am Ball: um Teamgeist, globales Lernen, Gewaltverzicht. Es geht um Fußball als Medium für soziale Entwicklung, um Fußball als Kulturvermittler."
preist streetfootballworld seine WM der StraßenfußballerInnen an. Und wird darin von der Bundesregierung unterstützt. Eingeladen sind Mannschaften aus der ganzen Welt. Die taz berichtet:
"Die Mannschaften wurden von Sozialprojekten vor Ort zusammengestellt. Die Spieler arbeiten bei Projekten gegen Gewalt, Drogen und Rassenhass oder Aids mit. Viele der jungen Kicker kommen aus wenig gefestigten Familienverhältnissen."
Und genau das ist jetzt zum Problem geworden. Die Teams aus Ghana und Nigeria haben keine Visa bekommen.
"Ausgerechnet die fehlende "Verwurzelung im Heimatland" nennt das Auswärtige Amt nun als einen Grund für die Ablehnung der Visa-Anträge. Offenbar rechnete die Behörde damit, dass die Jugendlichen aus Nigeria und Ghana in Deutschland bleiben wollten."
Deutschland beweist so wieder einmal, wen es als Gast freundlich aufnehmen will und wen nicht. Eigentlich ist weniger die Verweigerung der Visa verwunderlich als die Tatsache, dass manche Teams aus dem Süden sie bekommen haben.
Nachtrag 29.06.06: Die Teams bekommen keine Visa, weil die Bundesregierung fürchtet, dass Straßenfußballer aus Ghana und Nigeria Profikicker werden wollen ....
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"Tufan ist Türke, Cebrail Kurde und Asad, der von Geburt an Deutscher ist, spricht Urdu, die Sprache der pakistanischen Heimat seiner Eltern."
Das wären dann drei unterschiedliche 'Kulturen' zu denen sich diese drei Jungen zuordnen bzw. zugeordnet werden. Die drei sind verbunden mit drei unterschiedlichen Sprachen (Türkisch, Kurdisch, Urdu), drei unterschiedlichen Formen des Islams (die Ahmadiyas aus Pakistan werden zum Beispiel von den meisten Muslimen als häretisch abgelehnt und zum Teil auch gewaltsam verfolgt), drei unterschiedliche 'Traditionen', etc. Die einzige gemeinsame Sprache, die diese drei haben ist Deutsch. In keiner anderen werden sie sich verständigen können.
Trotz all dieser Unterschiede und der letzten Gemeinsamkeit werden sie als eine Einheit im Gegensatz zu den 'Deutschen' gesehen. Wierth schreibt:
"Deutsche Freunde haben die drei kaum: "Es gibt hier ja kaum Deutsche", sagt Cebrail."
Damit ist dann schon mal klar gemacht, dass die drei (selbst der deutsche Staatsbürger Asad) keine 'Deutschen' sind. Und weiter zitiert Wierth:
" Mit dem Begriff Parallelgesellschaft können sie etwas anfangen: "Man lebt schon in zwei verschiedenen Welten", meint Asad."
Auch wenn Asad, da wahrscheinlich von seinen zwei Welten spricht, also der pakistanisch-ahmadiya-migrations- und ausgrenzungsgeprägten Welt in seinem Elternhaus und der ausserhalb, suggeriert Wierths Artikel das die eine Welt die 'deutsche' ist und die andere die der 'AusländerInnen' allgemein. Sie sagt:
"Ihre Welt - damit verbinden die drei Dinge: ...Die Welt der Deutschen dagegen ..."
Aber was ist den "ihre Welt" jenseits der gemeinsam erlebten Ausgrenzungen? 'Ihre Welten' sind voneinander so unterschiedlich wie die der 'Deutschen', was immer die auch sein soll(en).
Durch solche dichotomen Darstellungen werden erst die homogene Welt der 'Deutschen' und die der 'AusländerInnen' geschaffen, und damit wird die Abgrenzung und Ausgrenzung zementiert.
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Die 'ÖsterreicherInnen', höre ich, sollen sehr patriotisch sein, und auch die Piefkes diskriminieren. Das mag schon unangenehm für letztere sein. Sicher. Würde mich auch nerven, immer auf irgendeinen unterstellten 'nationalen' Charakter reduziert zu werden. Aber die Piefkes sind natürlich überhaupt nicht besser. Die finden die 'ÖsterreicherInnen' drollig, nehmen sie nicht ernst, argumentieren, dass das Wort Mücke doch mehr Sinn macht als das Wort Gelse. Und sie laufen anlässlich der WM auch hier in Wien mit Deutschlandfahnen durch die Gegend. Wirklich gefährlich scheint das nicht zu sein. Auch wenn die Piefkes hier nicht gemocht werden, so droht doch nicht der Baseballschläger.
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taz: Kurz vor der WM wurde heftig über No-Go-Areas diskutiert, also Orte, die Menschen mit dunkler Hautfarbe wegen rechter Schläger besser meiden sollten. Was denken Sie darüber?
Omilade: Die Diskussion ist berechtigt. Es gibt Regionen, die ausländisch aussehende Menschen meiden, weil sie Angst haben. Für Menschen mit anderer Hautfarbe wie mich ist das aber keine neue Erkenntnis. Man erzählt sich eben, du, geh da besser nicht hin.
taz: Es gibt für Sie also in Potsdam Orte, an denen Sie zu bestimmten Zeiten nicht hingehen?
Omilade: Meistens bin ich mit dem Auto unterwegs, entsprechend muss ich mir weniger Sorgen machen. Aber zu Fuß würde ich nachts schon einige Viertel meiden. Ich muss es ja auch nicht provozieren.
Hoffentlich gelingt es ihr auch weiterhin. Der Engländer Noel Martin zahlt mit seinem Leben für einen Aufenthalt in Deutschland. Allein im April gab es nach offziellen Angaben 55 rechts motivierte Gewalttaten.
Rassismus gibt es natürlich auch woanders, z.B. in Ecuador. Und auch im Berliner Ethnologischen Museum:
Sogar eine programmatische Brücke zum WM-Konzept des Ethnologischen Museums findet sie noch:. "Eigentlich sind die Brasilianer auch mal Afrikaner gewesen."
Die 'Deutschen' auch?
Nachtrag 22.06.06: "Auf einer Podiumsdiskussion in der Akademie der Künste über rechte Gewalt in Deutschland herrschte gar keine patriotische WM-Laune."
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Der zuständige Mitarbeiter der Ausländerbehörde habe ihm mitgeteilt, dass seine Enkelkinder erst dann einen sicheren Aufenthaltsstatus bekämen, wenn er als Vormund ein Einkommen von 3.000 Euro und außerdem 20 Quadratmeter Wohnfläche für jedes Kind nachweisen könne. Für Milos S., der als Gastarbeiter nach Berlin kam und über eine unbefristete Niederlassungserlaubnis verfügt, sind das unerfüllbare Bedingungen: Der 60-Jährige ist Rentner.
Überdies habe der Beamte, so S. zur taz, ihm vorgeschlagen, er könne doch mit den Kindern nach Bosnien gehen, wenn er verhindern wolle, dass sie dort in ein Heim kämen. "Ich würde alles für meine Enkel tun, aber das nicht." Denn die Kinder gehörten hierher: "Sie sind gute Deutsche!"
Warum nur spricht Bernd Msovic bei soviel Sorge 'unserer' Innenminister um die Flüchtlinge in seinem Kommentar von Zonen der Rechtlosigkeit? Immer diese Gutmenschen, die Rechte auch für 'Illegale' einfordern. Das geht dann doch zu weit.
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hier drei schöne rassismusanekdoten aus der letzten woche:
1. eignungsprüfung an einer hochschule:
begrüßung durch die sekretärin an die 12 köpfige gruppe (alles deutsche): "herzlich willkommen auch an die drei exotinnen unter uns"
gemeint waren eine deutsch-iranerin, eine deutsch-asiatin (weiß leider kein genaues land) und ich.
2. auswahlworkshop einer politischen stiftung:
es gab vier gruppen a 9 leute, in denen die berühmten gruppendiskussionen unter beobachtung stattfinden sollten. ich fand mich auf der liste der
gruppe, in der nur menschen mit ausländischem namen waren. einige "wirkliche ausländer" (austauschstudenten aus lateinamerika) und mehrere mit migrationshintergrund: eine deutsch-iranerin, ein deutsch-iraker, eine deutsch-polin, eine frau mit serbischem namane (ihr opa war serbe...) und
ich. auf meine frage hin wieso es eine gruppe gäbe, in der nur menschen mit ausländischem namen seien:
- 1. antwort: zufall, 2. antwort: interkulturelle erfahrung als auswahlkriterium.
das thema der gruppendiskussion war: wie mit der hamas-regierung umgehen. es sollte wohl beobachtet werden, wie wir über ein so brisantes emotional
aufgeladenes thema diskutieren. in meinem feedback wurde mir gesagt, ich wäre ja sehr emotional in das thema involviert, hätte oft nonverbal kommuniziert und nicht sachbezogen argumentiert.
das wars dann wohl mit dieser stiftung
3. mein argentinischer freund und ich fahren am grunewaldsee fahrrad. es ist sehr voll mit hunden und hundebesitzerinnen. mein freund muss einem
hundebsitzer haarscharf ausweichen, der schreit uns hinterher: "du zigeuner, kannst nicht richtig fahrrad fahren"
wollte euch an diesen schönen erlebnissen teilhaben lassen. frage mich, ob es zufall ist oder einfach durch erhöhte sensibilität wahrgenommen."
Soweit die mail einer Freundin, die ich anonymisiert habe für diesen Eintrag.
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"Eigentlich leben die meisten Küstenstädte Westafrikas, von Marokko bis hinunter nach Guinea, von der Fischerei. Diese 2.000 Kilometer Atlantikküste beherbergen eine der letzten großen Fischreserven der Welt. In Senegal stellt der Sektor laut Regierung 15 Prozent aller Arbeitsplätze und erwirtschaftet ein Drittel der Exporteinnahmen; Fisch ist ein beliebtes Grundnahrungsmittel. Aber seit mindestens zehn Jahren, so warnen Umweltschützer, werden die westafrikanischen Gewässer systematisch überfischt. Maximal 420.000 Tonnen Fisch dürften aus Senegals Territorialgewässern jährlich geholt werden, um die Bestände zu erhalten, sagte die Regierung Ende der 90er Jahre; real seien es durchschnittlich 450.000. Bis 2002 sank die Fangmenge auf 374.000 Tonnen. Exportiert von Senegals Fisch wird rund ein Viertel, zumeist nach Europa; der Rest wird vor Ort gegessen.
Das Problem: Zu den Kleinbooten der afrikanischen Fischer kommt die industrielle Fischerei aus Europa. Die EU, deren eigene Gewässer zu großen Teilen bereits leer gefischt sind, schickt ihre hoch subventionierten Fischereiflotten immer öfter vor die Küste Afrikas und kauft den betroffenen Regierungen Fischereirechte ab."
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"Muss die taz wirklich mit dieser Frage diese sexistischen Klischees aufgreifen? Ist WM-Bloggen mit der taz doof - für alle?"
Aber nicht nur Sexismus wird hier saloonfähig, auch von Rassismen wimmelt es nur so. In dem Artikel über den brasilianischen Torhüter Dida häufen sich Formulierungen wie "einer lächelnden Rasse", "das erste multirassische Team" und "Rassentoleranz". Auch wenn der Autor Alex Bellos sich von all diesen Stereotypen abgrenzt und im weiteren Verlauf des Artikels auf Rassismus eingeht, werden hier zu Beginn unkommentiert 'Rassebegriffe' reproduziert. Wahrscheinlich geht diese Häufung des Begriffs 'Rasse' darauf zurück, dass der Autor 'Brite' ist und im Englischen der Begriff 'race' benutzt wird. Das entschuldigt es aber nicht. Dieser Begriff sollte gar nicht benutzt werden, er reproduziert die Idee, dass es 'Rassen' tatsächlich gibt und legitimiert damit Rassismus.
Letzten Dienstag schon gab es eine Seite über korrupte Fußballverbände in Afrika. Was sicher ein Problem ist, noch sicherer aber nicht nur ein 'afrikanisches'. Da aber Chaos gut in die 'deutschen' Afrikabilder passt, sollte die Berichterstattung hier vielleicht etwas vorsichtiger sein und einen solchen Artikel in eine Reihe mit anderen über Korruption in 'europäischen' Verbänden stellen, anstatt nur auf 'Afrika' zu fokussieren.
Befremdlich ist auch ein bisschen wie stark nun Klose und Podolski zu Polen geschrieben werden (zum Beispiel am letzten Mittwoch unter dem Titel "Sein Heimspiel"). Das sind 'deutsche' Nationalspieler und es ist gut zu zeigen, dass 'Deutsche' etwas vielfältiger sind als die 'Deutsche' gemeinhin denkt. Wenn das aber dazu führt, die 'Deutschen' zu 'Polen' zu machen, ist das Ziel eindeutig verfehlt. Am gleichen Tage wurde zudem im Artikel "Emigrierte Stars" ein Nazikollaborateur als armes Opfer der Verhältnisse dargestellt, was wohl auch etwas verfehlt ist.
Interessant auch, dass kaum über pöbelnde Fans geschrieben wird und wenn doch, dann der Bericht sehr verharmlosend ist, wie zum Beispiel letzten Freitag "Erstmals Randale", der zu Anfang beschreibt:
Doch je näher der Anstoß rückte, desto ungemütlicher wurde die Atmosphäre. "Spargelstecher, Erdbeerpflücker", schallte es den polnischen Fans entgegen. Auch er Brunnen auf dem Alten Markt wurde plötzlich zur "No-Go-Area".
und endet:"Ohne Polen fahr'n wir nach Berlin", sangen sie lautstark. Doch selbst das konnte niemanden mehr provozieren.
Es ist alles halt doch nicht so schlimm, 'wir' lassen uns den Spaß nicht verderben. Eine klar rassistische Tat landet daher Freitag sogar nur in einer Kurzmitteilung:
Jungmänner, Fahren schwarzrotgold, ein Londsdale-Sweatshirt, befeuert von einer Allianz aus Adrenalin, Alkohol und Testosteron. "Ihr könnt nach Hause fahr'n", skandieren sie. Adressat: drei polnische Päärchenin Rotweiß, allerhöchstens 20 Jahre alt. Sie lachen, sie sind zu Gast. "Ihr könnt nach Hause fahr'n", immer wieder, un einer der Gastgeber reckt den rechten Arm zum deutschen Gruß."
Nachtrag 03.07.06: Es geht weiter mit Hitlergrüßen und ähnlichem:
"Singt hier jetzt schon ein Bimbo für den anderen?"
Aber das ist ja alles ganz harmlos .... und positiv patriotisch.
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Foto: © Anke Illing

