Sonntag, 15. März 2015
Kein Praktikumsplatz
Eine Person bewirbt sich um einen Arbeits-, Studiums-, Praktikumsplatz und wird abgelehnt. Das passiert regelmäßig. Mal liegt es daran, dasss es nicht genug Plätze gab, dass die Qualifikation nicht ausreicht oder sonstige gute Gründe. Mal liegt es aber auch daran, dass die bewerbende Person einer gesellschaftlichen Gruppe angehört (bzw. als ihr angehörend angesehen wird), die nicht gerne eingestellt wird (Behinderte, Frauen, Ausländer_innen, HartzIV, etc.). Auch das passiert regelmäßig. Da das aber Diskriminierung ist, wird natürlich kein oder ein anderer Grund angegeben und damit lässt sich meist die Diskriminierung nicht nachweisen.

Ungewöhnlich ist es, wenn die Diskriminierung in der Absage offen zugegeben wird. Das soll eine Leipziger Professorin aber gemacht haben (siehe z.B. sueddeutsche.de, und mdr.de). Sie soll einen indischen Studenten mit der Begründung abgewiesen haben, dass sie wegen der Vergewaltigungsfälle in Indien generell keine indischen Männer annehme.

Soweit ein klarer Fall von rassistischem Ausschluss. Menschen aus einem bestimmten Land grundsätzlich abzulehnen, weil diesen Menschen eine bestimmte Mentalität zugeschrieben wird oder sie für Verhalten anderer Menschen in diesem Land zur Rechenschaft zu ziehen, ist eine rassistische Praxis. Die Professorin behauptet allerdings, dass sie diese Aussagen so nie getroffen hat. bbc.com wiederum berichtet, dass sich ein anderer Student gemeldet hat, der schon vor einiger Zeit eine ähnliche Absage der gleichen Professorin bekommen hat. Ein migazin-Autor hält die Anschuldigungen an die Professorin auch für glaubwürdig.

Ich kann das nicht einschätzen. Wenn es aber stimmt (und diese Annahme treffe ich für den Rest des Blogbeitrags, ohne es zu behaupten), dann finde ich vor allem überraschend, dass die Professorin in der Korrespondenz mit den Studierenden so offen zu ihrem diskriminierenden Verhalten gestanden hat. Die Berichterstattung über die Vergewaltigung(en) in Indien hat ihre befürchteten Folgen (siehe hier und hier). Vergewaltigung wird als ein Problem Indiens (und nicht des Patriarchats) angesehen und damit auch aus (z.B.) Deutschland verlagert. Die Professorin sieht nicht ein Problem in gewalttätigen Männern sondern in indischen Männern.

Einen Fall von Diskriminierung aufgrund des Geschlechts, wie sie der migazin-Autor sieht, sehe ich allerdings nicht. Es trifft zwar indische Männer, aber nicht weil sie sexistisch sondern weil sie rassistisch ausgegrenzt werden. Indische Männer scheinen für die Professorin gefährlich . Indische Frauen hingegen will sie vermutlich beschützen. Sie werden nicht bevozugt, sondern viktimisiert. Die rassistische Diskriminierung ist genderspezifisch differenziert und hat unterschiedliche Folgen.

Am meisten überrascht mich aber weiter die offen diskriminierende Begründung. Wenn sie so getroffen wurde und auch noch mehrfach: Wieso denkt eine Professorin, dass sie das sagen kann? Und wieso gibt es so wenig öffentliches Interesse für den Fall in Deutschland?

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Mittwoch, 21. Januar 2015
Mit dem AGG gegen Menschenrechtsverletzungen
Die taz berlin hat Eva Maria Andrades von Antidiskriminierungsnetzwerk Berlin zu juristischen Schritten gegen Diskriminierung befragt. Der Anlass für das Interview war, dass Mieter_innen (mit Rechtsschutzversicherung) erfolgreich gegen rassistische Mieterhöhungen geklagt hatten.

Andrades weisst darauf hin, dass nach den europäischen Richtlinien, das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz so umgesetzt werden muss, dass es von Diskriminierungen abschreckt:

"Klar ist aber: Die Sanktion muss abschreckend sein. Das sagen die europäischen Richtlinien, auf denen das Gesetz beruht, ganz deutlich: Die Sanktion soll die diskriminierende Person davon abhalten, das wieder zu tun. "

Sie erklärt zudem, warum so wenige Menschen juristisch gegen Diskriminierungen vorgehen:

"Für viele Menschen ist Diskriminierung so etwas Alltägliches, dass sie gar nicht auf die Idee kommen, sich rechtlich dagegen zur Wehr zu setzen. Das gehört einfach zu ihrem Leben dazu. Und dann müssen sie zunächst ja auch mal wissen, dass es eine gesetzliche Grundlage für den Schutz vor Diskriminierung gibt. Sie müssen wissen, an wen sie sich wenden können. "

Ein lesenswertes Interview.

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Unerhebliche Sorgen
In der Debatte darüber, ob mit Pegida nun ein Dialog geführt werden soll oder nicht, wird immer wieder vergessen, dass es da noch die Menschen gibt, die von Pegida bedroht werden und dass man sich auch mit denen mal unterhalten könnte. Das thematisiert Ines Kappert im taz-Kommentar und folgert:

"Diese Ignoranz ist kein Zufall, sondern Teil von Alltagsrassismus.

und fordert: "Das Schutzbedürfnis der demonstrativ gehassten Flüchtlinge muss schleunigst ein zentrales Thema bei den Pegida-Debatten werden."

Dem kann ich nur zustimmen.

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Sonntag, 9. November 2014
Körperliche Gewalt
Ein Zeitungsausschnitt von vor zehn Tagen zeigt wie alltäglich auch körperliche Gewalt gegen schwarze Menschen nach wie vor ist:

Ausschnitt der taz mit mehreren Artikel über körperliche Angriffe auf schwarze Menschen in Deutschland.

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Samstag, 2. August 2014
Ebola
Ebola klingt bedrohlich. Klingt nach Afrika. Macht Nachrichten. In der taz hinterfragt Katrin Gänsler die mediale Faszination mit dem Ebola-Ausbruch in Westafrika und das mediale Desinteresse an anderen Themen aus der Region:

"Das passt ins Klischee. Afrika – gerade im Westen – ist und bleibt der kranke Krisenkontinent. "

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Dienstag, 10. Juni 2014
Zensur
Zensiertes Plakat in Erinnerung des Keupstarassenanschlags


In Berlin erinnert ein Plakat an den Terroranschlag in der Keupstrasse. Kurz nachdem es hing, wurde es von der Polizei zensiert (siehe dazu Bericht des Migazin), weil der Hinweis auf strukturellen Rassismus angeblich den Staat verunglimpft.

Unter dem Plakat war schon vorher ein Hinweis auf das grundgesetzliche Zensurverbot. Jetzt hängt dort noch ein expliziter Hinweis auf die erfolgte Zensur.

Hinweis auf Zensur


Nachtrag 02.07.14: Das Migazin berichtet:

"Am 10.Juni stellte die Berliner Staatsanwaltschaft das von der Polizei eingeleitete Strafverfahren wegen Verunglimpfung des Staates ein. Die Staatsanwaltschaft bewertet die strittige Aussage als eine im Kontext der Erkenntnisse zum NSU-Komplex zulässige Meinungskundgabe und betont, „dass die Formulierung ‚Staat und Nazis Hand in Hand‘ keine Gleichsetzung des Staates mit Nazis zum Ausdruck bringt, sondern nur eine enge Kooperation des Staates mit Nazis anprangert.“"

Das Bündnis gegen Rassismus hat nun wohl Klage die Polizei eingelegt.

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Mittwoch, 2. April 2014
Aprilscherz
Gestern berichtete das Migazin:

"Einem geheimen BAMF-Dokument zufolge sollen ausländerfeindlich eingestellte Beamte in Ausländerbehörden keinen Kundenkontakt mehr haben. Die Gesinnung soll das BAMF per Prüfung ermitteln. Wie aus dem Papier außerdem hervorgeht, soll Lächeln in Zukunft Pflicht werden."

Im Laufe des Tages sah sich das BAMF genötigt, den Aprilscherz zu enttarnen.

Heute brichtet das Migazin über die Reaktionen auf den Artikel:

"Dem MiGAZIN Aprilscherz, wonach ausländerfeindlich eingestellte Beamte in Ausländerbehörden versetzt werden sollen, gingen zahlreiche Behördenmitarbeiter auf den Leim. Erst das BAMF-Dementi beruhigte die Gemüter, dafür zeigten sich zahlreiche Leser enttäuscht."

Schöne Aktion.

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Donnerstag, 27. März 2014
Rassismus auf dem Ausbildungsmarkt
Der Sachverständigenrat für Integration und Migration hat eine Studie Diskriminierung auf dem Ausbildungsmarkt gemacht. Die Studie selbst habe ich nicht gelesen, aber Berichterstattung von der taz und dem Mediendienst Integration. Die Studie zeigt laut der Berichterstattung, dass bei ansonsten identischen Bewerbungen jene von Jugenlichen mit 'deutschen' Namen signifikant erfolgreicher sind und wertschätzender behandelt werden als jene von Jugendlichen mit 'türkischen' Namen. Da die natio-ethno-kulturell zugeschriebenen Namen der einzige Unterschied sind, deutet das klar auf rassistische Ausgrenzung hin. Der Begriff Rassismus/ rassistisch/ etc. kommt aber weder in der taz noch beim Mediendienst Integration noch in der Studie (wie eine Suche im Dokument zeigt) vor. Wie üblich werden wieder andere Begründungen gesucht bzw. Rassismus massenkompatibel umschrieben. In der taz schreibt Daniel Bax:

"Gründe für die Ungleichbehandlung gibt es viele. Die Bewerber mit türkischem Namen würden nicht gezielt ausgesiebt, glauben die Forscher, meist gäbe ein Bündel an Faktoren den Ausschlag: Unsicherheit, Vorurteile und Befürchtungen von der Sorte: Was werden die Kunden denken? Werden die Kollegen damit klarkommen? Manchmal beruht die Ablehnung ganz einfach auf fehlender Erfahrung."

Was die Forscher_innen glauben, lässt sich mit Rassismus beschreiben. Der muss nicht bewusst sein, funktioniert aber über Vorstellungen, Befürchtungen, Bilder, etc. und schafft Sicherheit. Nicht Erfahrung hilft dagegen sondern Rassismuskritik. Aber dazu muss Rassismus erst einmal benannt werden.

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Mittwoch, 19. März 2014
Model minority
Wenn zwei Jura-Professor_innen, die sehr erfolgreich sind - und sich zu einer Minderheit zählen -, sich hinsetzen und aufschreiben, warum bestimmte natio-ethno-religio-kulturelle Minderheiten besonders erfolgreich sind, dann besteht die Gefahr, dass da kulturalistischer kulturkämpferischer neoliberaler model minority-Diskurs rauskommt. Lesen will ich das nicht. Vor allem nicht, weil Daniel Bax das schon gemacht hat und eine vernichtende Rezension in der taz (kulturalistisch, etc.) geschrieben hat.

Bax erklärt, dass Amy Chua und Jeb Rubenfeld anders als Sarrazin keine Gene als Begründung nehmen, kreativen Umgang mit Zahlen scheinen aber auch sie zu pflegen:

"Die Auswahl der acht Gruppen, die Chua und Rubenfeld hervorheben, wirkt deshalb recht willkürlich. Um sie zu rechtfertigen, zitieren sie Statistiken, die zu ihrer These passen, reihen Verallgemeinerungen aneinander und lassen alle Fakten weg, die stören könnten."

Besonders erfolgreich sind in den USA laut den beiden übrigens:

"Zu Chuas und Rubenfelds persönlichen Top Eight gehören Chinesen und Juden - die beiden Gruppen, denen sie selbst angehören -, aber auch Iraner, Libanesen, Nigerianer, Kubaner und sogar Mormonen zählen sie dazu."

Interessante Zusammenstellung. Welches ist die achte Gruppe? Bestimmt die Inder_innen! Die sind nämlich auch ganz toll erfolgreich. Nach Sarrazin müssten aber auch noch die Vietnames_innen dazu.

Was heisst das eigentlich, wenn in verschiedenen Ländern verschiedene Migrant_innengruppen erfolgreich sind. Haben dann die erfolglosen Libanes_innen/ erfolgreichen Vietnames_innen in Deutschland (siehe Sarrazin) eine andere (Herkunfts-)Kultur als die erfolgreichen/ erfolglosen in den USA (siehe Chua und Rubenfeld)?

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Montag, 10. März 2014
Asiatische Gesichtszüge
Ein österreicher Pass. Ein italienischer. Männer mit asiatischen Gesichtszügen. Wie konnten die mit den Pässen durch die Kontrolle kommen, fragen die Medien.

Philipp Rösler. Josef Winkler. Mein Vater. Mein Bruder. Ganz viele Freunde. Haben immer wieder Schwierigkeiten durch Grenzkontrollen zu kommen. Warum eigentlich, fragen die Medien kaum.

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