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Donnerstag, 18. Juni 2009
Gut zu Fuß
urmila, 21:42h
Ein schönes Büro habe ich hier bekommen. Oben auf einem Berg. Direkt unterm Dach. Sagenhafter Ausblick über Tübingen. Wirklich schön - wenn frau gut zu Fuß ist. Den Berg rauf ist schon anstrengend. Ob es einen Bus gibt, weiss ich gar nicht. Und dann noch die ganzen Treppen. Einen Aufzug gibt es nicht.

Gefragt hat mich vorher keine, ob das für mich ok ist. Und für mich ist es ja auch ok (bzw. ein Fitnessprogramm, das mir nicht schaden kann). Aber woher wussten die Organisator_innen das denn? Die Annahme ist wohl, dass Menschen, die nicht den Körpernormen entsprechen, weil sie z.B. nicht so gut zu Fuß sind, das von sich aus ansprechen. Machen sie vermutlich auch, weil sie wissen, dass die anderen nicht von sich aus so weit denken. Die Norm ist zu stark und unreflektiert.

Gefragt hat mich vorher keine, ob das für mich ok ist. Und für mich ist es ja auch ok (bzw. ein Fitnessprogramm, das mir nicht schaden kann). Aber woher wussten die Organisator_innen das denn? Die Annahme ist wohl, dass Menschen, die nicht den Körpernormen entsprechen, weil sie z.B. nicht so gut zu Fuß sind, das von sich aus ansprechen. Machen sie vermutlich auch, weil sie wissen, dass die anderen nicht von sich aus so weit denken. Die Norm ist zu stark und unreflektiert.
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Mittwoch, 17. Juni 2009
Interkulturelle Missverständnisse
urmila, 01:48h
Seit gestern sind eine weitere Berliner Wissenschaftler_in und ich für einen Forschungsaufenthalt in Tübingen. Unsere studentische Hilfskraft erzählte etwas von Verbindungen. Und meine Kolleg_in übersetzte sich das mit AStA oder so was ähnlichem. Klarer Fall von interkultureller Verständnisschwierigkeit. Wie sollte die Berliner_in auch die seltsamen Gebräuche an schwäbischen Universitäten kennen?
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Montag, 15. Juni 2009
Alltägliche Ausgrenzungserfahrungen
urmila, 02:01h
Im taz-Interview erzählt ein Mensch mit deutschen Pass, der physiognomisch vom fiktiven Standard-Deutschen abweicht, über seine alltäglichen Rassismuserfahrungen.
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Montag, 15. Juni 2009
Erfolgreich ausgegrenzt
urmila, 01:58h
Seit Jahren sind Politiker_innen in Deutschland damit beschäftigt, die Einbürgerungsmöglichkeiten einzuschränken. Jetzt zeigen sich die Erfolge: die Zahl der Einbürgerungen geht zurück.
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Abschieben auf diverse Arten
urmila, 01:56h
In Berlin hatten ein paar Roma-Familien im Görlitzer Park 'gewohnt', konnten dann vorübergehend in Bethanien unterkommen, habe eine Kirche in der Wrangelstrasse besetzt und wurden dann im Lager in der Motardstrasse untergebracht. Es gab einige Unterstützer_innen, die versuchten ihnen eine Aufenthaltsmöglichkeit in Berlin zu erkämpfen. Das Land Berlin aber wollte die ungewünschten EU-Staatsbürger_innen möglichst schnell wieder loswerden. Ihnen wurde Geld dafür gegeben, dass sie die Stadt verlassen und die die trotzdem bleiben sind wieder ohne Ressourcen und Unterkunft. Währenddessen sollen Sicherheitsbeamte der BVG Roma rassistisch beleidigt und verprügelt haben (Polizei und BVG widersprechen dieser Version).
Während der Staat im Falle der Roma kreative Lösungen zum Loswerden finden musste, da er EU-Staatsbürger_innen nicht abschieben kann, fand eine Massenabschiebung nach Vietnam statt. Auch dort konnten die Unterstützer_innen nur für Öffentlichkeit aber nicht für eine Änderung der menschenverachtenden Politik sorgen.
Derweil läuft die Bleiberechtregelung für Geduldete aus. Insbesondere CDU-Politiker_innen äußern öffentlich, dass die Würde von Geduldeten durchaus antastbar ist. Abschreckung geht über alles.
Im taz-Interview kritisiert Yonas Endrias, dass Berlin zuwenig im Kampf gegen Diskriminierung und Rassismus tut.
Während der Staat im Falle der Roma kreative Lösungen zum Loswerden finden musste, da er EU-Staatsbürger_innen nicht abschieben kann, fand eine Massenabschiebung nach Vietnam statt. Auch dort konnten die Unterstützer_innen nur für Öffentlichkeit aber nicht für eine Änderung der menschenverachtenden Politik sorgen.
Derweil läuft die Bleiberechtregelung für Geduldete aus. Insbesondere CDU-Politiker_innen äußern öffentlich, dass die Würde von Geduldeten durchaus antastbar ist. Abschreckung geht über alles.
Im taz-Interview kritisiert Yonas Endrias, dass Berlin zuwenig im Kampf gegen Diskriminierung und Rassismus tut.
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Donnerstag, 4. Juni 2009
Konfrontativ
urmila, 03:04h
Eigentlich habe ich nur eine Beobachtung verbalisiert und einen Bezug zu gesellschaftlichen Machtungleichheiten gezogen. Aber da es um die Frage von Gender ging und mein Publikum von sich selber überzeugt war, dass es ganz gleichberechtigt denkt und handelt, ist es an die Decke gegangen. Spannend welch kleine Formulierungen als absolut konfrontativ wahrgenommen werden. (Dabei kann ich noch ganz anders ... ;-) )
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Dienstag, 2. Juni 2009
Kolonialismus
urmila, 17:22h
Letzte Woche war ich auf einer Konferenz zu Jugend, Religion und Migration in Zürich. Schlaue Menschen haben da versucht, darzustellen wie zur Analyse dieses Themenkomplexes (post)koloniale Zusammenhänge betrachtet werden müssen. Einige der 'weißen' Wissenschaftler_innen konnten damit sehr wenig anfangen. Der schwarze Nachtpförtner in unserem Hotel hingegen hat bei einer unserer Diskussionen um 2 Uhr früh von sich aus den Bezug zum Kolonialismus gezogen. Ganz offensichtlich verfügt er über einen anderen Wissensschatz als einige der 'weißen' Wissenschaftler_innen.
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Absurde Argumentationen
urmila, 17:18h
Berlusconi vergleicht laut taz italienische Flüchtlingsunterkünfte mti Konzentrationslagern. Das ist aber keine selbstkritische Erkenntnis, die dazu führt seine Politik zu überdenken und Flüchtlinge menschenwürdig zu behandeln. Nein, er nimmt es als Legitimation, noch menschenunwürdiger zu handeln und die Flüchtlinge sofort nach Libyen abzuschieben.
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Montag, 18. Mai 2009
Massenabschiebung
urmila, 19:30h
In ihrem Artikel über die geplante Massenabschiebung nach Vietnam verpasst es Marina Mai in der taz sich kritisch mit der Abschiebungspraxis in der EU. Sie verharrt in kulturalistischen Zuschreibungen, was die Vietnames_innen so tun, und paternalistischen Empfehlungen, was für sie gut sei. Als Expert_innen zitiert sie die Polizei, deren Aufgabe es ist, Menschen, denen ein legaler Aufenthalt verwehrt wird, zu finden und abzuschieben, und reproduziert deren Argumentationslogik:
"Selbst bei der Polizei weiß man, dass man das Problem der vietnamesischen Migration nicht allein durch Polizeiarbeit und Abschiebungen in Griff bekommen kann."
Was genau ist das Problem der "vietnamesischen Migration"?
Dieser Artikel ist eine vertane Chance für die taz, sich kritisch mit Abschiebungen auseinander zu setzen. Dabei gebe es dazu einiges Potential in der Stadt. Am Wochenende war zum Beispiel die 9. Fachtagung gegen Abschiebehaft in Berlin, bei der u.a. auch über die drohende Massenabschiebung gesprochen wurde.
"Selbst bei der Polizei weiß man, dass man das Problem der vietnamesischen Migration nicht allein durch Polizeiarbeit und Abschiebungen in Griff bekommen kann."
Was genau ist das Problem der "vietnamesischen Migration"?
Dieser Artikel ist eine vertane Chance für die taz, sich kritisch mit Abschiebungen auseinander zu setzen. Dabei gebe es dazu einiges Potential in der Stadt. Am Wochenende war zum Beispiel die 9. Fachtagung gegen Abschiebehaft in Berlin, bei der u.a. auch über die drohende Massenabschiebung gesprochen wurde.
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Indisch und italienisch
urmila, 19:19h
In seiner Wahlberichterstattung über Indien fügt Sascha Zastiral natio-ethno-kulturelle Festschreibungen ein, deren Sinn mir schleierhaft bleiben.
Im Artikel über den Wahlsieg der Kongresspartei schreibt er von "indisch-lautstark"em Jubel. Wie unterscheidet sich lautstark sein auf indisch von anderem lautstark sein? Sind alle Inder_innen lautstark? Ist lautstark in Indien immer gleich? Was haben wir von dieser Wortkonstruktion ausser dass es die Bilder evoziert, dass Inder_innen grundsätzlich und besonders lautstark sind (was natürlich Blödsinn ist).
Im Artikel über den Gandhi-Clan weist Zastiral darauf hin, dass Sonia Ghandi "italienisch" sei und Indien ihr "Gastland" (auch wenn die taz beim zweiten Zitat statt Sonia Indira schreibt - schlecht lektoriert). Sonia Gandhi ist in Italien geboren, hat die indische Staatsbürgerschaft und lebt seit über 40 Jahren in Indien. Wieso muss Zastiral es den Hindu-Nationalist_innen gleich tun und sie des Landes verweisen, in dem sie den größten Teil ihres Lebens gelebt hat?
Im Artikel über den Wahlsieg der Kongresspartei schreibt er von "indisch-lautstark"em Jubel. Wie unterscheidet sich lautstark sein auf indisch von anderem lautstark sein? Sind alle Inder_innen lautstark? Ist lautstark in Indien immer gleich? Was haben wir von dieser Wortkonstruktion ausser dass es die Bilder evoziert, dass Inder_innen grundsätzlich und besonders lautstark sind (was natürlich Blödsinn ist).
Im Artikel über den Gandhi-Clan weist Zastiral darauf hin, dass Sonia Ghandi "italienisch" sei und Indien ihr "Gastland" (auch wenn die taz beim zweiten Zitat statt Sonia Indira schreibt - schlecht lektoriert). Sonia Gandhi ist in Italien geboren, hat die indische Staatsbürgerschaft und lebt seit über 40 Jahren in Indien. Wieso muss Zastiral es den Hindu-Nationalist_innen gleich tun und sie des Landes verweisen, in dem sie den größten Teil ihres Lebens gelebt hat?
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Foto: © Anke Illing

