Dienstag, 24. April 2007
Schaebig
Ich bin eigentlich keine grosse Fan von Feridun Zaimoglu, aber was er im Interview mit der taz sagt, gefaellt mir:

"Bei der Konferenz wird der Islam in zwei Lager geteilt. Es gibt die Konservativen Muslime - die Bösen -, und es gibt die Islamkritikerinnen - die Guten. Die diskutieren über junge, muslimische Frauen, die freiwillig ein Kopftuch tragen. Aber mit den Kopftuchträgerinnen redet keiner. Das ist finde ich schäbig."

Nachtrag 26.04.07: Es tut sich was. Ob das allerdings, das schaebige Verhalten beenden wird, bezweifele ich.

Nachtrag 14.03.08: Die taz berichtet: "Der Platz des Schriftstellers Feridun Zaimoglu, der für eine kopftuchtragende moderne Muslima auf seine Teilnahme verzichtet hat, ist noch immer frei."

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You, du und Sie
Das Seminar wurde in Englisch durchgefuehrt, damit ich alles verstehen kann. Da wurde selbstverstaendlich "you" und der Vorname benutzt. Im Norwegischen waere es "du" und Vorname. Daran habe ich mich schon gewoehnt. Aber kaum spreche ich mit dem einen Professor in Deutsch, falle ich ins "Sie" zurueck und er natuerlich auch. Dabei werden wir uns sicher mit Vornamen ansprechen. Oder?

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Montag, 23. April 2007
Personal number
Ein Bankkonto kann ich nur eroeffnen, wenn ich eine Personal number habe. Zum Registrieren einer Handynummer brauche ich meine Fødselsnummer. Ich vermute beide sind das gleiche. Im Fakultaetssekretariat wissen sie auch nicht wirklich, wo ich als Auslaenderin diese Nummer bekomme. Eigentlich beim Einwohndermeldeamt ...

Ich erinnere mich, dass ich beim Surfen ueber die Seite die offizielle Seite Norwegens in Deutschland nach vielem Rumclicken und planlosen Suchen Bestimmungen zum Aufenthalt von EU-BuergerInnen gefunden hatte:

"Wenn Sie länger als drei Monate lang in Norwegen bleiben möchten, brauchen Sie eine Aufenthaltserlaubnis. Der Antrag kann nach der Einreise in Norwegen gestellt werden. Die zuständige Behörde ist die zentrale Ausländerbehörde (Utlendingsdirektoratet) in Norwegen; den Antrag stellen Sie bei der örtlichen Polizei (Politikammer) in Norwegen."

Wenn das doch meine persoenliche Nummer waere!


Vielleicht bekomme ich dann ja eine Personal number. Also frage ich, wo die Polizei ist. Mache vorsichtshalber eine Kopie meiner Stipendienzusage und drucke die zwei Jahre alte Einladung (die ich fuer die Beantragung des Stipendiums gebraucht habe) aus. Den Pass nehme ich vorsichtshalber auch mit und mache mich heute morgen relativ frueh auf den Weg.

Antrag auf Aufenthaltsgenehmigung


Ich muss zum Alien Office. Da ist es voll, ueberall stehen Leute rum. Ich muss eine Nummer ziehen, brauche etwas bis ich mich orientiert habe, finde aber doch das Wartezimmer und dort die Antraege fuer eine Aufenthaltsgenehmigung (auch in Englisch!). Ich fuelle sie meine Sachen auf dem Schoss balancierend aus. Wo mache ich das Kreuz fuer Gastwissenschaftlerin? Mist, ich brauche ein neues Passfoto. In meinen Sachen finde ich noch eines von denen, die ich fuer mein australisches Visa machen musste. Glueck gehabt. Da hatte ich ueberhaupt nicht dran gedacht. Diesmal muss ich nicht angeben, ob ich HiV/AIDS habe, nur ob ich vorbestraft bin.

Wurde ich schon ein mal verurteilt?


Der Raum ist voll mit wartenden Menschen, an zwei Fenstern werden wir bedient, die Nummern erscheinen auf Displays. Mir ist unwohl zumute. Das ist keine schoene Atmosphaere. Dabei weiss ich von der offiziellen Seite:

"Sie haben - in der Regel - Anspruch auf eine Aufenthaltserlaubnis, wenn Sie Ihren gültigen Reisepaß oder Personalausweis vorlegen und nachweisen, daß Sie ausreichende finanzielle Mittel für den Lebensunterhalt zur Verfügung haben bzw. in Norwegen verdienen werden. "

Das kann ich nachweisen. Also duerfte es fuer mich als priviligierte Auslaenderin eigentlich kein Problem sein. Das australische Visa habe ich ja auch anstandslos bekommen. Aber wohl ist mir trotzdem nicht. Habe ich das Formular richtig ausgefuellt, ist das Passfoto zu alt, habe ich alle Unterlagen, ...? Wie lange wird es dauern? Bekomme ich meine Nummer, damit ich endlich Konto und Handy beantragen kann.

Die Frau ist freundlich, spricht selbstverstaendlich mit mir Englisch. Mir fehlt ein offizielles Schreiben der Uni. Aber sie leitet mich trotzdem weiter an die Case Worker, da ich die Unterlagen vielleicht per Fax nachreichen kann. Wieder Warten. Aber nicht lange. Um 10.00 Uhr hat sich das Wartezimmer ziemlich gelehrt.

Die US Amerikanerin vor mir packt ihre Sachen zusammen und geht zur Case Worker. Ihre kleine Tochter fragt: "Where are we going? Where are we going? Why?" Das wuerde ich auch gerne wissen.

Die Case Worker ist auch freundlich. Sagt mir, dass das offizielle Schreiben fehlt. Ich frage, ob ich trotzdem meine Sachen einreichen kann und das Schreiben faxen. Sie meint das ist moeglich, macht eine Kopie meines Personalausweises, nimmt das Passfoto und schreibt die Faxnummer auf.

Ich frage, ob ich dann die Personal number bekomme (alles weiter in Englisch, das sollte ich mich mal in einer deutschen Behoerde trauen). Nein, die bekomme ich nicht. Die gibt es vom Einwohnermeldeamt, wenn ich die Aufenthaltsgenehmigung habe. Ich werde also noch etwas auf das Bankkonto und das Handy warten muessen.

Einen Brief muss ich noch zur Post bringen. Auch hier muss ich eine Nummer ziehen und warten. Eigentlich ein gutes System. Aber es erinnert mich zu sehr an die Auslaenderbehoerde. Mir wird wieder mulmig.

Nachtrag am gleichen Tag: Die Nummer brauche ich uebrigens auch, um meinen eigenen Internetzugang an der Uni zu bekommen ....

Ohne diese 11stellige Nummer ist frau kein Mensch in Norwegen. Zumindest keine, die kommunizieren darf.

Hier geht es weiter.

Nachtrag 25.05.07: Seit heute habe ich eine D-Nummer und ein Bankkonto. Hat ja gar nicht so lange gedauert ....

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Samstag, 21. April 2007
Faszination Kanibalismus
Die taz hat einen Reiseteil. Da berichtet sie heute von Fidschi. Warum geht es dabei vorallem um Kanibalismus? Weil EthnologInnen bei der Konstruktion des Fremden darueber so gerne berichten? Um Fidschi exotischer zu machen? ...

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Filbinger, Oettinger, Weikersheim ....
Oettinger hat sich inzwischen entschuldigt fuer seine Absolution Filbingers. Das tut ein Politiker nur, wenn das Wasser im bis zum Halse steht. Nun musste er sich, wie die taz berichtet, auch von dem Studienzentrum Weikersheim distanzieren, da das zu sehr in der Naehe der Rechtsextremen steht. Andere CDU-Politiker scheint das noch nicht zu stoeren. Sind ja alles Ehrenmaenner.

Interessant auch das Interview mit dem Politikwissenschaftler Wolfgang Gessenharter:

taz: "Wo verläuft die Trennlinie zwischen rechtskonservativen Demokraten und der Neuen Rechten?"

Gessenharter: "Das ist der Kampf um den Artikel eins des Grundgesetzes: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Die Neuen Rechte würde sagen: "Die Würde des Deutschen ist unantastbar."

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Norway
I am using a lot of English these days. I only understand few words of Norwegian and can say still fewer. But everybody can speak English around here. Even those, who say they can hardly. Quite a difference to Germany, where they actually cannot speak English, if they say so. But then on television English seems to be a standard language. Not only imported products are not dubbed, yesterday I even saw a Norwegian talkshow with Kofi Annan, which was held mainly in English (with Norwegian subtitles).

Lets see whether this will lead me to reactivate the English section of this blog.

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Norsk - Bericht
Norwegisch schreiben kann ich nach wie vor nicht. Aber Lorenz Khazaleh kann es und hat einen Bericht ueber meinen Vortrag in Oslo geschrieben.

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Freitag, 20. April 2007
Kanaken!
Das Hotel in Oslo bot kostenlosen Internetzugang an der Rezeption. Ein toller Service. So konnte ich meine mails checken, im Netz surfen, etc. Nur auf meinen Blog kam ich nicht:

Gesperrt wg. Kanaken

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Donnerstag, 19. April 2007
Zuwanderin
Vor zwei Tagen bin ich in Bergen angekommen. Meinem Wohnort fuer die naechsten sechs Monate. Norwegisch sprechen kann ich nicht, verstehen ganz wenig. Und ich trinke auch nicht. Also werde ich den Integrationstest 'gemeinsames Wochenendsaufen' auch nicht bestehen. Mal sehen, wie ich mich ansonsten integrieren werde. Eine Aufenthaltsgenehmigung muss ich mir auf jeden Fall besorgen. Sonst bekomme ich keine 'personal number' und ohne die bekomme ich kein Bankkonto. Und das waere doof. Also werde ich zur Polizei gehen, morgen wahrscheinlich.

Ich bemuehe mich auch, mich wieder mit der Welt zu vernetzen. Heute morgen war zwei Studen ein Techniker fuer den Internetanschluss da. Wir haben uns gut unterhalten (auf Englisch, das koennen hier alle), den Anschluss legen konnte er aber noch nicht. Altbau, fehlende Leitungen, ... Immerhin an der Uni habe ich inzwischen einen Internetzugang. Und irgendwie komme ich auch an ein Handy, auch wenn die Webseite nur in Norwegisch ist.

Ach ja, in der Uni Oslo gibt es selbstverstaendlich immer ein halales Essen. Da hat 'Deutschland' noch einiges aufzuholen.

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Donnerstag, 12. April 2007
Deutsche AuswanderInnen
Auch 'Deutsche' zieht es ins Ausland. Um mehr von der Welt zu sehen. Um mehr zu verdienen. Um einen besseren Lebensstandard zu erreichen. etc.

Die taz berichtet über 'Deutsche' in der 'Schweiz' und ihre Ausgrenzungserfahrungen. Einen Mediziner zitiert sie mit: "Wir sind die Polen der Schweiz." Ganz offensichtlich macht ihm zu schaffen, dass er nicht als Gleicher anerkannt wird, dass er fremd gemacht wird. Kein schönes Gefühl.

Wie einer 'PolIn' in 'Deutschland' ergeht es ihm allerdings nicht: "... er verdient als Deutscher so gut wie ein Schweizer, er arbeitet auch nicht auf einem Spargelfeld, sondern forscht an der Eidgenössisch Technischen Hochschule, er hat glänzende Aussichten". Das ist auch nach dem EU-Beitritt Polens für die meisten 'PolInnen' in 'Deutschland' nicht der Fall. Sie machen viel drastischere Ausgrenzungserfahrungen (sowohl institutionell wie individuell) als 'Deutsche' in der 'Schweiz'.

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Wurstspringen
mit Ausländern" nannte der Bundestagsabgeordnete Sebastian Edathy Anfang letzten Jahres das beständige Heraufsetzen der Hürden für jene, die sich einbürgern lassen wollen.

Das Spiel wird weiter gespielt. Jahrelang wurde gefordert, dass die 'Muslime' einen zentralen Ansprechpartner etablieren müssen, damit die 'weiße' Politik mit ihnen reden kann. Nun wurde ein Koordinierungsrat der Muslime gegründet und prompt hagelt es Kritik. Dieser Rat repräsentiere nicht alle 'Muslime' in 'Deutschland' (wie sollte er das auch können), vor allem nicht jene, die gar keine gläubigen 'Muslime' sind und nur von den 'Weißen' für solche gehalten werden (wie sollte er das auch können) und überhaupt.

Egal was die 'AusländerInnen'/ 'MuslimInnen'/ Rassifizierten machen. Der 'weißen' Gesellschaft wird es nie recht sein. Sie wird die Würste immer noch ein Stück höher ziehen und beklagen, dass die 'Geanderten' nicht die Kriterien erfüllen. Und so die eigenen Privilegien sichern.

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Mittwoch, 4. April 2007
Propagandafilm
"Wichtig ist das Bild, das beim Zuschauer erzeugt wird. Eine kleine Truppe Spartaner verteidigt Europa vor dem Reich des Bösen: Persien. Diese kleine Truppe verkörpert eine Sammlung westlicher Ideale: demokratisch, freiheitsliebend, edel, aufopferungsvoll und so weiter. Dabei sehen sie aus wie die "California Dream Boys" und kleiden sich auch so."

schreiben Pouyeh Ansari und Patrick Hemminger in der taz über einen neuen Film aus den USA und ergänzen später noch:

".... Spartanerkönigin Gorgo ... hält vor einer nicht näher erläuterten Ratsversammlung eine Rede, und an dieser Rede sind drei Dinge bemerkenswert. Erstens existiert sie nicht in der Comicvorlage. Was aber nicht verwundert, weil sie, zweitens, für die Geschichte komplett irrelevant ist. Und drittens enthält diese Rede alles, was ein amerikanischer Neo-Con auch sagen könnte. Gorgo beklagt die fehlende Unterstützung an der Heimatfront, schwärmt von Freiheit, die verteidigt werden müsse, und schwadroniert über Mütter, die ihre Söhne im Krieg verlieren."

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