Freitag, 27. Oktober 2006
Empörte AustralierInnen
Die taz berichtet heute:

"Frauenfeindliche Äußerungen des höchsten muslimischen Geistlichen Australiens haben einen Sturm der Empörung ausgelöst. Scheich Taj al-Din al-Hilali hatte geschminkte und unverschleierte Frauen mit "unbedecktem Fleisch" verglichen und sie indirekt für eine mögliche Vergewaltigung selbst verantwortlich gemacht."

Und tatsächlich scheint das gerade das Themea (neben der Dürre) zu sein, dass die 'AustralierInnen' beschäftigt. Ich gehe mal davon aus, dass der Geistliche tatsächliche frauenfeindliche Bemerkungen gemacht hat (ich habe mir die Originalquellen nicht angesehen), aber es ist schon interessant wie darüber geredet wird. Frauenerniedrigende Bemerkungen kommen auch immer wieder von konservativen Politikern oder katholischen Geistlichen, bei denen wird dann aber nicht sofort eine Abschiebung gefordert. Diese Unterschiede legen nahe, dass es weniger um die Rechte von Frauen als um die Hetze gegen Muslime geht.

Das Klima in Australien ist ähnlich islamophob wie in Deutschland. Daher heisst eine Konferenz im Dezember auch Not another hijab row (Nicht noch eine Kopftuchdebatte), die sich etwas anders mit der Verschränkung von Rassismus, Gender und Religion beschäftigen will.

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Donnerstag, 26. Oktober 2006
Flammenbrot
In Sydney kann man in alle möglichen 'ethnischen' Restaurants gehen, darunter auch 'deutsche'.

Pure Bavarian Fun in Sydney

Das Löwenbräu liegt mitten im Touri-Zentrum. Die Kellnerinnen tragen ein an ein Dirndl erinnerndes Kleid mit Wanderschuhen. Die Kellner Lederhosen mit T-Shirts. Es gibt Bier, Bier, Schwarzwälder Kirschtorte, Knödel, Fleisch und als eine besonders beworbene Spezialität "Bavaria's Answer to Pizza":

Bavaria's Answer to Pizza

Nun muss ich zugeben, dass ich mich mit 'Bayrischem' recht wenig auskenne. Wenn ich bayrisches Flammenbrot nicht kenne, muss das also nichts heissen. Mich erinnert die Beschreibung aber doch eher an elsässischen Flammkuchen. Kennt sich da jemand besser mit aus?

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Mittwoch, 25. Oktober 2006
Mens toilet
auf einem australischen bahnhof

Dürfen hier Männer in Kleidern nicht aufs Klo?

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'Weiße' Geschichte - deutsche Version
Auch in Deutschland ist die Kolonialgeschichte im öffentlichen Straßenbild allgegenwärtig. Allerdings muss frau sich schon ein wenig mit ihr beschäftigt und sich sensibilisiert haben, um sie wahrzunehmen. Wer kennt heute denn noch Lothar von Trotha, der massgeblich am Völkermord an den Hereros beteiligt war?

Es gibt einige Initiativen, die gar nicht so heroische deutsche Kolonialgeschichte wieder sichtbar zu machen und gegen die Ehrung der Kolonisierer und die Reproduktion von Rassismen in Straßennamen etc. vorzugehen. In Berlin gibt es unter anderem eine Studierendenaktion zur Umbennenung der Mohrenstrasse.

In München will laut taz der Stadtrat die Von-Trotha-Strasse in Hererostrasse umbennennen, um an die Opfer zu erinnern.

Unter aktiver Teilnahme der CSU wehren sich jetzt AnwohnerInnen dagegen, unter anderem mit folgender Begründung:

"Die Hereros haben schließlich vor 200 Jahren in Namibia die dort lebenden Buschmänner massakriert, deswegen haben wir massive Bedenken gegen den neuen Namen", fasst Kronawitter die Meinung vieler aus München-Trudering zusammen.

Unglaublich!

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Dienstag, 24. Oktober 2006
'Weiße' Geschichte
Es tut sich was in Australien. Auf der Konferenz in Sydney gab es etliche gute (und auch ein paar schlechte) Vorträge über das Leben, die Unterdrückung und den Widerstand von 'Aborigines'. Auch im öffentlichen Raum gibt es immer mal wieder Hinweise auf sie. So zum Beispiel diese Gedenkplakette:

Erinnerung an Biddigal
<br />

Aber dominant ist im Straßenbild nicht die Erinnerung an jene, die hier lebten, bevor die 'weißen' KolonisatorInnen kamen. Dominant ist die Erinnerung an und die Ehrung von den letzteren.

discoverer of this territory

Cook war also der Entdecker dieses Landes. Das soll wohl bedeuten, dass er der erste 'Weiße' war, der hierher kam. Denn schon vor ihm hatten hier Menschenn gewohnt und dieses Land wohl auch schon vorher entdeckt. Aber in den Augen der KolonisatorInnen waren es halt keine Menschen, sondern 'Schwarze' und daher kann auch heute noch diese Statue in Sydney stehen. Und Hafenrundfahrten nach Cook benannt werden und .... Welch permanente Erinnerung an die rassisitsche Struktur der Gesellschaft.

Und es sind wahrlich nicht nur 'alte' Denkmäler, die diese reproduzieren. Auch bei den neueren passiert es immer wieder. In 'The Rocks', dem Teil Sydneys der als erstes von 'Weißen' angeeignet und besiedelt wurde, steht dieses Denkmal:

denkmal on the rocks

Auf dieser Seite sehen wir die 'Siedler' (inklusive Frau und Kind), das waren die letzten die kamen. Auf den anderen beiden Seiten sind die 'Soldaten' und die 'Strafgefangenen', die beiden Gruppen von 'Weißen', die als erste Australien zu ihrem Land gemacht haben. Aber so häufig ich auch um das Denkmal herumgegangen bin, diejenigen die dort wohnten, bevor Sydney zur Strafgefangenkolonie wurde, habe ich nicht gefunden. Ob die weggelassen wurden, weil sie die Ankunft der 'Weißen' nur kurz überlebt haben? Oder ob sie symbolisch im Sockel und unbenannt enthalten sind? Oder ob die KünstlerIn einfach nicht an sie gedacht hat?

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Montag, 23. Oktober 2006
Deutsche Unis für Deutsche
Mit den neuesten Vorschlägen für Studierendenvisa (siehe taz) wird die Internationalität deutscher Unis weiter beschränkt. Internationale Studierende (um die etwa der DAAD buhlt) werden sich nicht alles gefallen lassen.

Auch wenn sie sich leider recht viel gefallen lassen müssen, nicht nur in Deutschland. Ich habe schliesslich auch widerwillig den australischen Visaantrag ausgefüllt. Und da ich 'Deutsche' bin sogar erfolgreich.

Auf einer Konferenz erzähte mir hingegen eine indische Staatsbürgerin, dass sie kein Visa für einen Konferenzbesuch in den USA bekam, weil sie unverheiratet war. Und mit dieser Verweigerung war dann auch die Hoffnung auf zukünftige Visa dahin. Daher hat sie geheiratet. Ihren Freund, der in den USA lebt. Und diesesmal ein Visa für Ehefrauen beantragt. Das hat sie bekommen nachdem sie mit Fotoalben ihre 'traditionelle' indische Hochzeit beweisen konnte (sie durfte nicht gegen die 'Traditionen' verstossen, dann hätte sie kein Visum bekommen! Wenn das keine Essentialisierung ist.) Für Australien, wo sie promoviert, musste sie eine medizinische Überprüfung durchmachen, in der sie unter anderem gefragt wurde, ob sie schon mal abgetrieben hat.

Vielleicht lassen internationale Studierende sich doch alles gefallen. Viel Alternativen haben sie nicht, wenn sie an die hegemonialen Universitäten im Westen gehen wollen.

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Dienstag, 17. Oktober 2006
Beim Frühstück
In einem Hotel in Sydney: Eine Frau setzt sich zu mir an den Tisch. Ich denke, das könnte eine 'Deutsche' sein. Und stelle dann gleich in Frage, warum ich denn das denke. Schliesslich könnte sie auch von irgendwo anders sein. Nach einer Weile spricht sie mich an. In Englisch. Und etwas später fragt sie mich, ob ich 'Deutsche' bin. Wir reden weiter in Deutsch.

Warum habe ich sie für eine Deutsche gehalten? Lag es am Pullover? Am Haarschnitt? Am Verhalten? Ich weiss es nicht. Wie häufig liege ich mit der Vermutung richtig und wie häufig nicht?

Und spannend, dass sie mich auch als 'Deutsche' erkannt hat. Und das wohl bevor ich angefangen habe zu sprechen (meinem Akzent hört frau es ja schon an).

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Samstag, 14. Oktober 2006
Deutsch
Immer wenn ich im Ausland lebe, merke ich, wie 'deutsch' ich bin. 'Deutsch' natürlich nicht im Sinne von Blut oder Staatsbürgerschaft (da gibt es andere Orte, wo ich merke, dass irgendjemand meint, dass Blut oder Staatsbürgerschaft was mit 'Deutsch-Sein' zu tun haben). Ich meine 'Deutsch' im Sinne von Sozialisation, in dem was mir vertraut ist, das was ich für das 'Normale' halte und damit zur Norm mache. Dieses 'Deutsch-Sein' merke ich an dem, was mich irritiert: die Türschlösser, die Häuser, das Brot, die Begrüßungsformeln, der Verkehr, die Zeitungen, .... Ich finde es komisch, unpraktisch, seltsam, etc. was die 'AustralierInnen' so machen. Ich messe mit der 'deutschen' Norm und merke dadurch, dass ich hier fremd bin.

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