Donnerstag, 12. März 2020
Wenn das Virus näher kommt
Bis jetzt gehörte ich zu den Coolen. Wird schon nicht so schlimm werden. Macht mal nicht so eine Panik. Andere Dinge sind wichtiger. Zum Beispiel die tödliche Festung Europa.

Dann beschliesst der Berliner Senat und die Berliner Hochschulen Sofortmaßnahmen für die Berliner Wissenschaft gegen die Verbreitung des Coronavirus und auf einmal zieht mich der Strudel in die Hektik rein. Unsere Tagung im Juni müssen wir wohl absagen. Können wir sie verschieben? Was muss alles geregelt werden? Und wie läuft das mit der Lehre? Wie lässt sich digitales Lehren organisieren? In all den Fragen und der Hektik kann mensch ganz aufgehen. Auf einmal bin ich überrascht, dass die Konferenz in London im Mai stattfinden soll. Haben die noch nichts von Corona gehört?

Ein Wechselbad der Gefühle. Dabei geht es mir ziemlich gut. Es ist gerade vorlesungsfreie Zeit. Ich kann von zu hause arbeiten, werde bezahlt und die vorlesungsfreie Zeit ist sogar verlängert.

Ich verstehe schon, dass die Ausbreitung des Virus verlangsamt werden muss. Aber der totale Fokus darauf ist problematisch. Darüber werden andere Skandale vergessen. So brauchen auch die Geflüchteten am Mittelmeer eine Chance auf menschenwürdiges Leben. Bei ihnen geht es ganz unabhängig vom Virus um Leben und Tod.

Nachtrag 13.03.20: Die Europäische Ethnologin Alexandra Schwell spricht in einem Interview über die Emotionen rund um das Coronavirus.

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