Freitag, 29. Mai 2020
Rassismus in der DDR
"Schwarze Schwester Angela" - Die Solidaritätskampagne für Angela Davis in der DDR-Frauenzeitschrift Für Dich zwischen Identifikation mit antirassistischen Kämpfen und Leugnung von Rassismus in der DDR von Ilanga Mwaungulu

In der DDR war Rassismus weit verbreitet: Er durchzog alle gesellschaftlichen Bereiche, wirkte auf struktureller, ideologischer und individueller Ebene und äußerte sich in den unterschiedlichen Arbeits- und Lebensbedingungen von Migrant*innen und dominanzdeutschen, in Bildern vom 'Eigenen' und vom 'Anderen' sowie in verbaler und physischer Gewalt gegen Schwarze und PoC. Gleichzeitig sah sich die DDR als antirassistische Gesellschaft. Auf der einen Seite war das eine Behauptung, Medien, Politik und viele Bürger*innen leugneten den Rassismus in der DDR. Auf der anderen Seite gab es auch eine
tatsächliche antirassistische Praxis: staatliche Institutionen und ein großer Teil der Bevölkerung unterstützten antikoloniale und antirassistische Kämpfe in anderen Ländern. Besonders die Solidaritätskampagne mit der US-amerikanischen Kommunistin, Antirassistin und Feministin Angela Davis hatte ein enormes Identifikationspotential. Die Arbeit untersucht das Verhältnis von ‚Internationaler Solidarität‘ und Rassismus anhand der
Solidaritätskampagne für Angela Davis in der DDR-Frauenzeitschrift Für Dich. Darin wurde Rassismus in der DDR geleugnet und das antirassistische Selbstbild bestärkt. Es finden sich aber auch Anknüpfungspunkte für eine kritische Thematisierung von Rassismus in der
DDR.

Jetzt online.

1 Kommentar in: lesen   ... comment ... link


Montag, 20. April 2020
Practising Partnership
Ich freue mich, dass die hervorragende MA-Arbeit von Anja Schwalbe "Practising Partnership. Making connections within a transnational education network" jetzt als Band 5 der Reihe "Berliner Abschlussarbeiten der Europäischen Ethnologie" erschienen ist.

Zum Inhalt:

Does a transnational cooperation project help overcome historical power relations when cooperating across borders and continents? Departing from this self-reflexive question articulated by a European education network striving at the time to expand its membership and become ‘more global’, this ethnographic study explores how exactly global cooperation comes about. Drawing on insights from the Ethnography of Infrastructure and Actor-Network-Theory, I examine the otherwise not-so-visible work practices of educators and administrators driving such a project forward – in this case study, an ERASMUS+ funded NGO project. I show how facilitators and administrators in the project are dealing with different kinds of invisible work when interacting with the frames set by funder’s rules, on one side, and each organisations’ administrative needs, on the other. As a crucial part of their involvement, practitioners have to tackle the recurring problem of establishing connection and staying connected. Based on these observations I analyse how the project as a form itself assists in making ‘the global’ through its own transient ways of connecting and disconnecting things, people and places. The project relates to partnership in a double sense: it represents a cooperation in itself and it is at the same time used as a vehicle to achieve the said. I suggest to call this the characteristic form of partnership-as-project in which inscriptions made in the past through budgets and proposals facilitate and simultaneously shape all efforts to cooperate as equals. This case study shows where and how (funding) infrastructures very concretely participate in constructing global relations, as they are entangled in the very historical structures that projects concerned with transnational cooperation seek to challenge.

0 Kommentare in: lesen   ... comment ... link


Samstag, 23. Juli 2016
Broschüre: Diskriminierungskritische Lehre
Die AG Lehre des Zentrums für transdiziplinäre Gender Studies der Humboldt-Universität zu Berlin hat gerade eine Broschüre zur Diskriminierungskritischen Lehre herausgebracht. Ich habe darin zu meinem pädagogischen Konzept der Fehlerfreundlichkeit geschrieben.

0 Kommentare in: lesen   ... comment ... link


Montag, 26. Oktober 2015
Dominanzkultur reloaded
Birgit Rommelspacher hat den Begriff der Dominanzkultur geprägt. Ihr ging es dabei darum zu beschreiben, wie Machtverhältnisse Gesellschaften prägen und Dominanzen hervorbringen. Auch wenn sich Rommelspacher dabei nicht auf das Wort Intersektionalität bezieht, ist es eine durch und durch intersektionale Perspektive, die sie dort entwickelt.

Anlässlich ihres 70. Geburtstages planten ihre Kolleginnen an der Alice-Salomon-Hochschule Iman Attia, Nivedita Prasad und Swantje Köbsell einen Sammelband Dominanzkultur Reloaded, zu dem sie Beiträge von Schüler_innen und Kolleg_innen von Birgit Rommelspacher einluden. Leider verstarb Rommelspacher noch vor ihrem Geburtstag, so dass der Sammelband nun ein Buch in ihrem Andenken ist.

Und das schafft Dominanzkultur Reloaded hervorragend. Aufgeteilt in die Abschnitte Dominanzkultur, Erinnerungskulturen, Menschenrechte intersektional, Asymmetrische Globalität, Dominanz und Diskriminierung im Kontext Sozialer Arbeit sowie Schweigen, Sprechen und Schreiben zeigt der Sammelband wie breit Rommelspachers Werk war und wie viele unterschiedliche Wissenschaftler_innen es inspiriert hat. Das Konzept der Dominanzkultur erlaubt es verschiedenste Bereiche machtkritisch zu denken. So beziehen sich die Beiträge des Sammelbands - so wie auch Rommelspachers Werk - auf Rasisismus, Antisemitismus, Disability Studies, Gender Studies, Intersektionalität und vieles mehr.

Für mich war es besonders spannend, mehr über Disablity Studies/ Ableism zu lesen, da ich mich damit bisher zu wenig auseinandergesetzt habe. Ich war beeindruckt, was Rommelspacher auch in diesem Bereich schon vorgedacht hat und habe einen guten ersten Einblick in das Feld bekommen.

So mag jede Leser_in andere Teile des Sammelbandes inspirierend finden. Auf jeden Fall aber ist es ein spannendes Buch, um sich mehr mit den Machtverhätlnissen, die die Gesellschaft durchdringen und gestalten, auseinanderzusetzen. Und es mag ein Anlass sein, nochmal bei Rommelspacher selbst nachzulesen.

Anmerkung: Das Buch wurde mir vom Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

0 Kommentare in: lesen   ... comment ... link


Freitag, 7. August 2015
Zwischenruf
Ich habe einen ersten Zwischenruf für das Gunda-Werner-Institut geschrieben. Zur Debatte um #merkelstreichelt.

0 Kommentare in: lesen   ... comment ... link


Freitag, 5. Juni 2015
Leseempfehlung: Havarie von Merle Kröger


Das Mittelmeer. Männer versuchen es in einem Schlauchboot zu überqueren. Auf der Suche nach einem besseren Leben. Das ist ein Erzählstrang von Merle Krögers neuem Roman „Havarie“ (ariadne kriminalroman).

Es geht aber nicht nur darum. Vielmehr bringt Merle Kröger in ihrem Roman verschiedene (Lebens)Geschichten zusammen. Es gibt kein einfaches Gut und Böse. Auch die Menschen auf dem Kreuzfahrtschiff, das auf das treibstofflose Schlauchboot trifft, die Besatzung eines Frachters, der in der Nähe fährt, und die Besatzung des Seenotrettungsschiffs, das die Schlauchbootfahrenden aufnehmen soll, sind komplexe Personen und haben ihre eigene Geschichten. Sie sind mehr als nur einfach reiche Reisende, proletarische Touristen oder privilegierte Schiffsoffiziere. Ihre Geschichten werden von Merle Kröger in den verschiedenen Erzählsträngen entwickelt und verwickelt. Die historischen Bezüge gehen dabei vom Halbmondlager (zu dem Philip Scheffner und Merle Kröger den Film Halfmoon Files gemacht haben) bis zu den kriegerischen Konflikten in der Ukraine und Syrien heute. Dabei entwickeln sich diese Geschichten organisch. Trotz ihrer Vielzahl werden es nicht zu viele.

Die meisten Charaktere haben dabei auch sympathische Züge. Nur Nike, der Sicherheitschef an Bord des Kreuzfahrtschiffs, wirkt durch und durch unsympathisch. Ein Vertreter der indischen Mittelklasse, ein BJP-Anhänger und in die Pogrome gegen Muslime in Gujarat 2002 verwickelt. Und mit Urmila verheiratet, die sich um Haus und Kinder kümmert. (Das hat durchaus Anklänge an die mythologische Urmila.)

Eine spannende Lektüre. Sehr zu empfehlen.

Und ich bin schon gespannt auf den Dokumentarfilm zum Thema. Denn ‚Havarie‘ ist wie ‚Grenzfall‘ die fiktive Verarbeitung von einem realen Fall, zu dem Philip Scheffner und Merle Kröger einen Dokumentarfilm gemacht haben (der Film „Revision“) bzw. machen.

0 Kommentare in: lesen   ... comment ... link


Montag, 9. Juni 2014
Veröffentlichtung zu Intersektionalität
In dem von Sara Poma Poma und Katharina Pühl herausgegebenenen Band Perspectives on Asian Migration - Transformations of Gender and Labour Relations ist ein Artikel von mir zu "Heteronormativität und Intersektionalität als Analyseperspektive auf Geschlecht und Migration: Krankenschwestern aus Indien in der BRD" (in Deutsch und Englisch) erschienen.

0 Kommentare in: lesen   ... comment ... link


Mittwoch, 28. Mai 2014
Publikation: Indian clubbing in Germany
Ganz neu erschienen:

"‘Indian’ clubbing in Germany – on the constructions of natio-ethno-cultural belongingness and otherness", in: Sylvia Hahn and Stan Nadel (eds., 2014), Asian Migrants in Europe - Transcultural Connections, Göttingen: V&R unipress.

Aus der Einleitung:

"In this article I take the social space ‘Indian’ clubs in Germany as the backdrop for my analysis. On the basis of interviews I then describe against that backdrop the perspectives of one person who falls in my category of ‘white women’ attending clubs, and of another, who I classify as an InderKind organising clubs. These two are not representatives of some (imagined) groups, but rather illustrate the complex perspectives of individuals on natio-ethno-cultural belongingness and otherness, which complicate straightforward ascriptions. In conclusion I look at the significance of female dress for natio-ethno-cultural belongingness as well as at non-binary ‘others’ and divisions within an imagined InderKinder ‘we’."

0 Kommentare in: lesen   ... comment ... link


Mittwoch, 8. Januar 2014
Neu erschienen: Indian transnationalism online
Vor zwei Jahren war ich auf einer Konferenz in Hyderabad zu "Indian transnationalism online". Jetzt ist das Buch zur Konferenz bei Ashgate erschienen (leider viel zu teuer).



In meinem Artikel "From the German Periphery" setze ich mit methodologischen Fragen von Migrationsforschung und virtuellen Ethnographien auseinander.

0 Kommentare in: lesen   ... comment ... link


Donnerstag, 15. August 2013
Neu Erschienen: Plädoyer für Ambivalenzen
Gerade habe ich ein Belegexemplar des Sammelbandes Migrationsforschungs als Kritik? Konturen einer Forschungsperspektive herausgegeben von Paul Mecheril, Oscar Thomas-Olalde, Claus Melter, Susanne Arens und Elisabeth Romaner bekommen. Mein Artikel darin heisst:

Ein Plädoyer für Ambivalenzen, Widersprüchlichkeiten und Mehrdeutigkeiten in der Rassismuskritik

Aus der Einleitung:

"Dieser Artikel stellt Fragen zu einigen von mir in der Verflechtung von rassismuskritischer Forschung und Praxis beobachteten Ambivalenzen, Widersprüchlichkeiten und Mehrdeutigkeiten und legt dabei einen besonderen Fokus auf deren produktives Potential für Rassismuskritik sowie eine rassismuskritische Migrationsforschung. Bevor ich dies anhand der drei Themenbereiche verflochtene Machtverhältnisse, Rassismusverständnisse und Zuordnungen aufzeige, werde ich meine theoretische Verortung darlegen. Der Beitrag schließt mit einem Plädoyer dafür, die aktive Auseinandersetzung mit Ambivalenzen, Widersprüchlichkeiten und Mehrdeutigkeiten als eine Möglichkeit zur Wissensgenerierung zu verstehen."

0 Kommentare in: lesen   ... comment ... link