Donnerstag, 17. Dezember 2015
YMS: Bloggen
#yms15 auf dem Computerbildschirm


Beim Young Media Summit Reloaded ging es inhaltlich natürlich um Soziale Medien bzw. noch spezieller ums Bloggen. Schliesslich haben die YMS als Blogger_innen-Treffen begonnen.

Eine Frage dabei war, was eigentlich Blogger_innen sind, was das Bloggen ausmacht. Einigkeit wurde darüber nicht hergestellt. Für manche waren jegliche schriftlichen Äußerungen online (egal ob bei FB, Twitter, in Foren oder auf einem Blog) bloggen. Andere suchten nach eine viel spezifischeren Definition. Sie wollten eine Einzigartigkeit von Bloggen erfassen (und ihre eigene Einzigartigkeit etablieren).

Für mich wurde im Rahmen der Diskussionen klar, dass wir alle über sehr unterschiedliche Dinge sprachen. Dabei war es nicht nur ein Unterschied, ob wir in Deutschland (in großer Sicherheit, mit weitgehender Meinungs- und Informationsfreiheit) bloggen oder in einem Land, das im Umbruch ist, das gerade eine Revolution durchmacht, das im Kriegszustand ist, das von einem Monarchen kontrolliert wird, etc. Gerade dort, wo Presse-, Informations- und Meinungsfreiheit stark eingeschränkt sind, übernehmen Blogger_innen Aufgaben, die in Deutschland eher den konventionellen Medien vorbehalten sind. In Deutschland stellen wir vielleicht auch Gegenöffentlichkeiten her, aber es geht weniger darum, überhaupt Informationen zu veröffentlichen.

Das war aber nicht der einzige Unterschied. Massiv unterscheiden sich die Blogs auch nach Zugriffszahlen. Manche haben Tausende von Zugriffen am Tag (oder noch mehr, jenseits meiner Vorstellungskraft?), während ich noch nicht mal meine Zugriffszahlen kenne, aber sicher bin, dass sie eher Zweistellig pro Tag sind. Was haben wir gemein?

So unterscheidet sich wohl auch die Motivation zu bloggen. Für viele war die Anerkennung durch Likes und Kommentare sehr wichtig. Andere wollten die Welt verändern. Ich schreibe mir vor allem Ärger von der Seele (und freue mich natürlich auch, wenn ich gelesen werde und Denkansätze anbieten kann).

Für mich ergibt sich dann natürlich auch nicht die Frage, ob ich mich für das Bloggen bezahlen lasse. Das hat mir noch niemand angeboten. Für andere war das aber durchaus eine Frage, insbesondere ob sie dann noch ihre Unabhängigkeit wahren können. Dies gilt vor allem für jene, die zuverlässige Informationen in Umbruchsituationen zur Verfügung stellen wollen.

Eine andere Frage, die diskutiert wurde, war, warum so viele aufgehört hatten zu bloggen. Viele der Anwesenden waren längst keine Blogger_innen mehr. Die Deutsche Welle als Organisatorin schien aber ein Interesse daran zu haben, dass (gerade die arabischen) Blogger_innen wieder anfingen.

Ein Diskussionstrang ging darum, dass FB und Twitter Blogs abgelöst haben und die Kommunikation jetzt dort stattfinde. Was von einigen negativ gesehen wurde, während andere das ok fanden.

Mir stellte sich dabei vorallem die Frage der (A)Synchronität von virtueller Kommunikation. FB und Twitter sind ganz stark auf Live-Berichterstattung, auf Kommunikation in Echtzeit ausgerichtet. Jetzt sofort sollen alle erfahren, was gerade passiert. Jezt sofort, will ich wissen, was passiert. So wurde auch zum YMS unter #yms15 getweetet.

Bloggen ist hingegen eine asynchrone Kommunikationsform. Zum einen braucht die Blogger_in etwas Zeit, um ihren Text zu verfassen. Das geht nicht mal eben nebenbei. Und dann ist der Blogbeitrag auch nicht darauf ausgerichtet, dass er sofort gelesen werden muss. Er ist in der Regel auch noch nach ein paar Tagen, vielleicht sogar Wochen und Monaten aktuell - und kann auch noch gefunden werden.

Das weniger gebloggt wird, scheint mir auch daran zu liegen, dass gerade die Echtzeit-Kommunikation viel mehr nachgefragt wird.

Mir ist das fremd. Die Tweets unter #yms15 fand ich überwiegend ganz überflüssig. Mich interessieren mehr Informationen, die schon etwas gereift sind und mehr Zusammenhänge herstellen können. Deshalb bin ich wahrscheinlich auch immer noch Blogger_in und tweete nicht.

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