Meine Verkehrserziehung würde sagen: Umschauen, die Hand raushalten und wenn Platz ist abbiegen. Das kann schon mal dauern und so bin ich es gewohnt auch mal länger am rechten Straßenrand zu warten bis denn eine ausreichend große Lücke im Autoverkehr kommt. Dass mir irgendwelche AutofahrerInnen die Vorfahrt lassen, damit rechne ich grundsätzlich nicht, auch nicht wenn ich mehrere Hundert Meter vor ihnen bin.
Also heute: Umgeschaut, am Rand gewartet, umgeschaut, eine Lücke gesehen, wenn auch relativ klein. Hand raus und rüber, dabei weiter umschauen. Der Wagen kommt verdammt schnell angerast und wird auch nicht langsamer, eher schneller. Also schnell wieder an den rechten Rand und fluchen. Die Ampel direkt vor uns ist rot, der Autofahrer muss halten, ich kann rüber auf die Abbiegespur.
Er lässt das Fenster runter: "Das ist eine Fahrbahn für Autos!" Wie bitte schön? Wo hat der Herr denn seinen Führerschein gewonnen? Ich entgegne, dass es eine Fahrbahn für Autos und Fahrräder sei (eine Rad- oder Busspur gibt es hier nicht). Also verlegt er sich darauf, mir zu sagen, ich hätte gucken sollen. Ich halte weiter dagegen und bekomme glücklicherweise Unterstützung von der Radfahrerin, die am rechten Rand vor der Ampel steht. Der arme Autofahrer ist offensichtlich ziemlich verwundert über mein Einfordern von Rechten und wirft mir ein "Bist Du tot, oder was?" entgegen.

Glücklicherweise nicht. Ich habe mich ja umgeschaut und bin früh genug zurückgeschwenkt. So hatte ich mehr Glück als die Fahrradfahrerin von der yeahpope berichtet. Die war tatsächlich tot und konnte sich mit dem LKW-Fahrer, der sie übersehen hat (nicht hingeguckt hat, keine ordentlichen Spiegel an seiner Mordmaschine hatte), kein Wortgefecht mehr leisten.
Und das sind keine Einzelfälle. Wie yeahpope bin ich viel mit dem Rad in Berlin unterwegs. Es ist völlig normal, dass mir die Vorfahrt genommen wird, dass mein Weg voll geparkt ist, dass ich viel zu knapp und zu schnell überholt werde, dass ich knapp und schnell geschnitten werde, dass ich angehupt und ausgeschimpft werde oder mir der Vogel gezeigt wird, weil ich meine Rechte einfordere.

Angefahren bin ich letztes auch worden, Mitten auf einer Kreuzung, ich hinter einem anderen Auto stehend und wartend darauf, dass wir links abbiegen können. Der Fahrer hinter mir muss geschlafen haben, wie sonst konnte er auffahren? Er hat kurz entschuldigend die Hände gehoben und ist davon gefahren, während ich am Straßenrand überprüfte, ob mein Fahrrad beschädigt ist. So schnell konnte ich meine Kamera gar nicht mehr zücken, um den Wagen noch zu fotografieren.
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Laut tagesschau.de lässt die niedersächsische SPD-Landtagsfraktion prüfen, ob Hitler posthum die Staatsbürgerschaft entzogen werden kann:
"Mit einem solchen symbolischen Akt könne man aber deutlich machen, dass man die damalige Entscheidung des Landes Braunschweig missbillige."
Was wäre denn gewesen, wenn er nicht eingebürgert worden wäre? Wäre dann alles gut gewesen? Hätte es dann den Nationalsozialismus in Deutschland nicht gegeben?
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Als Wissenschaftlerin muss ich publizieren. Und das nicht nur auf meiner Webseite sondern vor allem in anerkannten Zeitschriften und wissenschaftlichen Büchern. Und da mache ich immer wieder augenöffnende Erfahrungen. Die schockierendste war sicher als mein Text unauthorisiert inhaltlich verändert wurde. Seitdem bestehe ich darauf, dass ich die Druckversion authorisiere. Und bekomme immer wieder interessante Versionen meiner Texte wieder.
Das wichtigste bei einer Veröffentlichung scheint die Normierung zu sein. Der Verlag oder die HerausgeberInnen entscheiden, wie ein Text auszusehen hat und damit hat sich das. Da wird dann vorgegeben, dass in amerikanischen Englisch zu schreiben ist, obwohl es in dem Sammelband gerade gegen die US-amerikanische Standardisierung von Wissenschaft geht. Oder das Wort 'belongingness' wird abgelehnt, weil es das im Standard-Englisch nicht gibt. Aus 'ethnisiert' wird 'ethnisch'. Und die ganzen vielen Anführungsstriche müssen sowieso weg, weil die den Text so unschön machen.
Was glauben denn all die LektorInnen? Dass ich den Text mal eben so hingeschmiert habe und jedes zufällig vorbeikommende Wort genommen habe? Warum ist es so schwer verständlich, dass meine Sprachwahl durchaus bewusst ist? Dass ich Irritationen bei den LeserInnen bewusst provoziere? Und das ihre Sprachwahl die objektiv richtige und schöne ist?
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Nur wimmelt es in dem Buch nur so von Rassismen und Essentialismen, wie die 'Türken', die 'Schwarzen' und so so sind. Die 'Weißen' wurden selbstverständlich nicht so charakterisiert und als ein US amerikanischer 'Schwarzer' alle 'Weißen' verallgemeinert, findet dass die 'schwarz-weiß-karierte' Jane gar nicht gut und kehrt zu den guten 'Weißen' zurück.
Jane hat laut Buchtitel 'schwarze Haut - weißes Feeling'. Was das wohl heißt? Und wie werden daraus Karos?
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Besonders ist auch nicht, dass die taz berlin sich wieder mit den Begrifflichkeiten schwer tut: "ausländerfeindlich", "türkisch", "in Berlin lebender Landsmann", "Türken", "dunkelhäutiger". Die Opfer werden auch im Bericht als Andere markiert, außerhalb Deutschlands verortet. Die Täter bleiben unmarkiert. Von Rassismus und Antiislamismus wird nichts geschrieben.
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Muñoz hat nun seinen vorläufigen Bericht vorgelegt und kritisiert nach wie vor Menschenrechtsverletzungen im deutschen Schulsystem. Laut taz werden "Seine wichtigsten Kritikpunkte ... von Bildungsforschern durchgehend bestätigt." Das macht den 'deutschen' PolitikerInnen aber nach wie vor nichts aus, sozum Beispiel : "Saarlands Bildungsminister Jürgen Schreier (CDU) sagte der taz, Muñoz ziehe nicht die richtigen Schlussfolgerungen aus seinem Besuch. "Die Einschätzung, das deutsche Bildungssystem verletzte das Recht auf Bildung, ist subjektiv und sie ist falsch", meint Schreier.
Muñoz selbst nimmt die Vorwürfe gelassen. Dass Länder, die Menschenrechte verletzen, an den Berichten der Vereinten Nationen herumdoktern wollen, ist für ihn Routine."
Nachtrag 22.03.07: Und die Deutschen sind immer noch beleidigt:
"Der saarländische Kultusminister Jürgen Schreier (CDU) wies empört zurück, "dass Herr Muñoz so tut, als würden hierzulande Menschenrechte verletzt. Das deutsche Bildungssystem ist kein Fall für amnesty international.""
und stampfte trotzig mit dem Fuß auf den Boden.
Nachtrag 21.02.08: Wie die taz berichtet, ist Muñoz dieser Tage wieder in Deutschland und wartet immer noch auf eine Antwort.
Nachtrag 19.03.08: Noch ein ausführlicher taz-Artikel über die fehlenden deutschen Konsequenzen auf den Bericht des UN-Sonderbotschafters.
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Einen besseren Begriff konnte ich ihm auch nicht anbieten (obwohl er das gerne wollte), denn es gibt keine richtigen, objektiven, unbelasteten Begriffe. Die von uns gewählten Begriffe sind immer kontextualisiert zu verstehen und tragen eine jeweils bestimmte Bedeutung. Die Begriffe, die ich benutze, erwachsen aus meiner Beschäftigung mit Rassismus(theorien). Das ist nicht die Welt meines Bekannten und meine Begriffe passen (zumindest zur Zeit) nicht zu seinem Denken und damit seinem Wortschatz.
Beeindruckt war ich aber, wie er in weitgehender Unkenntnis von Rassismustheorien und Kritischer Weißseinstheorie das Privileg des Unmarkiertseins benannt hat. Der Begriff Migrationshintergrund bezeichnet wieder nur die 'Anderen' und lässt die anderen, die implizite Norm, die 'Weißen' unbenannt. Natürlich würde keine von Eingeborenenhintergrund reden. Das ist selbstverständlich. Und würde zu sehr zeigen, dass Migrationshintergrund kein neutraler Begriff ist, sondern eine essentialisierende und ausgrenzende Kategorie schafft.
Und für die Integrationsdebatte brauchen wir genau diese scheinneutrale Differenzierungen zwischen 'uns' und den 'anderen'.
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In Treptow bekamen so einige der kolonialen Motive Kommentare:


PS: Auch yeahpope berichtet immer mal wieder über adbusting.
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Foto: © Anke Illing

