Donnerstag, 7. Mai 2015
Ausschluss von Bildung
Das deutsche Schulsystem ist ausgrenzend. In vielerlei Hinsicht. Menschen mit dem sogenannten Migrationshintergrund (in Berlin auch mit dem Symptom NDH - nicht deutsche Herkunftssprache - diagnostiziert) wurden und werden immer wieder Bildungsmöglichkeiten verwehrt. Viele Biographien von erfolgreichen MmMs erwähnen eine Hauptschulempfehlungen und wie schwierig und zufällig es war, doch noch das Abitur machen zu können. Die taz veröffentlichte jetzt einen Artikel über ein Arbeiterkind, dem auch Bildung verweigert werden sollte. Trotzdem ist aus Marco Maurer Journalist geworden und er hat ein Buch über diesen Ausschluss geschrieben.

Es gibt diverse Ausschlussmechanismen von Bildung in Deutschland. Neben Klassismus und Rassismus gehören dazu unter anderem auch noch Ausgrenzungen augrund von zugeschriebener Behinderung. Häufig sind diese Ausschlüsse auch miteinander verflochten. So ist Rassismus häufig mit Klassismus verbunden.

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Donnerstag, 19. Februar 2015
Berlinale: (Ober)Klasse
Berlinale Q&A Meurtre a Pacot


Der Spielfilm Meurtre a Pacot von Raoul Peck beobachtet ein reiches Ehepaar nach dem Erdbeben in Haiti. Ihre Villa ist beschädigt, sie leben im Zimmer des Dieners, müssen an einen weißen NGO-Mitarbeiter vermieten, um die Reparaturen zu bezahlen. Ein Kammerspiel vor der Villa in dem die vormals Mächtigen mit ihrem Schicksal hadern und am Ende die Frau aus einfachen Verhältnissen tot ist. Beeindruckend.

Ein Nebenschauplatz: Das reiche Ehepaar hat sich im Ausland kennen gelernt. Die Ehefrau ist dort aufgewachsen und spricht nachts auch mal Deutsch. Gespielt wird die Ehefrau von Ayo.

Berlinale Q&A Necktie Youth


Der südafrikanische Spielfilm Necktie Youth von Sibs Shongwe-La Mer hingegen betrachtet die reiche Jugend im Post-Apartheits-Südafrika. Ihr Leben scheint bestimmt von Leere, Drogen, nicht miteinander Reden. Schwarze Männer, weiße Frauen, weiße Männer gemeinsam und auch mal gegeneinander - nur schwarze Frauen kommen kaum vor. Rassismus spielt noch eine Rolle, aber diffus. Klassengegensätze sind gravierend.

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Mittwoch, 10. April 2013
Existenzminimum
Der Hartz IV-Satz soll das Existenzminimum gewähren. Allerdings scheint der Staat nicht allen Menschen in Deutschland die Existenz sichern zu wollen. Asylbewerber_innen müssen mit weniger zurecht kommen. Und Hartz IV-Bezieher_innen sollen auch noch mehr sanktioniert werden wie z.B. die taz berichtet. Krankmeldungen sollen stärker überprüft werden und wenn sie nicht gerechtfertigt sein sollen, dann der Hartz IV-Satz gekürzt werden.

Die ganze Verwaltung, Disziplinierung und Kontrolle von Hartz IV-Bezieher_innen kostet viel Geld und sichert viele Arbeitsplätze. Ob sie dazu führt, dass mehr Hartz IV-Bezieher_innen Arbeitsplätze finden, bezweifele ich. Das weniger Menschen Hartz IV beantragen, um sich nicht der Demütigung auszusetzen, weiss ich. So spart der Staat natürlich Geld. Ein höchst unmenschliches System, dass auf einem sehr negativen Menschenbild aufbaut.

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Samstag, 26. Januar 2013
Willkommen
Die taz berichtet über die 'Welcome Center' für erwünschte Migrant_innen und zitiert die Migrationsbeauftragte der Bundesregierung:

"Als die Migrationsbeauftragte der Regierung, Maria Böhmer (CDU), im vergangenen Sommer Hamburg besuchte, lobte sie das Konzept in den höchsten Tönen. Dass sich hoch qualifizierte Migranten in Hamburg nicht mehr an herkömmliche Ausländerämter wenden müssen, zeige, dass Deutschland „jeden willkommen heißt, der sich bei uns einbringen möchte“. "

Das ist zum einen das Eingeständnis, dass die 'herkömmlichen Ausländerämter' alles andere als willkommen heißend sind. Zum anderen zeigt es ein seltsames Menschenbild, in dem 'sich einbringen' allein daran gemessen wird, ob jemensch ein Jahreseinkommen von mehr als 30.000 € sicher erzielen wird.

Die taz berichtet aber auch davon, dass es in Deutschlands Behörden auch andere Ansätze gibt:

"Die Stadt Wuppertal sieht das anders. Dort wurde die Ausländerbehörde schon vor vielen Jahren von einem Ordnungsamt zur „Integrationsbehörde“ umgewandelt, die mit Migrantenverbänden und dem Jobcenter zusammenarbeitet. Sie vermittelt Sprachkurse und Freizeitangebote, sogar Wohnungen an Flüchtlinge. „Rundum-Betreuung“, nennt das ihr Leiter Hans-Jürgen Lemmer. "

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Freitag, 4. Januar 2013
Prekäre Selbständige
Immer wieder wird von Erwerbslosen gefordert, initiativ zu sein, sich zu engagieren, etwas dazu beizutragen, dass sie wieder Geld verdienen wollen.

Gleichzeitig soll alles ganz billig sein (oder zumindest ganz vieles - es gibt auch Bereiche, da kann es gar nicht teuer genug sein). Egal ob Haarschnitt oder Bildungsveranstaltung, die Preise werden gedrückt. So gibt es eine Vielzahl von Berufen, wo mit eigener Arbeit nur ein geringes Einkommen erwirtschaftet werden kann (und andere davon profitieren).

Wenn sich mensch aber in einem solchen Berufsfeld selbständig macht, das Risiko auf sich nimmt und ackert, um wenig zu verdienen, dann gibt es von denen, die ein sicheres Einkommen haben (bzw. in Feldern arbeiten, wo es eine große Zahlungsbereitschaft gibt), noch Hämme dazu. Dann wird die Selbständigkeit in Frage gestellt.

Konkret geht es gerade um die selbständigen Aufstocker von Hartz IV (siehe taz-Bericht). Diesen wird vorgeworfen, dass das Aufstocken wohl zum Geschäftsmodell gehöre und dass dies nicht gehe. Aber was ist denn die Alternative? Nicht arbeiten, weil die Gesellschaft nicht bereit ist, ordentliche Preise zu bezahlen? Das wird gesellschaftlich sicher nicht billiger, denn dann wären viele ganz auf Hartz IV angewiesen und die Gesellschaft um einige Dienstleistungen ärmer.

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Mittwoch, 28. November 2012
Problematische Vergleiche
Die taz berichtet über den prekären Status von Nachwuchswissenschaftler_innen in Deutschland. Ein wichtiges Thema - an den Unis läuft es richtig schief. Trotzdem sollte mensch vorsichtig sein, wie sie das Problem definiert. Die taz zitiert eine Doktorandin wie folgt:

" "Unmöglich, an die Promotion zu denken, wenn man so viel verdient wie KassiererInnen an der Supermarktkasse"

Was soll das heissen? Wieso kann mensch da nicht an die Promotion denken? Wenn die Kassierer_innen davon leben können, dann müssten es Doktorand_innen auch können (vorallem weil sie Aufstiegschancen haben, die Kassierer_innen nicht haben). Oder aber auch Kassierer_innen können davon nicht leben.

Was will die Doktorandin sagen? Dass ihr Gehalt zu gering ist und sie noch andere Jobs braucht, um über die Runden zu kommen? Dann sollte sie sich mit den Kassierer_innen verbünden. Oder dass die kurzfristigen Verträge ihr keine Planungsperspektive geben? Dann braucht es den Verweis auf Kassierer_innen nicht. Oder dass Forschung nicht ausreichend finanziell gewürdigt wird? Dann lässt sich natürlich klassistisch auf die Kassierer_innen runterschauen.

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Freitag, 12. November 2010
Klassistische Entsolidarisierung
Ich kann nicht verstehen, wie eine Gesundheitsreform, wie die jetzt geplante (siehe taz), überhaupt gerechtfertigt werden kann.
Wie kann die mit dem Grundgesetz vereinbart werden?
Wie kann ernsthaft argumentiert werden, dass in Zukunft noch stärker das Vermögen der Kranken darüber bestimmt, ob sie eine Behandlung bekommen?

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Montag, 25. Januar 2010
Integrationsbegriff erweitern
Wowereits will den Integrationsbegriff ausweiten: Integration jetzt für Deutsche:

"Der Regierende Bürgermeister definiert Integration neu: Für ihn ist das nicht mehr die Eingliederung von Ausländern in die deutsche Mehrheitsgesellschaft, sondern die Integration der Unterschicht in die Leistungsgesellschaft. "Das ist keine Frage von Migranten mehr, sondern von sozialen Milieus", sagte Klaus Wowereit (SPD) am Dienstag. "Es gibt einen fehlenden Aufstiegswillen bei vielen Langzeitarbeitslosen", dies sei der "elementare Punkt". Integration soll ein Schwerpunktthema des Senats in diesem Jahr werden."

Damit sind neben den sogennanten Migrant_innen nun auch Deutsche, die nicht genug leisten, aus der Gesellschaft ausgegliedert und werden besonderen Anforderungen unterzogen. Dazu passen auch Roland Kochs Ausfälle gegen Hartz-IV-Bezieher_innen. (Im Artikel scheitn es dann aber doch stark um Migrant_innen zu gehen.)

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