Montag, 25. Februar 2013
Seminar: The Intersection of Sexism and Racism
Heute war der erste Tag des Rosa Luxemburg Seminars "The Intersection of Sexism and Racism - Developing Feminist Strategies" in Tel Aviv, das von der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Kooperation mit der Organisation Achoti - for Women in Israel durchgeführt wird.



Heute mit einem Vortrag der Mizrahi feministischen Rechtsanwältin Claris Harbon. Sie sprach über die Situation von Mizrahi Frauen in Israel und nutzte dafür das Konzept der 'Outsider wihin' - und ich habe ganz viel dazu gelernt. Soweit ich es verstanden habe, sind Mizrahi jene jüdischen Israeli, die nicht aus Europa stammen (mit einem möglichen Schwerpunkt auf 'orientalischen' Jüd_innen). Harbon sprach über die rassistische Ausgrenzung der Mizrahi sowie der Schwierigkeit als Mizrahi Frau rechtliche Anerkennung von Diskriminierung zu bekommen.

Über die Situation von arabischen jüdischen Israelis (oder so ähnlich) hatte ich auch schon in Eli Amirs Roman Jasmin gelesen. Dieser spielt nach dem Sechs-Tage-Krieg 1967 und hat als Hauptfiguren einen aus Bagdad zugewanderten Israeli und eine christliche Araberin aus Jerusalem.

Mein Bild des 'weißen' Israels, das ich vor dieser Reise hatte, wandelt sich so immer mehr. Auch auf der Straße sowohl in Tel Aviv wie in Jerusalem war ich überrascht wie vielfältig die Bewohner_innen Israels sind (sowohl die jüdischen wie die nicht-jüdischen). Mit Nivedita Prasad bin ich viel durch Tel Aviv spaziert und wir wurden immer wieder auf Hebräisch angesprochen, was wir erstmal als Anzeichen dafür nehmen, dass wir potentiell Israelis sein könnten.

Morgen wird bei der Konferenz auch die Palästinenserin Areen Hawari sprechen. Ich bin gespannt, welche Punkte sie da einbringt. Heute hat sie schon gute Nachfragen gestellt und dabei auch Arabsich gesprochen - und so die Konferenz wirklich dreisprachig (Englisch, Hebräisch, Arabisch) gemacht. Was dazu führte, dass einige noch schnell einen Kopfhörer für die Übersetzung holen mussten - was sie mit der Nachfrage kommentierte, dass wohl nicht mit einem arabischen Redebeitrag gerechnet worden sei.

Mein Vortrag über deutsche Debatten zu Rassismus und Heternormativität scheint bei einigen auch gut angedockt zu haben. Viele Probleme dieser Verflechtung scheinen ähnlich zu sein. Zum Konzept des Homonationalismus gab es interessierte Nachfragen.

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Sonntag, 24. Februar 2013
Entscheidungen
In Jerusalem war ich von Donnerstagnachmittag bis Sonntagmittag - zwei volle Tage und zwei Teiltage. Die Frage war, was mache ich mit dieser Zeit. Zu tun gibt es in Jerusalem viel. Natürlich die Altstadt ansehen, mit ihren verschiedenen religiösen Stätten. Ausserdem ist in Jerusalem Yad VaShem - die Gedenkstätte für die Opfer des Holocaust. Und gleich ausserhalb von Jerusalem ist die Mauer zur Westbank, die zum Beispiel bei einem Ausflug nach Bethlehem zu durchqueren ist. Es war aber auch klar, dass ich die drei Programmpunkte nicht in der Zeit schaffen würde, da ich sowohl für Yad VaShem wie Bethlehem jeweils einen ganzen Tag brauchen würde - und die Altstadt in der restlichen Zeit kaum erkunden könnte.

Den Besuch in Yad VaShem musste ich dann streichen, da die Gedenkstätte am Samstag ganz geschlossen ist und Freitags nur bis mittags geöffnet ist (das hätte ich nicht geschafft).

So plante ich dann für Samstag nach Bethlehem zu fahren, da ich am Shabat im jüdischen Teil Jerusalems sowieso wenig machen können würde. Ein bisschen unwohl war mir bei der Überlegung, da mein Orientierungssinn noch nicht so ganz zufriedenstellend war und ich in Ost-Jerusalem einen Bus zur Mauer hätte finden müssen. Zudem hatte ich in der Zeitung gelesen, dass es in den letzten Tagen Konflikte zwischen Palästinenser_innen und Israelis gegeben habe. Ganz überzeugt von meinem Plan war ich also noch nicht, als ich am Samstagvormittag zur Altstadt lief, um diese zu durchqueren und zum Busbahnhof in Ost-Jerusalem zu kommen.



Und dann kam ich in die Altstadt nicht rein. Erst lief ich an den wartenden Autos einfach vorbei und bezog die Sperre gar nicht auf mich. Aber dann verstand ich, dass auch keine Zufußgehenden in die Altstadt gelassen wurden. Vor dem Jaffa Tor standen Polizist_innen und Soldat_innen und riegelten dieses ab. Ein paar Minuten später durften wir dann rein. Aber mir reichte das: irgendwas war und ich wusste nicht was. Das war mir zu viel Unsicherheit für einen Ausflug in die Westbank und ich blieb lieber in der Altstadt (ging in die Ausstellung "The Kaiser is coming"). Die Miltärpräsenz war da wie an den anderen Tagen hoch. In der Nähe der Via Dolorsa gab es dann am Nachmittag kurz noch einen Aufruhr. Ich sass in einem Imbiss und bekam die Einzelheiten nicht mit, sah aber viel Militär vorbeiziehen und Palästinenser_innen aufmerksam nach draussen schauen (und christliche Pilger_innen vorbeiziehen).

Heute nun lese ich in der Zeitung, dass es nach dem Tod eines inhaftierten Palästinensers gestern zu einigenen Zusammenstössen kam. Es war dann wohl doch gut, auf mein Bauchgefühl zu hören und nicht unbedingt in die Westbank zu fahren.

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Mittwoch, 20. Februar 2013
Orientierungschwierigkeiten


Wie schon beim Young Media Summit in Kairo bin ich mal wieder praktische Analphabetin. Und hatte irgendwie nicht damit gerechnet bzw. nicht genug nachgedacht. Ich bin wohl davon ausgegangen, dass ich auch Beschriftungen in lateinischen Buchstaben finden würde, um mich so orientieren zu können. Aber vieles ist nur in Hebräisch geschrieben (bei den Lebensmitteln im Supermarkt zum Teil auch in Arabisch, aber das kann ich ja auch nicht lesen). So bin ich denn heute Abend durch Tel Aviv gelaufen und hatte etwas Schwierigkeiten, mir ein Abendessen zu besorgen. Dank Stadtplan und in lateinischer Schrift geschriebenen Straßenschildern konnte ich mich allerdings auf den Straßen ganz gut orientieren.

Mal sehen, welche Orientierungs- und Verständnisschwierigkeiten sich mir in der nächsten Woche noch auftuen werden - und welche Perspektiven sich mir neu eröffnen werden.

Nachtrag 23.02.13: Nach drei Tagen in Israel und zwei Tagen durch Jerusalem Gehen nimmt die Orientierung langsam zu. Zumindest gehend finde ich mich weitgehend zurecht und auch das Essen wird mir vertrauter. Meine fehlenden Sprachkenntnisse bleiben eine große Barriere und meine geringen Kenntnisse über die soziale und politische Lage hier behindern mich auch. Zu bloggen habe ich mittlerweile einiges, allerdings gerade keine Energie dafür. Mal sehen, wann ich dazu komme.

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