Donnerstag, 25. August 2016
Frauen kontrollieren
Es gehört zur patriarchalen Ordnung, dass kontrolliert und diszipliniert wird, welche Kleidung für Frauen angemessen sein soll. Mal muss sie mehr verhüllen, mal mehr entblössen. Mal muss sie dies, mal das sein. Wenn andere darüber entscheiden, was angemessen für Frauen ist und sie dafür disziplinieren, wenn sie davon abweichen, widerspricht dass dem Selbstbestimmungsrecht von Frauen. Und wenn verschiedene patriarchale Ordnungen über Frauenkörper den Kampf für Vorherrschaft austragen, dann geschieht das nicht im Interesse von Frauen. Selbstbestimmung von Frauen kann nur erreicht werden, wenn sie unabhängig von ihrer Kleidung (die sicher auch immer ihre Sozialisation und spezifische patriarchale Unterwerfung zeigt) auch am öffentlichen Leben teilhaben darf, Zugang zu Bildung, Arbeit, Behörden und auch dem Strand hat.

Und: Gibt es nicht wichtigere Probleme als Burkini und Burka? Warum wird da gerade soviel Aufmerksamkeit darauf gelenkt? Von welchen Problemen wird damit abgelenkt?

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Donnerstag, 7. Januar 2016
Gegen sexualisierte Gewalt (ohne Rassismus)
Die meisten Frauen kennen das. Fremde Hände am eigenen Körper, ohne Zustimmung, übergriffig, eklig. In den meisten Fällen passiert nichts weiter. Der/die Täter sind nicht zu identifizieren, der Übergriff wird nicht als schlimm genug angesehen, etc. Diejenigen, die die Übergriffe thematisieren, erfahren, dass sie nicht auf Unterstützung zählen können (so auch meine Erfahrung sowie hier). Sie sollen sich nicht so haben, nicht so übertreiben, war doch nichts. Sexualisierte Gewalt ist auch in unserer Gesellschaft alltäglich und normal.

Dass es nun viel öffentliche Aufmerksamkeit für sexualisierte Gewalt gibt, ist erst mal zu begrüßen. Endlich wird sie thematisiert. Aber leider dann doch nicht wirklich. Interessant wird das Ganze für die Öffentlichkeit nur, weil die Täter „nordafrikanisch“ aussahen (was immer das bedeuten mag). Gewalterfahrungen von Frauen werden instrumentalisiert für rassistische Argumentationen. Ein immer wiederkehrendes Vorgehen in den letzten Jahrhunderten. Mal müssen angeblich die „braunen Frauen vor den braunen Männern“ gerettet werden, was nur durch Kolonialisierung/ Abschiebung/ etc. geht. Mal muss die „weiße Frau vor dem schwarzen Mann“ gerettet werden. (Woher wissen die Vertreter_innen dieses Topos eigentlich, dass in Köln/ Hamburg/ etc. nur weiße Frauen Opfer sexualisierter Gewalt wurden?)

Besonders hervor tun sich dabei jene, denen Frauenrechte sonst völlig egal sind. Aktuell, zum Beispiel, die dezidiert antifeministische Politik machen und/oder den #aufschrei für völlig übertrieben hielten. Auf einmal treten sie (angeblich) für Frauen ein, in einer höchst patriarchalen Geste. Sie schreien laut auf, während jene, die schon seit Jahrzehnten gegen sexualisierte Gewalt arbeiten viel weniger Öffentlichkeit bekommen. Letztere haben auch nicht so schön einfache Lösungen wie die nun Empörten.

Das ist ähnlich wie in Indien nach der ersten Massenvergewaltigung, die viel Öffentlichkeit bekommen hat. Auf einmal gab es einen großen Aufschrei. Viel Unterstützung. Grundsätzlich zu begrüßen. Aber auch da sind es nicht die feministischen Stimmen, die sich schon lange engagieren und differenzierte Lösungsstrategien haben, die am meisten Aufmerksamkeit bekommen, sondern die mit den einfachen Lösungsvorstellungen: Todesstrafe. Überzeugten Feminist_innen stellen sich dabei die Nackenhaare auf. Eine Menschenrechtsverletzung kann nicht durch eine andere gesühnt werden. Aber wer patriarchal denkt, dem/der fällt wahrscheinlich nichts anderes als die Forderung nach Gewalt ein.

In Deutschland wird jetzt wieder die Abschiebung von „ausländischen Kriminellen“ diskutiert (siehe tagesschau.de). Bevor überhaupt klar ist, wer die Täter waren, welchen Aufenthaltstitel sie hatten, etc. Abschieben scheint die Lösung für alles zu sein. Bloß weg von hier. Raus aus Deutschland. Deutschland reinigen. Wenn wir diese Täter rausschmeißen (und zur Sicherheit vielleicht noch ein paar mehr), dann ist wieder alles gut im Land. Dann können wir die alltägliche sexualisierte Gewalt wieder ignorieren und so tun als ob Frauen (ob Cis oder Trans) und andere von der Norm der Cis-Männlichkeit Abweichende, sich nicht fürchten müssten.

Die taz am 6.1.16 zitierte den Berliner Landesvorsitzenden der Linkspartei Klaus Lederer mit “Wenn man gegen das Patriarchat und sexuelle Belästigung vorgehen will, kann man das auch ohne Rassismus tun.“ Darauf sollten mehr Leute hören. Viele der Feminist_innen, die sich in den letzten Tagen zu Wort gemeldet haben, versuchen das (so z.B. Antje Schrupp (auch im DLF-Interview) und Hilal Sezgin), sowie auch einige bekannte Journalisten (z.B. Anja Reschke und Duja Hayali). Ich bin beeindruckt, wie schnell sie es geschafft haben, sich differenziert zu Wort zu melden. Ich war dazu nicht so schnell in der Lage.

Das Problem ist allerdings, dass viele es gar nicht wollen. Sie nehmen die differenzierten Analysen nicht wahr, suchen nur nach Futter für ihre rassistischen Argumentationen.

Mich stören aber nicht nur jene, die die sexualisierte Gewalt für Rassismus ausnutzen. Ich finde auch jene daneben, die sich jetzt nur über den Rassismus beschweren und denen die sexualisierte Gewalt mehr oder weniger egal ist. Diejenigen, dies sich vorher nicht darum gekümmert haben und sie jetzt auch nicht weiter wichtig finden. Das ist genauso eklig wie jene, die sich nicht um Rassismus kümmern. Die engagierten Feminist_innen gehören hierzu aber sicherlich nicht, egal was z.B. Jens Spahn von sich gibt.

Nachtrag: Margarete Stokowski hat auch eine pointierte Kolumne geschrieben.

Nachtrag 13.01.16: Und noch ein Beitrag von Mely Kiyak und noch ein zweiter.

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Dienstag, 28. April 2015
(Gender)Gerechtigkeit
Vor gut einer Woche schrieb Antje Schrupp in der taz über Care-Arbeit. Dabei stellte sie fest:

"Es wäre doch überhaupt nichts gewonnen, wenn die Ungerechtigkeiten im Verhältnis von gut und schlecht bezahlter Arbeit so bleiben, wie sie sind, nur dass die Geschlechterquote überall genau fifty-fifty betrüge!

Der Gender Pay Gap ist lediglich ein Symptom für ein viel tiefer gehendes Problem, nämlich die systematische Unterbezahlung bestimmter gesellschaftlich notwendiger Arbeiten."


Recht hat sie!Der Fokus auf Geschlecht alleine reicht nicht. Ziel muss es sein jegliche Ausbeutung zu bekämpfen.

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Mittwoch, 4. März 2015
Vergewaltigungskultur
Auf dem Blog von suedasien.info habe ich über Kontroversen rund um den Film 'India's Daugther' geschrieben. Es geht um Vergewaltigung(skultur), der Blick auf Indien, internationale Solidarität, verschiedene Männlichkeiten und auch um Dominique Strauss-Khan:

tageschau.de berichtet , dass der Dokumentarfilm 'India's Daughter' der Filmemacherin Leslee Udwin in Indien (erstmal) nicht gezeigt werden darf. Wenn ich es richtig verstehe, geht Udwin in dem Film, der international bekannt gewordenen Gruppenvergewaltigung einer jungen Frau in Delhi im Dezember 2012 nach. Unter anderem interviewt sie einen der Vergewaltiger, der dem Opfer die Schuld an seiner Vergewaltigung gibt.

Dass die Motivation der Behörden, den Film nicht zu zeigen, problematisch ist, glaube ich sofort. Allerdings kommt auch aus feministischer Perspektive in Indien Kritik an dem Film. So hat Kavita Krishnan schon vor dem Verbot einen kritischen Artikel zum Film verfasst. Darin kritisiert sie unter anderem, die patriarchale Verwendung des Begriffes Tochter, die Fokussierung auf den Einzelfall, den (orientalistischen) Fokus auf Indien und das Ignorieren von feministischen Stimmen in Indien (ähnliche Kritik wurde 2013 auch von Urvashi Butalia im Interview mit suedasien.info forumuliert). In einem weiteren Artikel kritisiert Krishnan den Umgang mit dem Vergewaltiger, der weiterer öffentlichen Verurteilung (und Rufen nach Todesstrafe bzw. Selbstjustiz) ausgesetzt wird während noch ein Berufungsverfahren läuft. Krishan argumentiert, dass die Interviews unter zweifelhaften Rahmenbedingungen entstanden sind und dass der Film nicht vor Beendigung des Verfahrens gezeigt werden sollte.

Sie betont auch (in beiden Artikeln), dass das Problem nicht nur die individuelle Vergewaltigung ist, sondern die Vergewaltigungskultur (rape cultre - also die gesellschaftliche Rechtfertigung von sexualisierter Gewalt) in Indien und dem Rest der Welt.Daher sollte der Fokus nicht auf den einen indischen Täter aus der Unterschicht gelegt werden, sondern auf die Verhältnisse, die ihn und andere Männer dazu bringen, selbstverständlich zu vergewaltigen.

Dafür verweist Krishnan auch auf Ingrid Therwaths Artikel im Hindu zu Dominique Strauss-Kahn. Therwath arbeitet dort heraus, wie privilegierte Männer wie Strauss-KahnVergewaltigungsanschuldigungen entgehen. Anders als der indische Täter haben sie teure Anwälte und gute Kontakte. Zudem profitierten sie davon, dass die Vergewaltigungskultur privilegierten Männern erlaubt ihnen untergebene Frauen auszunutzen und dass Sexarbeiter_innen kein Schutz vor Vergewaltigung zugestanden wird.

Udwins Dokumentarfilm habe ich nicht gesehen, kann ihn daher nicht beurteilen. In jedem Fall aber sprechen Krishnan und Therwath wichtige Themen an. Es geht nicht darum indische Töchter zu retten, sondern die Vergewaltigungskultur in allen Ländern und allen Schichten zu bekämpfen und zu verunmöglichen.

Verfasst von: urmila am 05. März 2015 um 10 Uhr 00

Der Film kann jetzt online angesehen werden. Und im Guardian ist auch eine Kritik am Film erschienen.

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Mittwoch, 13. August 2014
Sexarbeit
Sonja Dolinsek argumentiert in der taz, warum eine Kriminalisierung von Prostitution Sexarbeiter_innen gefährdet:

"Der Begriff "Sexarbeit" ist keine Verherrlichung des "Systems Prostitution", sondern ein Gegenbegriff zur Vorstellung von Prostituierten als kriminelle oder deviante Menschen. Er weist auf die Menschlichkeit von Prostituierten als Arbeiter*innen und "Frauen wie andere auch" hin. Es ist ein politischer Begriff, der den Kampf der im Patriarchat stets unterdrückten Prostituierten um Rechte und um eine "Freiheit", in der es Gewalt, Kriminalisierung, Stigma und Hass nicht mehr gibt, erst ermöglicht hat."

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Samstag, 19. Oktober 2013
Homophobie intersektional
Anfang der Woche berichteten Medien über Kuwait. Dort soll es Pläne geben, Homosexuelle und Transgender (wenn ich den taz-Bericht richtig interpretiere) die Einreise zu verweigern. Und zwar aufgrund von einem medizinischen Test. Dazu liesse sich viel sagen: über Homophobie bzw. gewaltsam durchgesetzte Heteronormativität, über Konstruktionen von richtigen Körpern und Sexualität, über Pathologisierungen und die Konstruktion von Tests, etc. Der letzte Absatz des taz-Bericht zeigt aber noch etwas anderes:

"Was die kuwaitischen Pläne anbelangt, ist es auffällig, dass sie ausschließlich Arbeitsmigranten betreffen und nicht etwa Touristen. Zweidrittel der Bewohner sind Ausländer, die Tätigkeiten ausüben, die Kuwaitis für unter ihrer Würde halten. Gleichzeitig werden die Arbeitskräfte häufig pauschal als drogenabhängig und kriminell diskriminiert."

Es geht hier also nicht ausschliesslich um Durchsetzung von Heteronormativität sondern ganz klar auch um eine Verschränkung mit sozio-ökonomischer Lage. Es geht um weitere Ausbeutung bereits Ausgebeuteter. Und nicht um westliche schwule Reisende.

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Mittwoch, 27. März 2013
Intersektionale Ausgrenzung
Die taz berichtet über die strukturelle/ rechtliche Diskriminierung von migrierten Hausangestellten in Hongkong:

"Normalerweise erhalten Ausländer in Hongkong nach sieben Jahre Aufenthalt Wahlrecht und müssen auch nicht jedes Jahr aufs Neue ein Arbeitsvisum beantragen. Nur für Hausangestellte – zumeist sogenannte Dienstmädchen – gilt diese Regelung auch weiterhin nicht."

Die Verflechtung von Machtverhältnissen schlägt hier voll zu: rassistische Ausgrenzung von Menschen aus bestimmten Regionen verbunden mit klassistischer Ausgrenzung von Hausangestellten und heteronormativer Ausgrenzung von Frauen. Diese Verflechtung ist dabei nicht zufällig, sondern führt dazu, dass die Hausangestellten besonders wenig Lobby haben und besonders gut ausgenutzt werden können. Und wenn sie sich für ihre Rechte einsetzen, muss dies verhindert werden:

"Geklagt hatte die Philippinerin Evangeline Vallejos Banao, die seit 27 Jahren in Hongkong lebt und arbeitet und zudem Mutter von fünf Kindern ist. 2011 hatte ihr ein Gericht Recht gegeben, dass sie nach so vielen Jahren Anspruch auf eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung hat. Das Urteil wurde jedoch auf Initiative der Hongkonger Regierung in einem Berufungsverfahren aufgehoben und dies jetzt letztinstanzlich bestätigt. Die Regierund fürchtet, die ausländischen Hausangestellten könnten mit einem Wahlrecht mehr Rechte erhalten."

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Freitag, 8. Februar 2013
Die Schwierigkeit nicht p/maternalistisch zu sein
In einem Artikel über die Beschneidung von Frauen, zititert die taz die Aktivistin Faduma Korn mit Kritik am Vorgehen von terre des femmes:

" Sie prangern die Menschenrechtsverletzung an. Können aber die Kluft, die Faduma Korn so gut kennt, nicht auffangen. „Genitalverstümmelung sagen sie auf ihrem Anrufbeantworter“, so Korn. „Sie müssen diese Wortwahl ändern. Keine Beschnittene wird dort noch einmal anrufen.“

Das Problem sei, dass Frauen, die sich bisher als schön und rein erlebten, plötzlich als Überlebende eines Verbrechens gelten würden, als Verstümmelte. Und dass Weiße dies so definiert hätten. „In diesen Organisationen sind keine schwarzen Frauen“, hat Korn beobachtet. Die Mütter sehe man als Verbrecherinnen, die Töchter als Opfer, meint sie."


Die taz schreibt in dem Artikel zur Kritik:

"Terre des Femmes hat gelernt, dass Weiße aus dem neokolonialen Duktus der weißen Frau, die die Schwarze „retten“ will, kaum herauskommen."

Der folgende Satz lässt allerdings daran zweifeln, dass wirklich gelernt wurde:

"Deshalb geht die Organisation nicht selbst zu den Einwanderern. „Afrikanerinnen sind für uns in den Communitys unterwegs“, erklärt Gruber."

Wenn sie Afrikanerinnen für ihre Zwecke nutzen, haben sie nicht gelernt. Gelernt hätten sie, wenn sie Aktivistinnen wie Faduma Korn ihre Ressourcen zur Verfügung stellen würden und sie das Vorgehen bestimmen lassen würden.

In einem zweiten Artikel fragt die taz, ob die angestrebte Gesetzesveränderung zur Verfolgung von 'Genitalverstümmelung' Aktionismus ohne Anlass ist. Ob nicht andere Maßnahmen sinnvoller wären.

Und anlässlich des Gerichtsverfahrens gegen den Vater der ermordeten Arzu Özmen (siehe taz) geht es um sogenannten Ehrenmord. Dabei weisst ein zweiter taz-Artikel daraufhin, dass patriarchales gewalttätiges Verhalten nicht nur in muslimischen Gesellschaften legitimiert wird:

"Auch in Brasilien können Männer, die ihre Frauen aus Untreue ermorden, immer noch freigesprochen werden, auch wenn nach starkem Druck durch Frauenorganisationen dieser Teil aus dem Strafgesetz gestrichen wurde. Klauseln zur Verteidigung der Ehre finden sich auch in den Strafgesetzbüchern von Peru, Bangladesch, Argentinien, Ecuador, Ägypten, Guatemala, Iran, Israel, Jordanien, Syrien, Libanon, der Türkei, dem Westjordanland, Venezuela, dem Irak, Tunesien, Libyen, Algerien und Kuwait. "

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Donnerstag, 29. November 2012
Äpfel und Birnen
In einem taz-Artikel über die Abwesenheit von biodeutschen Kindern in Klassen mit Kindern mit dem sogenannten Migrationshintergrund werden Äpfel mit Birnen verglichen:

"Doch Mittelschichtseltern sind enorm findig, wenn es darum geht, ihren Kindern eine gute Bildung zu ermöglichen. [...] Eltern mit Migrationshintergrund wissen oft gar nicht, dass ihnen diese Möglichkeit offensteht."

taz-Autor Daniel Bax stellt hier den Mittelschichtseltern den Eltern mit Migrationshintergrund gegenüber. Als ob es keine Mittelschichtseltern mit Migrationshintergrund gebe. Damit bildet Bax die Debatte wahrscheinlich gut ab.

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Mittwoch, 28. November 2012
Mädchenmordendes Indien
Im Februar war ich Gast auf einer feministischen Konferenz in Indien und schrieb auf dem Blog suedasien.info unter anderem:

"Im Panel über pränatale (und präzeugungs) Diagnostik (mit Mary John, Anita Ghai, Rennu Khanna und Farah Nagvi) wurde die Verquickung von Kampagnen gegen die Abtreibung weiblicher Föten zum einen mit Anti-Abtreibungs-Kampagnen sowie zum anderen mit eugenischem Aussortieren von unwertem Leben herausgearbeitet. Es wurde kritisiert, dass viele Interventionen gegen die Abtreibung weiblicher Föten letztendlich heteronormativitätsstabilisierend wirken. Für feministische Politiken wurde gefordert, dass nicht an den Syptomen (den Abtreibungen) zu arbeiten sei, sondern die grundlegende Abwertung von Frauen thematisiert und bekämpft werden müsse."

Die Abtreibung weiblicher Föten ist ein gesellschaftspolitisches Thema in Indien, es gibt staatliche Massnahmen dagegen (so ist zum Beispiel die pränatale Geschlechtsbestimmung verboten), es gibt Engagement dagegen und trotzdem gibt es die Praxis weiter. Es ist also ein wichtiges Thema.

So wie Georg Blume das Thema heute in der taz aufgreift, kommt die Diskussion allerdings nicht weiter. Es ist mal wieder einer von Blumes komplexitätsreduzierenden exotisierenden Indienartikeln, die im wesentlichen belegen, wie furchtbar Indien ist. Indem aktuellen Artikel "Eine Frau wehrt sich" tut Blume so, als ob die von ihm porträtierte Mitu Khurana die einzige Inderin wäre, die sich gegen die Abtreibung weiblicher Föten engagiere. Nun könnte es sein, dass Blume es nicht besser weiss (was bedenklich wäre, denn von einem seriösen Journalisten würde ich Recherche erwarten).

Aber dem ist nicht so, im März dieses Jahres hat Blume schon einen Artikel mit der gleichen Protagonistin in der Zeit veröffentlicht und da immerhin auf das gesetzliche Verbot der pränatalen Geschlechtsbestimmung, auf eine Rede des Ministerpräsidenten und weiteres Engagement gegen die Praxis hingewiesen (auch der Artikel ist allerdings pauschalisierend und abwertend). Blume weiss es also besser, was es noch fraglicher macht, warum er im taz so tut als ob Khurana und er die Einzigen wären, die das Thema öffentlich machen.

Befremdlich ist auch, dass die Print-taz auf der Titelseite mit der Schlagzeile "Die Abtreibungsgegnerin" auf den Artikel hinweist. Das schliesst an das Panel bei der feministischen Konferenz an. Der Kampf gegen ein patriarchales System wird missbraucht, um das Recht auf Abtreibung in Frage zu stellen.

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