Freitag, 19. September 2014
Marsch gegen die Selbstbestimmung
Tagung zu Anti-Feminismus in der FES


Gestern fand in der Friedrich-Ebert-Stiftung eine Tagung Zur Stimmungsmache gegen Feminismus, Vielfalt und reproduktive Rechte in Europa statt. Es war höchst spannend (und alamierend). [Nachtrag: Video-Aufzeichnung online]

Es gibt auch eine Reihe von Studien zum Thema. So zum Beispiel von der Heinrich-Böll-Stiftung herausgegeben eine zu Gender, Wissenschaftlichkeit und Ideologie: Argumente im Streit um Geschlechterverhältnisse.

Ein Freundin schrieb auf Facebook worum es diesen rechten antifeministischen homophoben rassistischen etc. Bewegungen geht: "es geht um bevölkerungspolitik aus einer konservativ/ fundamentalistisch/national-völkischen perspektive. es geht darum, einfluss darauf zu nehmen wer sich wie (nicht) fortpflanzen darf und soll, ob und welche formen von verhütung praktiziert werden dürfen, wie über sexualität und geschlecht geredet, gelehrt und geforscht werden darf."

Morgen (Samstag) findet von diesen Bewegungen organisiert der jährliche sogenannte 'Marsch für das Leben' in Berlin statt. Es gibt auch Proteste dagegen. Die sind wichtig!

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Freitag, 1. August 2014
Quote
Quoten haben sicher so einige Macken. Mit ihnen alleine lassen sich keine Machtungleichheiten beheben. Und durch sie wird es auch nicht unbedingt besser. Diejenigen, die durch Quoten gefördert werden, sind nicht unbedingt die, für die sie erdacht wurden. Und trotzdem finde ich Quoten kontextabhängig einen sinnvollen Schritt. So kann eine Frauenquote im heutigen Deutschland dazu führen, dass tatsächlich mehr Frauen eingestellt werden und sich damit ein bisschen was ändert.

Die taz berichtet über das geplante Frauenquotengesetz vom Familienministerium - und über die Widerstände dagegen. Klar, dass die üblichen Verdächtigen dagegen sind. Klar, dass auch die Befürworter_innen der Quote, was auzusetzen haben, das ist wohl bei Gesetzgebungsverfahren immer so. Am Ende kommt ein Kompromis raus, mit dem alle nicht so richtig zufrieden sind. An Stelle der Quoten-Befürworter_innen würde ich aber auch massiv protestieren. Die taz schreibt:

"Die Frauenbeauftragten des öffentlichen Dienstes sind alarmiert, weil der Gesetzentwurf in Paragraf 8 vorsieht: „Sind Frauen oder Männer in einzelnen Bereichen unterrepräsentiert, haben die Dienststellen und Unternehmen Zugehörige des jeweis unterrepräsentierten Geschlechts bei Einstellung, Anstellung, beruflichem Aufstieg und Vergabe von Ausbildungsplätzen bevorzugt zu berücksichtigen.“ Soll heißen: Wo es zu wenig Männer gibt, bräuchten diese Förderung."

Das ist wieder nicht strukturell gedacht. Sexismus wirkt gesamtgesellschaftlich. Da gibt es natürlich auch Berufe, in den Frauen in der Mehrheit sind (Sekretärinnen, Friseurinnen, Krankenschwestern, etc.). Das sind in der Regel die Berufe mit weniger Einkommen und weniger Anerkennung. Dass die Frauen dort in der Mehrheit sind, ist kein Zeichen dafür, dass Männer diskriminiert werden, sondern dafür das Frauen diskriminiert werden Die werden aber nicht weniger diskriminiert, wenn man ihnen diese Berufsmöglichkeit auch noch wegnimmt.

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Mittwoch, 16. April 2014
Anerkennung von Transgender als drittes Geschlecht
durch das Höchste Gerichts Indien heute. Mehr dazu auf suedasien.info:

Nachdem im Dezember der indische Supreme Court Homosexualität rekriminalisiert hat , hat das gleiche Gericht jetzt Transgender als Drittes Geschlecht anerkannt . Meine Facebook-Nachrichtenseite quoll heute von Freudenausdrücken queer aktivistischer Freund_innen über und so gehe ich davon aus, dass dies ein Meilenstein für die Anerkennung von nicht-heteronormativer Lebensweisen ist.

In einer Email, die ich bekam, wurden die wesentlichen Punkte des Urteils wie folgt zusammengefasst:

" 1. Recognition of third gender.
2. Recognition of people who identify in the opposite sex based on self-identification. Includes female identifying as male and male identifying as female.
3. Non-recognition of gender identity amounts to discrimination under Arts 14, 15 and 16.
4. Discrimination on the ground of sexual orientation and gender identity amounts to discrimination on the ground of sex under Art 15.
5. No SRS required for recogntition of gender identity.
6. Persons gender identity based on their choice is protected under the constitution.
7. A series of directions have been given to the Centre and States based on the above.

Das gesamt Urteil habe ich leider nicht freizugänglich im Internet gefunden, sondern nur auf einer Facebook-Seite und kann es so nicht verlinken. Der Blog kafila zitiert aber zumindest das Urteil. Transgender müssen als drittes Geschlecht anerkannt werden (wenn sie dies wünschen, soweit ich es verstanden habe), zudem muss gegen die Diskriminierung von Transgender vorgegangen werden."


In Absatz 55 des Urteils heißt es

" Discrimination on the ground of sexual orientation or gender identity, therefore, impairs equality before law and equal protection of law and violates Article 14 of the Constitution of India."

Einen solchen Schutz der Rechte jeder einzelnen Person hat Ponni Arasu beim Urteil zu Section 377 vermisst. Es hängt wohl sehr von den jeweiligen Richter_innen ab, wie sie das Recht auslegen. Mit der Argumentation dürfteauch die Section 377 nicht haltbar sein. Soviel ich weiss, gibt es aber keine Möglichkeit mehr, sie vor Gericht zu verhandeln.

Initiiert wurde der Rechtsstreit, wenn ich das richtig verstanden habe, insbesondere von Hijras . Diese werden im Urteil auch immer wieder explizit benannt (und in den internationalen Medien vorallem beachtet). Es geht aber auch um Transgender allgemein und auch explizit um Female-to-Male:

" 46. Social exclusion and discrimination on the ground of gender stating that one does not conform to the binary gender (male/female) does prevail in India. Discussion on gender identity
including self-identification of gender of male/female or as transgender mostly focuses on those persons who are assigned male sex at birth, whether one talks of Hijra transgender, woman or male or male to female transgender persons, while concern voiced by those who are identified as female to male trans-sexual persons often not properly addressed. Female to male unlike Hijra/transgender persons are not quite visible in public unlike Hijra/transgender persons. Many of them, however, do experience
violence and discrimination because of their sexual orientation or gender identity."


Das ist ein wichtiger Aspekt, weil er die Vielfalt von trans*-Identitäten anerkennt und auch auf Ausblendungen in der Diskussion verweist.

Die Richter_innen begründen ihr Urteil auch damit, dass dies in einer Demokratie notwendig sei:

" If democracy is based on the recognition of the individuality and
dignity of man, as a fortiori we have to recognize the right of a human being to choose his sex/gender identity which is integral his/her personality and is one of the most basic aspect of selfdetermination dignity and freedom. In fact, there is a growing recognition that the true measure of development of a nation is not economic growth; it is human dignity."


Soweit eine Collage von Aspekten aus dem Urteil, die mir heute an verschiedenen virtuellen Orten begegnet sind. Ich gehe davon aus, dass es in der nächsten Zeit auch systematischere und kenntnisreichere Berichte geben wird, zum Beispiel auf dem Blog kafila .

Nachtrag 16.04.14: Auf dem Blog kafila gibt es jetzt eine ausführliche Bewertung des Urteils von Siddharth Narrain. Lesenswert!

"There are two central questions that the court addresses. The first is the recognition of a third gender category for hijras or equivalent cultural identities in order to facilitate legal rights. The second is that transgender persons, for the purposes of the law, should be able to identify in the gender of their choice, which could be male, female or a third gender category. In the operative part of the judgment, the court the Court held that hijras and eunuchs be treated as a “third gender” to safeguard their fundamental rights. The Court also held that and transgender persons have the right to decide their self identified gender."

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Dienstag, 25. Februar 2014
Angeboren oder nicht?
Die taz berichtet, dass Ugandas Präsident das neue Gesetz gegen Homosexualität nicht unterzeichnet hätte, wenn ihm die Wissenschaft bewiesen hätte, dass Homosexualität angeboren sei. Denn dann hätte ein Verbot nichts gebracht. Seine Studie hatte aber ein anderes Ergebnis:

"Ein mit der Klärung dieser Frage beauftragtes ugandisches Wissenschaftlerteam kam zum Schluss, Homosexualität sei weder als Krankheit noch als Abnormalität zu werten. Es gebe auch kein „Schwulen-Gen“. Sie existiere einfach. Kultureller Einfluss könne sie aber begünstigen "

Das ist nun ein Ergebnis, dass durchaus in Einklang mit meinem Verständnis von Gender und Queer Studies steht. Natur gibt es ohne Gesellschaft nicht. Somit gibt es auch keine natürliche Sexualität jenseits von Gesellschaft. Welche Sexualität wir leben können, hängt davon ab, was unser Umfeld uns denkbar und lebbar macht. Deswegen sollte die Gesellschaft auch alle Formen von Sexualität, die einvernehmlich zwischen Erwachsenen stattfinden, möglich machen (und dafür z.B. in Baden-Württenberg das Thema an die Schulen tragen, um so Horizonte zu erweitern).

Meine Schlussfolgerung aus den wissenschaftlichen Überlegungen sind damit grundsätzlich andere, als jene die der Präsident von Uganda aus der Studie gezogen hat. Um das menschenrechtswidrige Gesetz zu verhindern, wäre vielleicht eine wissenschaftliche Studie, die ein 'Schwulen-Gen' gefunden hätte, hilfreich gewesen. Aber das würde einen biologistischen Determinismus fördern (siehe dazu Heiko Wernings seltsamen Versuch in der taz, mit Biologismus gegen Matusseks heteronormativen Biologismus zu argumentieren). Der Widerstand gegen Verfolgung und Ausgrenzung muss anders geführt werden (wie z.B. in dem Brief indischer Bürger_innen).

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Uganda
Die taz berichtet über das neue ugandische Gesetz, das alles Nicht-Heterosexuelle massiv verfolgen soll. Von queer-feministischen Freundinnen aus Indien bin ich auf einen Letter from Indian Citizens to Uganda High Commission hingewiesen worden, der die Verschärfung der Gesetze anprangert, die (post)kolonialen Kontinuitäten (britische Kolonialgesetze, Einfluss USamerikanischer Evangelikaler) aufzeigt und Solidarität zeigt:

"We register here our strong condemnation of President Museveni’s signing of the Anti-Homosexuality Bill, 2009 into law. The Uganda Anti-Homosexuality Act, 2014 violates the basic human rights of the kuchus of Uganda, impeding their right to live and love without harm to others, in enjoyment of the rights of freedom and equality guaranteed by the Ugandan Constitution. In the face of this severe blow to the struggle for universal human rights, we reassert our solidarity with the lesbian, gay, bisexual, transgender, queer, disabled and HIV-affected adult people of Uganda, and of all 36 of Africa’s 55 countries where same-sex relations are illegal."

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Samstag, 22. Februar 2014
Heteronormativer Sport
Die taz zeigt unter dem Titel Der Geschlechterwettkampf wie sehr im (Leistungs)Sport Heteronormativität (re)produziert wird: Männder dürfen nicht synchron schwimmen und rhytmisch sportgymnasten, weil das nicht ästhetisch wäre (oder so). Frauen sind zu zart für Vier-Bob. Männer dürfen auf keinen Fall schwul wirken. etc. Das ganze wird dann medizinisch legitimiert (Fußballspielen galt ja auch lange als gefährlich für zarte Frauenkörper). So funktioniert Heteronormativität.

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Freitag, 21. Februar 2014
Berlinale: Gender/ Queer
Der Dokumentarfilm Vulva 3.0 brachte Vulven in allen möglichen Formen auf die große Leinwand. Ein Aufklärungsfilm der die Vulva aus der Unsichtbarkeit holen will. Mit Protagonistinnnen, die sich schon lange dafür engagieren. Mit Berichten über Genitalbeschneidung und Designer-Mösen. Sehenswert.

Auch im Spielfilm Kuzu geht es um eine Beschneidung oder viel eher um die Beschneidungsfeier, die ausgerichtet werden sollte, für die es aber kein Geld gibt. Es geht um Männer- und Frauenrollen. Mit starken Bildern.

Im Spielfilm Arrête ou je continue geht es um ein Paar, das sich nichts mehr zu sagen hat. Eindrücklich.

Der Spielfilm 52 Tuesdays wurde ein Jahr lang immer Dienstags gedreht. Im Mittelpunkt steht die 16jährige Billie und ihre Mutter, die/der dabei ist seine männliche Identität anzunehmen. Spannende Perspektive auf Trans*.

Auch im locker leichten Spielfilm Hoje eu quero voltar sozinho geht es um Jugendliche, die sich orientieren und mit ihren Eltern auseinandersetzen. Leo und Gi sind beste Freund_innnen, dann kommt Gabriel dazu. Nicht gleichgeschlechtliches Begehren ist das Problem, sondern Freundschaft ist das Thema. Leo hat nicht ein Problem damit, dass er nicht sieht, sondern damit dass einige damit nicht umgehen können. Hat Spaß gemacht.

Und zum Ende der Berlinale dann noch die Teddyrolle. Mit ein paar Filmen mit denen ich nichts anfangen konnte. Dem obligatorischen Praunheim, der zwar interessante Aspekte hatte, aber filmisch völlig langweilig war (der einzige Dokumentarfilm in der Rolle). Beeindruckt hat mich Mondial 2010, da er eine Geschichte erzählt, ohne dass die Hauptfiguren vor die Kamera kommen. Dann noch eine Coming of Age-Geschichte: Vetrarmorgun. Schliesslich der Film Tits über einen Schüler mit Brüsten. Da bin ich mit widersprüchlichen Gefühlen rausgegangen. Seine Scham, seinen Körper zu zeigen, das Mobbing, den Umgang damit fand ich gut gezeigt. Die ärztliche Diagnose, dass es eine hormonelle Störung sei und die Brüste wieder weggehen, fand ich irritierend. Gibt es das? Oder durfte Intersex nicht wirklich zum Thema werden? (Hier bin ich zu unwissend, um das einschätzen zu können.)

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Montag, 17. Februar 2014
Frauen unterschätzen
Stella Hindemith von der Amadeu Antonio Stiftung schreibt in der taz darüber wie die Gesellschaft, die Polizei, etc. rechte Frauen unterschätzen:

"Der Polizist wird nicht stutzig. Ulrich Overdieck, der für die Fachstelle Gender und Rechtsextremismus der Amadeu Antonio Stiftung den Prozess gegen Zschäpe beobachtet und aus dessen Analysen die erzählte Geschichte stammt, kommentiert: "Man stelle sich vor, statt auf Beate Zschäpe wäre ein polizeilicher Ermittler in einer vergleichbaren Situation auf einen jungen Mann gestoßen, von dem angenommen werden kann, dass er einen sogenannten Migrationshintergrund hat. Hätte diese Person sich gegenüber der Polizei auch in so großem Umfang in Widersprüche über seine Identität und seine Wohnverhältnisse verwickeln dürfen, ohne das Vertrauen in seine Ehrlichkeit zu verspielen?" "

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Donnerstag, 30. Januar 2014
Re-Kriminalisierung von Homosexualität in Indien


Im Jahr 2009 hatte der Delhi High Court die Section 377 des Indian Penal Code für verfassungswidrig erklärt. Damit wurde die aus kolonialen Zeiten stammende Kriminalisierung von Homosexualität beendet. Diese Entscheidung nahm am 11. Dezember 2013 ein Urteil des Supreme Court zurück. Am 10. Januar 2014 habe ich die indische Aktivistin Ponni Arasu zum Kampf gegen die Section 377 interviewt:

"Ein Messer, das über unseren Köpfen hängt"

Inklusiven einer kurzen Aktualisierung nach der Abweisung der Beschwerde vor dem Supreme Court am 28.01.14 (dazu auch mehr bei NDTV).

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Freitag, 24. Januar 2014
Evangelikale Macht
Die taz berichtet über einen schwulen Lehrer im ländlichen Baden-Württemberg, der sich insbesondere aufgrund von evangelikalen Eltern nicht zum schulischen Coming Out traut.

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