Mittwoch, 30. November 2011
Neutrale Worte?
Der Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch schreibt über diskriminierende Sprache. Dabei betont er, dass die Suche nach nicht-diskriminierenden Worten als Ersatz von diskriminierenden Worten scheitern muss, wenn nicht die zugrundeliegende Diskriminierung angegangen wird:

"Die verzweifelte Suche nach einem „akzeptablen“ Wort [ für x] verstellt den Blick auf die Frage, warum man Menschen überhaupt nach [ nach x] kategorisiert [...] Die Sprachgeschichte zeigt, dass jedes neu eingeführte, neutral gemeinte Wort hier negative Bedeutungskomponenten annehmen wird, solange die zugrundeliegende Kategorisierung nicht wenigstens explizit benannt wird. "

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Mittwoch, 30. Juli 2008
Afrikaner in der taz
Diffusionen hat einen taz-Artikel zum Obama-Auftritt in Berlin auseinander genommen.

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Sonntag, 1. Juli 2007
Uluru
Warum wird eigentlich im Deutschen immer noch die koloniale Bezeichnung Ayers Rock benutzt (wie z.B. gerade in der taz), wenn in Australien inzwischen ganz selbstverständlich wieder der Aboriginal Name Uluru Standard ist?

Nachtrag 15.07.09: Diesmal schafft die taz es im Artikel zwar von Uluru zu sprechen. Im Titel aber prangt wieder die koloniale Bezeichnung.

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Freitag, 1. Juni 2007
MmM
"Mittlerweile hat sich in der deutschsprachigen Öffentlichkeit, von 'wohlmeinenden' Milieus ausgehend, die Vokabel Menschen mit Migrationshintergrund als eine allgemein verständliche Praxis der Bezeichnung von Personen etabliert, die in der Migrationsgesellschaft in einer spezifischen Weise als Andere gelten. Früher sagte man 'Ausländer', jetzt 'Menschen mit Migrationshintergrund' ('MmM'). Mit dem Wandel des Vokabulars hat sich allerdings keine grundlegende Veränderung des Status und der symbolischen Positionen ergeben, die den als 'natio-ethno-kulturell anders' Geltenden in der deutschen Migrationsgesellschaft zukommen."

aus Paul Mecherils sehr lesenswerten Artikel in dem gerade erschienen Sammelband Jugend, Zugehörigkeit und Migration.

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Montag, 5. März 2007
Nichts Neues
Die taz berlin berichtet über diverse rassistische Vorfälle in den letzen Tagen. Unter anderem beschimpfte ein Polizist in Zivil einen Taxifahrer rassistisch. Nichts weiter besonderes.

Besonders ist auch nicht, dass die taz berlin sich wieder mit den Begrifflichkeiten schwer tut: "ausländerfeindlich", "türkisch", "in Berlin lebender Landsmann", "Türken", "dunkelhäutiger". Die Opfer werden auch im Bericht als Andere markiert, außerhalb Deutschlands verortet. Die Täter bleiben unmarkiert. Von Rassismus und Antiislamismus wird nichts geschrieben.

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Sonntag, 4. März 2007
Eingeborenenhintergrund
Es würde ja jetzt viel über Integration diskutiert, erzählte mir der in der Deutsch-Indischen-Gesellschaft Aktive über seine Mitarbeit in kommunalen Gesprächskreisen. Aber ein Wort gefalle ihm nicht, dass dort immer wieder benutzt würde: Migrationshintergrund. Das höre sich so negativ an. Es hieße ja auch nicht Eingeborenenhintergrund.

Einen besseren Begriff konnte ich ihm auch nicht anbieten (obwohl er das gerne wollte), denn es gibt keine richtigen, objektiven, unbelasteten Begriffe. Die von uns gewählten Begriffe sind immer kontextualisiert zu verstehen und tragen eine jeweils bestimmte Bedeutung. Die Begriffe, die ich benutze, erwachsen aus meiner Beschäftigung mit Rassismus(theorien). Das ist nicht die Welt meines Bekannten und meine Begriffe passen (zumindest zur Zeit) nicht zu seinem Denken und damit seinem Wortschatz.

Beeindruckt war ich aber, wie er in weitgehender Unkenntnis von Rassismustheorien und Kritischer Weißseinstheorie das Privileg des Unmarkiertseins benannt hat. Der Begriff Migrationshintergrund bezeichnet wieder nur die 'Anderen' und lässt die anderen, die implizite Norm, die 'Weißen' unbenannt. Natürlich würde keine von Eingeborenenhintergrund reden. Das ist selbstverständlich. Und würde zu sehr zeigen, dass Migrationshintergrund kein neutraler Begriff ist, sondern eine essentialisierende und ausgrenzende Kategorie schafft.

Und für die Integrationsdebatte brauchen wir genau diese scheinneutrale Differenzierungen zwischen 'uns' und den 'anderen'.

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Samstag, 17. Februar 2007
Details
Kurznachrichten in der taz berlin:

"+++ Vor dem Kadi: Ein 67-jähriger Spanier ist wegen versuchten Mordes ... Hintergrund der Räumung war ein jahrelanger Streit des gelernten Fleischers mit den Vermietern +++ Ebenfalls das Messer führte ein 41-jähriger Türke, der seit gestern wegen versuchten Totschlags ... Er hatte einen Landsmann bei einem Streit schwere Verletzungen ... +++ Ein 30-Jähriger ist derweil in der Nacht zum Freitag als mutmaßlicher Brandstifter in Marzahn festgenommen worden. ... +++"

Aus der Logik der Nachrichten ist wohl zu schliessen, dass der "30-Jährige" ein 'Deutscher' war, sonst hätte die taz ihn sicher als 'Ausländer' bezeichnet. Die einen werden markiert, die anderen nicht.

Aber wer wird markiert? Der angebliche "Spanier" lebte seit 30 Jahren in der gleichen Wohnung, die wiederum nicht in Spanien sondern in Berlin liegt. Der "Landsmann" des "Türken" war vermutlich genauso 'deutscher' Inländer wie der Täter.

Und warum wird markiert? Weil versuchter Mord- und Totschlag, und dann noch mit dem Messer, so schön zu den 'heißblütigen Südländern' passt?

Aber nein, da wird natürlich kein rassistischer Hintergrund hinter der Begriffswahl sein. Ist doch alles ganz harmlos, einfach ein paar Informationen mehr für die LeserIn.
Nur wozu? Die Schuhgröße der Täter wird uns doch auch nicht gesagt.

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Donnerstag, 14. Dezember 2006
'Rasse' und 'Race'
Im Deutschen sprechen wir nicht von 'Rasse', weil uns das seit dem Ende des Naziregimes verboten ist. Die Tabuisierung eines Begriffes alleine reicht allerdings nicht, um die Ideologie die dahinter steckt aus den Köpfen zu vertreiben. Die biologistische Kategorisierung von Menschen in 'Rassen' findet sich wieder in Begriffen wie 'Kultur' oder 'Ethnie'. Es bedarf also weiterer Anstrengungen, Rassismus zu bekämpfen.

sculpture by Ruth Park presented at Conference Borderpolitics of Whiteness, December 2006 in Sydney

Im Englischen ist der Begriff 'race' nicht tabuisiert. Er wird auch von kritischen WissenschaftlerInnen (scheinbar?) unkritisch genutzt. Selbst auf einer Konferenz wie Borderpolitics of Whiteness.

Auch wenn die Tabuisierung eines Begriffes nicht reicht, bin ich doch der Meinung, dass bestimmte Begriffe nicht benutzt werden sollten. 'Race' ruft genauso wie 'Rasse' die Assoziation von biologistischen Differenzen herauf. Das halte ich für sehr problematisch.

Dass manche deutsche WissenschaftlerInnen statt 'Rasse' 'race' benutzen finde ich noch problematischer.

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Freitag, 24. November 2006
Redewendungen
"Deutsch verdienen und chinesisch einkaufen" schreibt Nina Apin in der taz, um die gängige Einkaufspraxis von Bäckereien zu beschreiben. Nun habe ich zwei Probleme damit: Zum ersten, weiß ich nicht, was diese Redewendung bedeutet. Zum zweiten (und viel wichtiger) werden hier mal wieder 'nationale' Bezeichnungen in ein hierarchisches Verhältnis gebracht. Denn 'deutsch' ist in diesem Kontext eindeutig mehr Wert als 'chinesisch'. Solche rassistschen Redewendungen gehören verbannt.

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Mittwoch, 20. September 2006
Ausland
Die taz berichtet:

"Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer, will ausländische Unternehmer verstärkt zur Ausbildung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund anregen. ...

Auf acht Regionalkonferenzen ..mit ..ausländischen Selbständigen möchte man die Unternehmer dazu bringen, sich mehr um den Nachwuchs zu kümmern. Während der Konferenz sollen konkrete Schritte vereinbart werden, die zu mehr Ausbildungsstellen in ausländischen Unternehmen führen sollen."


Frau Böhmer will sich also um 'Jugendliche mit Migrationshintergrund' kümmern. Es wird allerdings nicht wirklich klar, was sie mit ihnen machen will. Sollen sie ins Ausland abgeschoben werden, um dort bei ausländischen Unternehmen zu Arbeiten? Oder sollen ausländische Unternehmer zur Migration nach Deutschland motiviert werden, um hier Ausbildungsplätze zu stellen?

"Mit der Initiative "Aktiv für Ausbildungsplätze" will das Bildungsministerium in den nächsten vier Jahren 10.000 neue Lehrstellen für ausländische Jugendliche schaffen. Denn 40 Prozent der Jugendlichen hätten keine Ausbildung, sagte Böhmer. ...
Von ausländischen Arbeitslosen seien über 70 Prozent Ungelernte.

Die durch die Kampagne neu geschaffenen Stellen sollen besonders ausländischen Jugendlichen zugute kommen. "


Das ist ja faszinierend, Frau Böhmer scheint nicht nur den deutschen 'Jugendlichen mit Migrationshintergrund' helfen zu wollen, sondern auch jugendlichen Arbeitslosen anderswo. Ich wusste nicht, dass das in ihren Arbeitsbereich fällt, aber soll sie ruhig machen.

""Denn diese sind entscheidend bei der gesellschaftlichen Integration", sagt Böhmer. Außerdem sei ohne eine Ausbildung die Gefahr der Arbeitslosigkeit besonders hoch."

Was das ganze mit 'Integration' zu tun hat, verstehe ich allerdings nicht. Sollen die 'Jugendlichen mit Migrationshintergrund' im Ausland integriert werden? Oder die ausländischen Unternehmer und Arbeitslosen nach ihrer Migration nach Deutschland dort selbst?

Klar ist das alles Blödsinn und ich stelle mich wieder doofer als ich bin. Natürlich weiss ich, dass Frau Böhmer InländerInnen, die als anders markiert sind, für AusländerInnen hält. Der Begriff 'AusländerInnen' für 'InländerInnen' wird mich aber auch weiterhin ärgern.

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