Dienstag, 29. März 2016
Berlinale mit Gebärdendolmetschenden
Dieses Jahr habe ich es zum ersten Mal bei der Berlinale erlebt, dass es bei einzelnen Filmvorführungen zum Filmgespräch Gebärdendolmetschende gab. So konnten auch Gehörlose diese Gespräche verfolgen. Für den Film, den ich gesehen habe, gab es allerdings keine Gehörlosenfassung. Es gab nur die regulären Untertitel. Geräusche wurde nicht untertitelt. Damit wurden den Gehörlosen leider viele wichtige Details des Films vorenthalten. Hier gibt es also noch Entwicklungsmöglichkeiten.

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Donnerstag, 28. Januar 2016
Aneignung von Räumen
Vorgestern war wieder ein spannender Vortrag im Institutskolloquium (Un)Möglichkeiten?! Reflexive Herausforderungen der Disability Studies des Instituts für Europäische Ethnologie in Berlin. Annelies Kusters hat über die Nutzung der Abteile für Behinderte in den Vorortzügen von Bombay durch Gehörlose berichtet. Diese scheinen sich sowohl zu Treffpunkten für Gehörlose als auch zu Orten für Interaktionen mit anderen Behinderten zu entwickeln. Dabei werden verschiedenste Sachen verhandelt (wer darf ins Abteil, wer darf sitzen, wie kommuniziert mensch miteinander, etc.). Sehr spannend. Mit überraschenden Aspeketen. So werden Hijras wohl als Mitfahrende geduldet, während andere aus dem Abteil verwiesen werden.

Und: Leider ist es für mich immer noch was besonders. Es war toll zum ersten mal einen Vortrag in Gebärdensprache (simultan gedolmetscht) zu verfolgen.

Ich bewege mich zu sehr in einer seggregierten Welt.

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Dienstag, 27. Oktober 2015
Disability Studies und Barrieren
Am Institut für Europäische Ethnologiein Berlin findet dieses Semester ein spannendes Institutskolloquium (Un)Möglichkeiten?! Reflexive Herausforderungen der Disability Studies statt. Heute spricht Christiane Hutson über Verflechtungen von Ableismus und Rassismus.

Letzte Woche hat Swantje Köbsell einführend in das Konzept des Ableismus eingeführt (siehe auch Dominanzkultur reloaded). Das war sehr spannend.

Spannend waren auch die anschliessende praktische Erfahrung in Barrierereichheit unserer Gesellschaft. Das barrierearme Restaurant in der Nähe, das wir ansteuerten hatte eine geschlossene Gesellschaft. Ein anderes barrierearmes Restaurant in Mitte zu finden, das auch noch genug Platz für uns hatte, gestaltete sich als schwierig. (Von außen lässt sich das nicht einschätzen. Mensch muss also immer reingehen und wenn mensch dabei nicht direkt über Stufen stolpert, muss dann nachgefragt werden, wie denn das mit den Toiletten aussieht. So dauert der Prozess des Suchens recht lange.) Nach einer knappen Stunde sassen wir dann aber endlich und konnten bestellen.

Für heute abend ist dort schon ein Tisch reserviert. Es sollte also heute etwas schneller gehen.

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Donnerstag, 6. August 2015
Behinderungen im Öffentlichen Nahverkehr
Karlsruhe ist bekannt für seinen ausgesprochen guten Öffentlichen Nahverkehr. Mit der Straßenbahn kann mensch direkt in den Schwarzwald fahren. Wenn nicht gerade eine Böschung befestigt werden muss und deshalb ein Schienenersatzverkehr eingesetzt wird. So fuhr ab Bad Herrenalb nur ein Bus.

Eine Bad Herrenalberin schob ihr Faltrad in den Bus und wollte es platzsparrend an der Wand befestigen. Das verhinderte aber der Busfahrer. Keine Räder im Bus. Falträder müssen gefaltet werden. Da halfen auch ihre Einwände nicht, sie hätte mit dem Verkehrsverbund telefoniert und dieser hätte ihr versichert, dass da sie als Gehbehinderte auf das Rad angewiesen sei und es damit ein Behindertenfahrzeug sei, sie dieses auch im Bus mitnehmen dürfe. Sie dürfe sogar ihr Dreirad mitnehmen. Der Busfahrer zeigte sich nicht beeindruckt, ignorierte auch ihren Behindertenausweis. Irgendeine andere Frau wedelte mit einem Papier, dass aussagte, Räder dürften nicht mitgenommen werden. So machte sich die Bad Herrenalberin daran mit etwas Mühe ihr Rad zu falten.

Gefaltetes Rad im Schienenersatzverkehr


Damit war der Busfahrer zufrieden. Auch wenn das Rad jetzt viel mehr Platz einnahm als vorher. Auch wenn es jetzt durch die Gegend rutschte und gefährlicher war. Auch wenn die Bad Herrenalberin jetzt viel mehr Streß mit ihrem Rad hatte als nötig. Beim Umstieg in die Straßenbahn bat sie uns, die Bahn solange anzuhalten, bis sie mit dem Rad da sei.

Wie sie das Rad in die Straßenbahn bekommen hat, ist mir unklar, denn das ist ganz schön steil:

Eingang zur Straßenbahn in Karlsruhe


Sie hat es aber geschafft. Nur fuhr die Bahn zu schnell an und sie fiel neben ihr Rad. Mit Hilfe von anderen Fahrgästen konnte sie sich mit Mühe wieder aufrichten.

Karlsruhe hat ein gutes Nahverkehrssystem. Aber es hat so einige Barrieren für Menschen, die nicht so ganz gut zu fuß sind.

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Donnerstag, 14. Mai 2015
Körpernormen
Die taz berichtet über die fehlende Repräsentation von Menschen mit sogenannten Behinderungen im Fernsehen.

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Freitag, 3. Oktober 2014
Inklusion kostet
Vor gut zwei Wochen hat die taz darüber berichtet, dass der Landtag in NRW sich nicht in der Lage sah, die Reise einer Auslandsdelegation in die Türkei so zu planen, dass der Abgeordnete Stefan Fricke teilnehmen könnte. Fricke hatte dagegen laut taz Klage eingereicht, keine Unterstützung seiner Fraktion (Piraten) bekommen und später die Klage zurückgezogen. Online finde ich dazu nicht viel mehr. Dass es sicher eine Herausforderung ist, eine Auslandsreise für einen Menschen in einem speziellen Rolli zu planen, glaube ich. Ich kann mir auch vorstellen, dass es mal nicht funktionieren kann. Wenn mensch Inklusion ernst nimmt, dann müssen aber alle Versuche unternommen werden und über die Probleme offen geredet werden. Es gibt allerdings eine Erwiderung des Landtags auf die Klage, die das nicht macht. Nach allgemeinen Ausflüchten, die darauf abzielen, dass jede_r doch verstehen wird, dass nicht alles gemacht werden kann, kommt als letzter Punkt:

"Der Landtag Nordrhein-Westfalen lässt sich nicht vorwerfen, sich nicht für Menschen mit Behinderungen einzusetzen. Gerade für den Abgeordneten Fricke hat der Landtag erhebliche Leistungen erbracht. So hat ihm der Landtag unter großem finanziellen Aufwand eine eigene Dusche plus Toilette eingerichtet, finanziert einen zusätzlichen Mitarbeiter und stellt ihm einen behindertengerechten PKW zur Verfügung. Das Engagement der Landtagsverwaltung zeigte sich aber auch bei vorangegangenen Reisen. So wurde u.a. dem Abgeordneten Fricke die Teilnahme an der Informationsreise der Parlamentariergruppe NRW-Türkei nach Berlin Anfang 2014 ermöglicht."

Dass der Landtag so umgestaltet wurde, dass der Abgeordnete an seinem Arbeitsplatz arbeiten kann, kann doch nicht als Entgegenkommen des Landtags gewertet werden. Das muss doch selbstverständlich sein. Es stellt sich auch die Frage, warum der Landtag vorher nicht so ausgestattet war. Fricke ist schliesslich nicht der einzige Rolli-Fahrer_in in NRW.

Inklusion ist noch nicht weit voran geschritten in Deutschland. Und die Bereitschaft für Inklusion auch Mittel bereit zu stellen, scheint sehr begrenzt.

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Sonntag, 28. September 2014
Inzestverbot
Nachdem der Ethikrat letzte Woche empohlen hat den Inzest-Paragraphen neu zu formulieren (siehe taz) und Sexualität zwischen erwachsenen Geschwistern nicht länger zu kriminalisieren, gab es einen allgemeinen Aufschrei dagegen. Die FAZ began ihren Artikel mit:

"Die Empfehlung des Deutschen Ethikrats, das Inzestverbot aufzuheben, stößt auf Widerstand bei Innen- und Justizpolitikern von CDU und CSU. Der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Stephan Mayer (CSU), sprach in der „Bild“-Zeitung von einem „sittenwidrigen Vorstoß“. Inzest unter Geschwistern und nahen Verwandten stehe nicht ohne Grund unter Strafe. Erbkrankheiten und Behinderungen der Kinder aus einer solchen Verbindungen seien die Folge. Das Votum des Gremiums sei daher „absolut untragbar“."

Das Argument, dass Inzest zu behinderten oder kranken Kindern führe und deswegen verboten werden müsse, kam immer wieder. Und jedesmal zuckte ich zusammen. Dürfen nur gesunde Kinder geboren werden? Dürfen Menschen, die Krankheiten oder 'Behinderungen' an ihre Kinder weiter geben könnten, keine Sexualität haben und keine Kinder bekommen? Was stecken da für Ideen von werten und unwertem Leben dahinter?

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Donnerstag, 31. Juli 2014
Inklusion und Integration
In der taz schreibt Rudolf Walther über den neoliberalen Angriff auf Inklusion und Integration:

"Geyers Argumentation beruht auf Unkenntnis pädagogischer Theorie und Praxis, garniert mit steinzeitliberalen Ressentiments gegen ein Benachteiligungsverbot für Menschen mit Behinderungen"

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Sonntag, 15. September 2013
Barrierearmer Küstenwanderweg
Auf dem Küstenwanderweg in Süd-Wales gibt einen (zugegeben kurzen) Abschnitt, der für Rolli-Fahrende und Andere, die ebene Wege zum fortbewegen brauchen, geeignet ist.



Wirkliches Wandern ist damit zwar nicht möglich, aber es macht schöne Aussichten möglich:

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Dienstag, 2. Juli 2013
Überforderte Polizei
Es scheint so, als ob Polizist_innen nicht ausreichend qualifiziert sind, um deeskalierend mit Menschen in psychischen Ausahmesituationen umzugehen. Zumindest gibt es bei tödlichem Schußwaffeneinsatz einen hohen Anteil von Opfern, die psychisch erkrankt oder in einer Ausnahmensituation waren. Die taz berichtet anlässlich des Erschossenen Mannes im Berliner Neptunbrunnen:

"Im Jahr 2012 starben insgesamt acht Menschen durch Polizeikugeln. [...] Alle acht Getöteten waren bewaffnet und hatten die Beamten massiv bedroht oder angegriffen. In zwei Fällen wurden Polizisten verletzt, einer schwer.

Auf den ersten Blick scheint dies das regelmäßige Klagelied der Polizeigewerkschaften zu bestätigen, wonach die Gewalt gegen Polizeibeamte seit Jahren zunimmt. Auffällig ist allerdings, dass in sieben von acht Fällen die Personen psychisch erkrankt waren oder sich in psychischen Ausnahmesituationen befanden. [...]

Auch bei den diesjährigen vier Toten scheint es sich so zu verhalten. Es wird also zu beobachten sein, ob sich hier ein gesellschaftliches Problem auftut. Andererseits stellt sich die Frage, ob Polizeibeamte und -beamtinnen für solche Situationen noch richtig ausgebildet werden oder ob sie durch Arbeitsüberlastung in stressigen Situationen schlicht überfordert sind."

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