Dienstag, 5. März 2013
Zweistaatenlösung?
Bei meinem Aufenthalt in Israel sprach ich mit eine_r Palästinenser_in mit israelischer Staatsbürger_innenschaft auch über die Zweistaatenlösung bzw. ich stellte Fragen dazu. Sie_er erzählte mir, dass es auch eine arabische Partei (Balat) gebe, die nicht die Zweistaatenlösung fordere sondern einen gemeinsamen Staat Israel mit starken Minderheitenrechten (egal welche Bevölkerungsgruppe in der Minderheit sei). Auf meine konkrete Nachfrage für welche Lösung sie_er sei, meinte mein_e Gesprächspartner_in, dass sie_er lange für die Zweistaatenlösung gewesen sei, aber das nicht mehr so sicher sei. Sie_er ist in Israel aufgewachsen, ist dort zu hause, kennt sich da aus und hat da ihre_seine Freund_innen. Auch bei einer Zweistaatenlösung würde sie_er weiter in Israel leben wollen, befürchtet aber dass die Rechte der arabischen Minderheit dann noch weniger geschützt würden. Für sie_ihn wäre also die Zweistaatenlösung wohl eine Verschlechterung der Lebensbedingungen, daher sei eine Einstaatenlösung attraktiv - aber wohl auch sehr unrealistisch.

Für mich, die ich Nationalismen und Identitätspolitiken kritisch gegenüberstehe, und aus einer dekonstruktivistischen Perspektive ist die Idee eines gemeinsamen Staates Israel auch attraktiv. Natürlich aber nur, wenn alle Bewohner_innen dieses Landes die gleichen Rechte hätten und es einen starken Minderheitenschutz gäbe. In meinem Idealbild gebe es dann keine weiteren Vertreibungen bzw. Ausgrenzungen und Israel würde als Realität akzeptiert. Wenn ich es recht verstehe, ist diese Idee aber anti-zionistisch, weil damit Israel kein jüdischer Staat mehr wäre.

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