Samstag, 23. Mai 2015
Gleichstellung von Homo-Ehe
Es ist sicher ein wichtiger symbolischer Schritt, dass in Irland der Volksentscheid für die Gleichstellung der Homo-Ehe wohl erfolgreich war (siehe tagesschau.de). Das mag die Akzeptanz von nicht-heteronormativen Lebensentwürfen stärken und Härten aus manchen Leben nehmen.

Wobei es wohl eher Härten aus dem Leben von eher privilegierten Personen nimmt und eher Lebensentwürfe, die recht nah an heteronormativen Vorstellungen dran sind, in der Akzeptanz stärkt.

Mit der Stärkung der Institution Ehe wird gleichzeitig auch deren ausgrenzende und patriarchale Wirkung gestärkt. Ehe ist nicht so mein Ding und Homo-Ehe nicht gerade der Schritt zur Gleichstellung, den ich sehr wichtig finde. Aber ist schon ok, wenn dafür gekämpft wird.

Wenn ich an Irland denke, schockte mich allerdings weniger die fehlende Gleichstellung der Homo-Ehe. Viel schlimmer finde ich das fehlende Recht auf Abtreibung. Das führt nicht nur dazu, dass Frauen nicht autonom über ihren Körper und ihren Lebensentwurf entscheiden können. Es führt auch immer wieder zu Todesfällen, weil eine für die Mutter lebensrettende Abtreibung nicht eingeleitet wird, solange das Kinder noch (etwas) lebt.

Wenn Irland jetzt so furchtbar liberal geworden ist, sollte das Abtreibungsrecht auch schnell geändert werden. Es wäre klasse, wenn sich all die Homo-Ehe-Befürwortenden auch dafür einsetzen würden.

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Sonntag, 17. Mai 2015
Machtkämpfe an Unis
Professor_innen sind frei in ihrer Lehre und Forschung. Und das ist auch wichtig. So können unterschiedliche Forschungs- und Lehrmeinungen koexistieren. So können auch widerständige Positionen eingenommen werden (wenn der Professor_innenstatus erreicht ist). Es ist ein wichtiges Recht, dass nicht eingeschränkt werden darf.

Professor_innen sind mächtig. Sie können fast nicht kontrolliert werden (die Kehrseite der Freiheit der Lehre und Forschung). Sie produzieren Wissen. Und haben dabei viel Autorität.

Die Professor_innenschaft reproduziert sich tendentiell aus eher privilegierten gesellschaftlichen Positionen (dominanzdeutsch, Mittel- und Oberschicht, Cis-männlich, heterosexuell, innerhalb der Körper- und Gesundheitsnormen, etc.). Wissenschaftler_innen aus marginalisierteren Positionen haben es schwerer in diese Machtposition zu kommen (da die Ausgangspositionen schlechter sind und die Rekrutierungsmechanismen sie eher nicht fördern). Daher kann vermutet werden, dass unter Professor_innen der Anteil derer, die gesellschaftliche Ungleichheitsverhältnisse nicht in Frage stellen wollen bzw. sich selbst nicht hinterfragen wollen, eher überdurchschnittlich ist. So werden auch aus professoralen Positionen u.a. Rassismen, Heterosexismen, Klassismen, Behindertenfeindlichkeiten, etc. reproduziert.

Dagegen vorzugehen ist nicht einfach. Wegen der zu schützenden Freiheit der Forschung und Lehre. Und wegen des Abhängigkeitsverhältnisses in dem Studierende zu Professor_innen stehen. Ein Dilemma. Nicht leicht zu lösen.

Es gibt Initiativen, die meinen sie können es lösen, in dem sie Öffentlichkeitsarbeit machen. Professor_innen öffentlich (auch anonym) anklagen. Da steht dann häufig Aussage gegen Aussage und es ist schwer dahinter zu steigen, was genau passiert ist. Insbesondere da auch die Einschätzungen darüber, wann Rassismen, Heterosexismen, etc. beginnen unterschiedlich ist. Und weil es manche Interventionen gibt, die eher auf Aktionismus als genaues Abwägen wert legen.

Als Lehrende an einer Universität finde ich das ein wichtiges Thema. Wie können Lehrende und Studierende mit den Machtungleichheiten, Hierarchien, Reproduktionen von Machtungleichheiten produktiv umgehen, ohne in Zensur oder Beliebigkeit zu verfallen? Es gibt Arbeitsgruppen an Unis, die sich mit solchen Fragen beschäftigen, sich den Ambivalenzen und Schwierigkeiten stellen.

Und es gibt die Frankfurter Allgemeine, die Praktiken, die kritisch hinterfragt werden können und sollten, dazu nutzen, die professoralen Eliten zu stützen. Die sie als Rechtfertigung nehmen, Rassismuskritik und Feminismus zu verunglimpfen. Spannend wie der FAS-Artikel von der Unterstützung der männlicher Professor_innen zur Ablehnung einer Person mit Professor_innenstatus wechselt, die sich der Zweigeschlechtlichkeit widersetzt. Ein ganz und gar nicht ausgewogener Artikel, der nichts zur Lösung des Problems beiträgt. Ich kann mich einer Zwischenüberschrift des Artikels nur anschliessen: "Eigentlich geht es um Macht". Auch der FAZ.

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Donnerstag, 14. Mai 2015
Körpernormen
Die taz berichtet über die fehlende Repräsentation von Menschen mit sogenannten Behinderungen im Fernsehen.

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Demokratie für Priviligierte
Anlässlich der miserablen Wahlbeteiligung bei den Bremer Wahlen hat die taz über das ungleiche Wahlverhalten unterschiedlich positionierter sozialer Gruppen in Deutschland geschrieben:

"Es sind vor allem die Armen und Abgehängten, die an Wahlsonntagen zu Hause bleiben, während die wohlsituierte Mittel- und Oberschicht ihre Interessen artikuliert. Die Demokratie, mahnen Soziologen, drohe zur Exklusivveranstaltung für Wenige zu werden. "

Strukturelle Machtungleichheiten in Deutschland führen dazu, dass bestimmte Menschen eher zur Wahl gehen als andere. Da diese Wahlbeteiligung und -abstinenz nicht zufällig ist, führt das dazu, dass unser Wahlsystem nicht dafür sorgt, dass die unterschiedlichen Interessen der Menschen in Deutschland adequat repräsentiert sind. Unser demokratisches System sorgt dafür, dass die eher privilegierten Bevölkerungsgruppen besser ihre Interessen vertreten können als andere.

Im taz-Artikel ging es vorallem um jene Menschen in marginalisierten Positionen, die das Wahlrecht haben, es aber aus strukturellen Gründen nicht nutzen. Hinzu kommen all jene Menschen, denen das Wahlrecht grundsätzlich vorenthalten wird (insbesondere weil sie die deutsche Staatsangehörigkeit nicht besitzen). Sie gehören auch zu den Nicht-Wähler_innen.

Damit unser demokratisches System wirklich allen Menschen im Land ermöglicht, sich an der Gestaltung zu beteiligen, muss drigend vieles geändert werden.

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Donnerstag, 7. Mai 2015
Ausschluss von Bildung
Das deutsche Schulsystem ist ausgrenzend. In vielerlei Hinsicht. Menschen mit dem sogenannten Migrationshintergrund (in Berlin auch mit dem Symptom NDH - nicht deutsche Herkunftssprache - diagnostiziert) wurden und werden immer wieder Bildungsmöglichkeiten verwehrt. Viele Biographien von erfolgreichen MmMs erwähnen eine Hauptschulempfehlungen und wie schwierig und zufällig es war, doch noch das Abitur machen zu können. Die taz veröffentlichte jetzt einen Artikel über ein Arbeiterkind, dem auch Bildung verweigert werden sollte. Trotzdem ist aus Marco Maurer Journalist geworden und er hat ein Buch über diesen Ausschluss geschrieben.

Es gibt diverse Ausschlussmechanismen von Bildung in Deutschland. Neben Klassismus und Rassismus gehören dazu unter anderem auch noch Ausgrenzungen augrund von zugeschriebener Behinderung. Häufig sind diese Ausschlüsse auch miteinander verflochten. So ist Rassismus häufig mit Klassismus verbunden.

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Sonntag, 3. Mai 2015
Kritisches Weißsein im Deutschlandfunk
Es bewegt sich was in der öffentlichen Debatte in Deutschland. Mein Radiowecker hat mich heute mit einem Beitrag Critical Whiteness - Weißsein als Privileg geweckt. Eine Einführung in die Analyse der privilegierten Position im Rassismusdiskurs in Deutschland. Mit Hinweisen auf Debatten und Kritik, ohne aber von der Einführung zu sehr abzulenken. Spannend.

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Dienstag, 28. April 2015
(Gender)Gerechtigkeit
Vor gut einer Woche schrieb Antje Schrupp in der taz über Care-Arbeit. Dabei stellte sie fest:

"Es wäre doch überhaupt nichts gewonnen, wenn die Ungerechtigkeiten im Verhältnis von gut und schlecht bezahlter Arbeit so bleiben, wie sie sind, nur dass die Geschlechterquote überall genau fifty-fifty betrüge!

Der Gender Pay Gap ist lediglich ein Symptom für ein viel tiefer gehendes Problem, nämlich die systematische Unterbezahlung bestimmter gesellschaftlich notwendiger Arbeiten."


Recht hat sie!Der Fokus auf Geschlecht alleine reicht nicht. Ziel muss es sein jegliche Ausbeutung zu bekämpfen.

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Samstag, 25. April 2015
Perspektiven
In Facebook bin ich mit vielen kritischen (queer-)feministischen Aktivist_innen und/ oder Wissenschaftler_innen, die sich mit Südasien und insbesondere Indien beschäftigen, befreundet. Durch sie (und auch den Blog kafila) bekomme ich mit, was in der Region gerade (problematisches) passiert. Ein ständiges Thema ist dabei der Hindu-Nationalismus, insbesondere seit die BJP wieder die Wahlen gewonnen hat. Dabei geht es immer wieder darum, wie Marginalisierte unter deren Politik leiden (siehe dazu auch einen taz-Artikel aus der letzten Zeit). Dass der Hindu-Nationalismus menschenfeindlich ist und der Premierminister Narendra Modi für die Pogrome in Gujarat zumindest mit verantwortlich war, ist in diesen Kreisen allgemein anerkannt. Die Stimmung ist daher gedrückt, Veränderungen rtscheinen dringend notwendig.

Mein Facebook-Feed ist aber nicht nur von diesen Stimmen bestimmt. Ich habe auch verschiedene Seiten und Gruppen von 'Inder_innen' in Deutschland abonniert. Da sieht die Stimmung ganz anders aus. Politik ist kein besonderes Thema, die Zustimmung zu Modi aber ist groß. Dies wurde besonders deutlich als Modi vor kurzem Deutschland (und Frankreich und Kanada) besucht hat. Während meine aktivistischen Freund_innen aus Kanada und Frankreich kritisch über die Besuche und auch über Widerstand berichtet haben, herrschte bei meinen deutschen Quellen Jubel, Trubel, Heiterkeit vor. Wenn es mal kritische Interventionen gab, wurde diese (zumindest in einer Gruppe) als unzulässige politische Beiträge kritisiert. Der Premierminister wurde allgemein als Repräsentant der Nation und damit unangreifbar verstanden, seine Vergangenheit war egal (und wurde sowieso nicht so problematisch gesehen). Die Berichterstattung stellte die wirtschaftliche Entwicklung in den Vordergrund (siehe dazu auch einen Beitrag des theinder.net, der immerhin darauf hinweist, dass es auch Kritik gibt, wenngleich er diese nicht darstellt). Etliche meiner Facebook-Freund_innen posteten Jubel-Artikel und Bilder von Modi, zumindest einer ein Bild davon, wie er Modi die Hand schüttelte.

Diese völlig gegensätzlichen Perspektiven auf Modi, Hindu-Nationalismus, die Rolle der Politik begegneten sich ständig in meinem Facebook-Feed. Ohne aber miteinander in Kontakt zu kommen. Die Kritik der einen, kam nicht bei den anderen an. Beide Perspektiven trüben die Stimmung: die eine weil sie ausformuliert, welche Probleme bestehen, die andere, weil sie zeigt, dass die andere durchaus recht hat.

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