Freitag, 6. März 2015
"Minderheiten und Meinungsfreiheit"
Das Zentrum für Antisemtismusforschung veranstaltet am Montag, den 16.03.2015, um 19:00 Uhr eine Diskussionsveranstaltung zu Minderheiten und Meinungsfreiheit.

Mit Stefanie Schüler-Springorum, Leiterin des Zentrums für Antisemitismusforschung (ZfA), diskutieren
Thomas Lackmann (Journalist, Der Tagesspiegel), Sergey Lagodinsky (Jurist, Heinrich-Böll-Stiftung) und ich. Mir geht es dabei vor allem um einen rassismuskritischen Blick auf die Debatte (wie z.B. hier).

Veranstaltungsort: orangelab, Ernst-Reuter-Platz 2, 10587 Berlin

Und eine Einladung (als pdf) gibt es auch.

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Mittwoch, 4. März 2015
Vergewaltigungskultur
Auf dem Blog von suedasien.info habe ich über Kontroversen rund um den Film 'India's Daugther' geschrieben. Es geht um Vergewaltigung(skultur), der Blick auf Indien, internationale Solidarität, verschiedene Männlichkeiten und auch um Dominique Strauss-Khan.

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Sonntag, 1. März 2015
Teurer Abschiebegewahrsam
Die taz berlin berichtet mal wieder über die horrenden Kosten, die Berlin auf sich nimmt, um einen Abschiebegewahrsam zu betreiben. Die taz zitiert den Landesrechnungshof:

"Deshalb fielen für den Berliner Landeshaushalt 2012 umgerechnet auf jeden Insassen pro Tag Kosten von 1.821 Euro an."

In der Diskussion ist daher, den Abschiebegewahrsam in Grünau zu schliessen und dafür einen neuen in der Nähe des Flughafens BER zu bauen. Der soll dann auch (wie der in Grünau) Abzuschiebende aus anderen Bundesländern aufnehmen.

Das würde zwar Geld sparen, ist aber weiterhin menschenunwürdig. Für die Abzuschiebenden aus anderen Bundeländern würde weiterhin gelten, dass sie aus ihren Strukturen und Unterstützer_innenkreisen herausgenommen würden.

Grünau muss ersatzlos geschlossen werden. Abschiebehaft abschaffen! Das spart viel Geld und wahrt Menschenwürde.

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Sonntag, 22. Februar 2015
Männerförderung statt Gleichstellung
Bereits im letzten Sommer hatten dieFrauenbeauftragten des öffentlichen Dienstsgegen den Entwurf des Gleichstellungsgesetzes protestiert. Es sah vor, dass wenn Männer in Berufsgruppen unterrepräsentiert sind (wie bei Sekretär_innen, Putzkräften und anderen unattraktiven Tätigkeiten), sie gefördert werden müssen. Wie die taz jetzt berichtet, hat der Protest noch nicht gefruchtet und wird jetzt noch mal lauter formuliert:

"„Wenn wir uns aber darum kümmern sollen, massenhaft Männer in die Niedriglohnbereiche zu locken, bleibt für unsere eigentliche Aufgabe, nämlich die Benachteiligung von Frauen zu bekämpfen, kaum noch Kapazität“, erklärt Kristin Rose-Möhring, Gleichstellungsbeauftrage im Familienministerium und Vorsitzende des Arbeitskreises der Gleichstellungsbeauftragten des Bundes."

Am Montag, den 23.02. wird dazu eine Veranstaltung organisiert.

Nachtrag 25.02.15: Wie die taz berichtet, scheint die Expert_innenanhörung im Rechts- und Frauenausschuss ein bisschen was bei Koalitionsangehörigen bewegt:

""Ich sehe auf jeden Fall Klärungsbedarf", resümiert Sönke Rix, frauenpolitischer Sprecher der SPD im Bundestag. "Wenn dieser Entwurf tatsächlich Verschlechterungen für die Frauen bringt, dann haben wir auch Änderungsbedarf." Marcus Weinberg, frauenpolitischer Sprecher der Union, meint sogar: "Der Gesetzentwurf geht in diesem Punkt am Ziel vorbei. Die Bemühungen um mehr Männer in unteren Gehaltsgruppen binden unnötigerweise Ressourcen und kosten damit Steuergelder. Daher hoffen wir, unseren Koalitionspartner davon zu überzeugen, hier nachzubessern.""

Nachtrag 05.03.15: Die taz berichtet, dass der Protest etwas gebracht hat:

" Entfernt wird aus dem Gesetzentwurf die Förderung von Männern dort, wo sie "unterrepräsentiert" sind. "

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Unzureichende Umsetzung eines EuGH-Urteils
Wie die FAZ berichtet, wird Deutschland mal wieder gerügt, weil es internationale Vereinbarungen, Gerichtsurteile, etc. nicht ausreichend umsetzt. Diesmal geht es um die verpflichtenden Sprachtests für nachziehende türkische Ehepartner_innen:

"Die Europäische Kommission habe der Bundesregierung am 13. Januar mitgeteilt, dass sie die Umsetzung eines EuGH-Urteils in der Sache für unzureichend halte, heißt es in der Antwort des Innenministeriums auf eine Frage der Linke-Abgeordneten Sevim Dagdelen, über die der «Kölner Stadt-Anzeiger» berichtet."

Es ist immer wieder erschreckend zu sehen, wie häufig Deutschland (also die staatlichen Institutionen) gegen geltendes Recht verstösst, dafür auch gerügt wird, aber es trotzdem weiter ignoriert. Gleichzeitig pocht Deutschland - wenn es um andere und die eigenen Interessen geht - immer wieder auf Rechtstreue.

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Donnerstag, 19. Februar 2015
Berlinale: (Ober)Klasse
Berlinale Q&A Meurtre a Pacot


Der Spielfilm Meurtre a Pacot von Raoul Peck beobachtet ein reiches Ehepaar nach dem Erdbeben in Haiti. Ihre Villa ist beschädigt, sie leben im Zimmer des Dieners, müssen an einen weißen NGO-Mitarbeiter vermieten, um die Reparaturen zu bezahlen. Ein Kammerspiel vor der Villa in dem die vormals Mächtigen mit ihrem Schicksal hadern und am Ende die Frau aus einfachen Verhältnissen tot ist. Beeindruckend.

Ein Nebenschauplatz: Das reiche Ehepaar hat sich im Ausland kennen gelernt. Die Ehefrau ist dort aufgewachsen und spricht nachts auch mal Deutsch. Gespielt wird die Ehefrau von Ayo.

Berlinale Q&A Necktie Youth


Der südafrikanische Spielfilm Necktie Youth von Sibs Shongwe-La Mer hingegen betrachtet die reiche Jugend im Post-Apartheits-Südafrika. Ihr Leben scheint bestimmt von Leere, Drogen, nicht miteinander Reden. Schwarze Männer, weiße Frauen, weiße Männer gemeinsam und auch mal gegeneinander - nur schwarze Frauen kommen kaum vor. Rassismus spielt noch eine Rolle, aber diffus. Klassengegensätze sind gravierend.

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Mittwoch, 18. Februar 2015
Berlinale: Gender/ Queer
Berlinale Q&A Dyke Hard


Der schwedische Spielfilm Dyke Hard von Bitte Andersson ist Trash pur und macht dabei viel Spaß. Die Story ist Blödsinn, Diversität (in Bezug auf Gender, Sexualität, natio-ethno-kulturelle Zugehörigkeit, Körperformen) im besten Sinne selbstverständlich. Und die Crew hat auch bei der Diskussion eine gute Show hingelegt. Ein buntes Feuerwerk von Lebensfreude.

Der Dokumentarfilm Misfits von Jannik Splidsboel hingegen zeigt das Leben von LGBT*-Jugendlichen in Tulsa/ Oklahoma, Mitten im Bible Belt. Das ist auch mal feurig, aber auch langweilig und schwierig. Im Mittelpunkt des einfühlsamen Filmes stehen drei Jugendliche, die ihren Weg suchen.

Berlinale Q&A Sangaile


Auch im Mittelpunkt des litauischen Spielfilms Sangaile von Alante Kavaite stehen Jugendliche, die ihren Weg suchen. In wunderschön poetischen Bildern gefilmt, wird gezeigt wie sich Sangaile und Auste näher kommen.

Bitterböse ist hingegen Peter Kerns Spielfilm Der Sommer der Reichen. Die lesbische Protagonistin darf darin so richtig böse sein. Leider hat am Ende allerdings doch ein Mann die Fäden in der Hand gehabt. Das hat mir den Film etwas verdorben.

Den Dokumentarfilm Je suis Annemarie Schwarzenbach von Veronique Aubouy habe ich nicht wirklich verstanden. Es werden Schauspieler_innen gecastet, die Annemarie Schwarzenbach darstellen sollen und verschiedene Szenen spielen. Warum und wozu hat sich mir nicht erschlossen.

Im Spielfilm How to win at checkers von Josh Kim stehen zwei thailändische Brüder im Mittelpunkt. Der ältere Bruder muss sich nach dem Tod der Eltern um den jüngeren kümmern und dafür mühsam durchschlagen. Im Film geht es auch um die Beziehung des älteren Bruders zu seinem Geliebten, um die Einberufung zum Militär (die aufgrund einer Lotterie erfolgt) und den Wert von Ehrlichkeit. Der Film spielt in Thailand, wurde von einem Koreanisch-Amerikaner gemacht und von einem Indonesier produziert. Wie es zu dieser Kombination kam, wurde in der Diskussion leider nicht erläutert. Ein spannender und schön gefilmter Film.

Im iranischen Spielfilm Paridan az Ertefa Kam von Hamed Rajabi steht eine junge Frau im Mittelpunkt, die gerade erfahren hat, dass ihr Kind in der Gebärmutter tot ist und abgetrieben werden muss. Sie ist unfähig mit ihrem Mann und den Eltern darüber zu reden und macht zunehmend ihr eigenes Ding. Eindrucksvoller Film.

Berlinale Q&A Wonderful world end


Im japanischen Spielfilm Wonderful World End ging es irgendwie um eine junge Frau (Social Media-Star) und ein Mädchen (ihr Fan). Erschlossen hat sich mir die Geschichte aber nicht und der Filmemacher Daigo Matsui hat sich in der Diskussion auch geweigert, etwas zu erklären. Gesagt hat er nur, dass er nachdem er sich lange in seinen Filmen mit jungen Männern auseinandergesetzt hat, jetzt sich Frauen zuwenden wollte, da diese ihm ferner seien. Ob es an seinem männlichen Blick lag, dass ich keinen Zugang gefunden habe, oder mir japanische Erzählarten fremd sind, weiss ich nicht. Auf jeden Fall konnten auch die Jugendgruppen, die um mich rum sassen (der Film lief in Generation 14plus), nichts mit dem Film anfingen, kommentierten ständig und hofften auf ein Ende. Zumindest die Berliner Jugend konnte der Filmemacher also nicht in seinen Bann ziehen.

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Berlinale: Korruption
Berlinale Q&A De ce eu?


Der rumänische Spielfilm De ce eu? fiktionalisiert einen realen Fall. Im postsozialistischen Rumänien begeht ein junger ehrgeiziger Staatsanwalt Selbstmord nachdem er in einem Korruptionsfall zu intensiv recherchiert hat und andere Schuldige ausgemacht hat als er sollte. Spannender Film darüber, wie mensch sich in einem korrupten System verhalten kann. (Leider fand der Filmemacher Tudor Girugiu notwendig immer wieder Hetensex in die Handlung einzubauen. War nicht nötig, hat die Handlung nicht foran gebracht.)

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Dienstag, 17. Februar 2015
Berlinale: Censored Voices
Berlinale Q&A Censored Voices


Im Dokumentarfilm Censored Voices stellt die Filmemacherin Mor Loushy die Stimmen von israelischen Soldaten des Sechs-Tage-Krieges 1967 vor. Sie wurden wenige Tage nach Kriegsende aufgenommen und zeigen die Desillusionierung der jungen Zionisten. Bis jetzt waren sie nicht öffentlich zugänglich, da 70% der Aussagen zensiert worden waren. Loushy verbindet die aufgenommen Stimmen mit Filmmaterial aus dem Sechs-Tage-Krieg und schafft so ein eindrückliches Bild der Gewalt, die jeder Krieg mit sich bringt. Allein die über die Bilder und Stimmen gelegte Musik hat mich gestört, ansonsten war es ein sehr beeindruckender Film.

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Berlinale: Filme zu Migration
Gestartet bin ich in die Berlinale mit dem Dokumentarfilm Flotel Europa von Vladimir Tomic. Auf dem Schiff Flotel Europa wurden 1992 in Kopenhagen Flüchtlinge aus Bosnien untergebracht und blieben dort zum Teil über zwei Jahre (wie heute gab es damals einen Mangel an Unterkünften für Flüchtlinge und die provisorischen Unterbringungen waren zum Teil nicht menschenwürdig). Tomic lebte als Kind auf dem Schiff. Für seinen Dokumentarfilm nutzt er Videomaterial, das damals aufgenommen wurde, um Familie und Freund_innen in Bosnien Grüße aus dem Exil zu schicken. Dieses verbindet Tomic mit einer Erzählung über sein Leben an Bord und produziert so einen sehr beeindruckenden Dokumentarfilm. Das Arsenal zeigt Flotel Europa diese Woche am Mittwoch.

Berlinale Q&A nach dem Film Hotline


Im Dokumentarfilm Hotline stellt Silvina Landsman die israelische Organisation Hotline für Migranten vor. Sie porträtiert die Beratung von Migrant_innen, den juristischen Kampf für ihre Rechte sowie die politische Arbeit der Hotline. Ein beeindruckender Film über Ausgrenzung und den Kampf dagegen.

Berlinale Q&A zu Iraqi Odyssey


Der Schweizer Filmemacher Samir geht im Dokumentarfilm Iraqi Odyssey der Geschichte seiner irakischen Familie, die über den ganzen Erdball verteilt lebt, und der Geschichte Iraks nach. Spannend ist seine Familie nicht nur, weil sie zur säkularen Mittelschicht gehört sondern sich auch lange im Rahmen der kommunistischen Partei engagiert hat. Auch dieser Dokumentarfilm ist beeindruckend, gut gemacht und informativ (und in 3D). Begleitend zum Film wurde eine Webseite gestartet, auf der irakische Geschichten gesammelt werden sollen.

Berlinale Q&A Mizu no koe o kiku


Während ich von den Dokumentarfilmen beeindruckt war, sprachen mich die Spielfilme nicht so an. Im japanischen Film Mizu no koe o kiku stehen koreanische Japaner_innen im Zentrum. In Anlehnung an koreanische Rituale bauen sie eine kommerziell ausgerichtete Sekte auf und sind damit erstmal sehr erfolgreich. Die Idee hat mir gut gefallen, aber mit der Erzählweise bin ich nicht so recht zurecht gekommen (das ging mir bei einem anderen japanischen Film auch so).

Der koreanische Film Gukje shijang war hingegen sehr einfach aufgebaut. Er erzählt die Geschichte eines Mannes/ einer Familie, die durch den Koreakrieg aus dem Norden des Landes vertrieben und getrennt wurde. Das ist inhaltlich spannend, filmisch aber sehr kitschig und langweilig umgesetzt. Spannend für mich war vor allem, dass es Sequenzen in Deutschland gab. Der Protagonist geht als Bergarbeiter in die BRD, um Geld für seine Familie zu verdienen (da sie im Krieg vom Vater getrennt wurden, trägt er als ältester Sohn die Verantwortung). In Duisburg lernt er eine koreanische Krankenschwester kennen, verliebt sich und heiratet sie später in Südkorea. Da ist auch viel deutsche Migrationsgeschichte drinnen und ich hatte den Eindruck, dass im Publikum viele Personen waren, die selbst eine ähnliche Migrationsgeschichte hatten. Da es aber zu keiner Diskussion nach dem Film kam, konnten sie sich nicht äußern. Das war Schade.

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