Donnerstag, 16. Februar 2012
Aktivist_innen in Syrien festgenommen.
Free Syrian activist Razan

Laut der Free Razan-Facebook-Seite, BBC News, Al Arabiya News, The Telegraphe und vielen vielen Twitter-Meldungen wurden heute die Mitarbeitenden des Syrian Centre for Media and Freedom of Expression festgenommen. Unter den Festgenommenen sind auch Hussein Ghreer und Razan Ghazzawi, die beide schon mal inhaftiert waren.

Nachtrag: Noch eine Meldung von Reportern ohne Grenzen.

Nachtrag: Statement by the spokesperson of High Representative Catherine Ashton condemning the arrest of Mazen Darwish, the head of the Syrian Centre for Media and Freedom of Expression als pdf.

Nachtrag 19.02.12: Die taz hat heute über die Verhaftungen berichtet. Heute abend kam dann über Facebook und Twitter die Nachricht, dass Razan und die anderen Frauen entlassen wurden, die Männer aber noch in Haft sind.

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Mittwoch, 1. Februar 2012
Vortrag: the Arab revolutions, social media and international attention
Diesen Freitag, 03.02.12 halte ich im Iwalewa-Haus in Bayreuth um 16.00 Uhr einen Vortrag mit dem Titel: About the Amina Hoax and Free Razan – the Arab revolutions, social media and international attention

Aus dem Ankündigungstext: In the Western media coverage of the Arab revolutions particular attention is placed on the role of social media like facebook and twitter. Based on the participation of the Young Media Summit in Cairo in May 2011 and the contact with Arab bloggers afterwards Urmila Goel will raise questions about the role of social media in the Arab revolutions and in particular on the biased focus of Western attention. This will be done in particular using examples of the Amina Hoax, i.e. the fake blog 'Gay girln in Damascus', and the campaign to free blogger Razan Ghazzawi from detention. Guiding the discussion is Razan's tweet: "Back to real activist in danger: are you going to support them like you supported "Amina"? or they have to be gay and speak English first?"

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Dienstag, 31. Januar 2012
Die syrische Revolution braucht weiter Unterstützung
Über die Kampagne Free Razan habe ich regelmäßig informiert. Da war ich direkt betroffen und wusste, worüber ich schreibe. Razan ist wieder frei, die syrische Revolution und die Unterdrückung in Syrien geht aber weiter. Ich verstehe davon wenig, weil ich mich mit Syrien nicht auskenne und die Quellen nicht einschätzen kann. Aber auch hier in Deutschland muss die Aufmerksamkeit gehalten werden und weiter unterstützt werden. Daher heute ein Link zu einem Bericht der taz: Assad schickt mehr Soldaten. Die Posts von Razan in Facebook scheinen auch zunehmende Gewalt durch das Regime zu dokumentieren. Siehe auch ihren neuesten Blog-Beitrag.

Nachtrag: Die bringt fünf Stimmen aus Syrien.

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Dienstag, 24. Januar 2012
Syrische Revolution
Wenn mein Einsatz für Free Razan nicht nur der Einzelperson sondern auch ihrem politischen Engagement galt, dann muss ich mich auch nach ihrer Freilassung weiter für die Revolution in Syrien einsetzen. Das fällt mir schwer, da ich mich in der Region so wenig auskenne und schwer an Informationen komme. Da ich kein Arabisch kann, kann ich auch nicht verfolgen, was z.B. Razan so schreibt. Mir fehlt die Orientierung und damit werde ich auch schweigsam.

Die taz hat heute aber einen längeren Artikel zu Syrien veröffentlicht: Assad will Macht nicht abgeben.

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Dienstag, 20. Dezember 2011
Stille Post und Konstruktion von Fakten
Heute berichtet die taz mit einem Porträt über die Freilassung von Razan. So wie mir es scheint, hat die Autorin Juliane Schmacher für diesen Artikel Informationen aus verschiedenen Internetquellen zusammengetragen und keine Informationen aus erster Hand. Damit ergeben sich die Probleme, des Überprüfens eben dieser Quellen.

So erinnert mich der Abschnitt im taz-Porträt über Razans Thematisierung von Homosexualität stark an den L-Mag-Artikel von Hannah Wettig. Hannah hatte die Informationen aus erster Hand, den sie hat wie ich beim Young Media Summit Razan getroffen. Allerdings fand ich schon im L-Mag-Artikel ihre Darstellung von Razans Aussagen überraschend. Zumindest hatte ich Razans Argumentation anders verstanden (sehr viel komplexer). Durch die Übernahme der Darstellung in der taz wird diese Version jetzt aber weiter festgeschrieben.

In dem taz-Porträt halte ich auch die Aussage, Razan hätte zuletzt mit ihrer Rolle im internationalen NGO-Betrieb gehadert, für nicht so ganz passend. So wie mir scheint, haderte Razan da schon sehr viel länger mit.

Bei diesem taz-Porträt fällt mir nun auf, dass es auf zweifelhafter Datenbasis geschrieben wird. Wenn ich die Person nicht kenne, fällt es mir sicher viel weniger oder gar nicht auf. Die Suggestion von Faktenvermittlung, die die Medien machen, ist wirklich eine Herausforderung.

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Freitag, 16. Dezember 2011
Informationen aus dem Internet und deren Zuverlässigkeit
Free Syrian activist Razan

In der taz schreibt Gabriela Keller über ihre Schwierigkeiten über Syrien zu berichten, da sie nicht hinreisen darf und auf Informationen von Internetquellen angewiesen ist. Diese lassen sich aber nur partiell überprüfen. Sie können falsch sein, wie im Fall von Gay Girl in Damascus, bei der es sich um eine völlig erfundene Geschichte gehandelt hat. Sie können aber wie Keller berichtet, auch falsch sein, weil sich Aktivist_innen durch die bewußte Verbereitung einer falschen Meldung schützen wollen. Und sie können aus einer ganzen Reihe von anderen Gründen falsch oder zumindest verfälscht sein. Alleine mit der Hilfe des Internets ist der 'Wahrheitsgehalt' einer Nachricht schwer zu überprüfen.

Im Falle von Razan Ghazzawi weiss ich, dass es sich um eine reale Person handelt, da ich sie persönlich getroffen habe und Emailkontakt mit ihr hatte. Dass sie verhaftet wurde und unter Anklage steht, halte ich für eine recht glaubhafte Meldung, da viele verschiedene Quellen darüber berichten und sie sich nicht gemeldet hat, um den Berichten zu widersprechen. Von meinem Computer in Berlin aus, kann ich das aber nicht weiter überprüfen, ich muss mich auf meine Einschätzung der Glaubwürdigkeit der Nachrichten verlassen.

Auf dieser Grundlage beteilige ich mich an der Aufforderung Free Razan und will weiter darüber schreiben. Und das im Sinne von Razan, die vor ihrer Verhaftung getweetet haben soll, dass das syrische Regime nicht die Gefangenen fürchtet, sondern jene, die diese nicht vergessen.

Nachtrag 19.12.11: So die Nachrichten scheinen sich zu verdichten, dass Razan tatsächlich aus dem Gefängnis entlassen wurde. Amira, die auch beim Young Media Summit gewesen ist, schreibt so auf Global Voices. Ich hoffe sehr, es stimmt.

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Freitag, 9. Dezember 2011
Razans Anliegen
Free Syrian activist Razan

Die syrische Aktivistin Razan Ghazzawi ist verhaftet und in Gefahr, Menschen rund um die Welt treten für ihre Freilassung ein, auf Facebook gibt es die Seite Free Razan. Vor ein paar Tagen stand dort in einer Statusmeldung "how to spread Razan's cause even more". Für mich bedeutet das, sich nicht nur für ihre Freilassung einzusetzen sondern sich für ihr politisches Anliegen einzusetzen. Beides zu vereinbaren finde ich gar nicht so einfach.

Während des Young Media Summits im Frühsommer in Kairo hat sie immer wieder kritisiert, dass die wenigen Facebook-Aktivist_innen viel mehr Aufmerksamkeit bekommen als all die anderen Aktivist_innen und Gefangenen. Sie war dagegen die Aufmerksamkeit auf einzelne Bekannte zu richten. Rund um den Amina Hoax tweetete Razan:

"Back to real activists in danger: are you going to support them like you supported "Amina"? or they have to be gay and speak English first?"

Genau das ist jetzt auch zu fragen: Wer wird gehört? Im Gegensatz zu Amina ist Razan kein Hoax. Aber auch in ihrem Fall scheint international zu ziehen, dass sie sich nicht-heterosexuell definiert und versiert im Englischen ist. Die Lesbenkarte zu ziehen, kann erfolgreich sein, um internationale Unterstützung zu bekommen. Aber genau das ist etwas, dass Razan (soweit ich sie verstanden habe) nicht wollte. Sie hat sich überhaupt gegen die Vereinnahmung der arabischen LGBTIQ* durch Staaten des Nordens gewehrt .

Überhaupt habe ich Razan als eine ungewöhnliche Aktivistin erlebt. Engagiert im syrischen Widerstand hat sie sich klar gegen Nationalismus und seine Ausschlüsse ausgesprochen:

"I do not believe in a ‘national consciousness,’ I don’t believe in nationality, look how it is interpreted by those apologetic to Assad crimes, and those who’re fighting for their dignity and freedom, and they’re all “Syrians.”

So please, do not talk to me about being “Syrians."


und

"I don’t want to be a citizen when other citizens are prevented from getting their rights, I don’t want to be a Syrian when other Syrians cannot be one."

Diese Anliegen von ihr will ich mit unterstützen. Für ihre Freilassung will ich mich einsetzen. Vorallem natürlich weil ich sie kenne und ihr Fall mir sonst gar nicht so nahe käme (Syrien ist weit weg vom Schreibtisch in Berlin und kann gut ausgeblendet werden). Aber auch, weil sie eine besondere und wichtige Perspektive vertritt. Und so blogge ich jetzt schon zum zweitenmal über sie, was ich bei anderen Gefangenen nicht gemacht habe. Ihre internationale Bekanntheit bescherrt ihr mehr Aufmerksamkeit. Diese Form der Aufmerksamkeit hat sie kritisiert. Und doch ist sie nötig - mit all den damit verbundenen Widersprüchen.

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Montag, 5. Dezember 2011
Verschwinden in Syrien
Free Syrian activist Razan

Gerade war der syrische Aktivist Hussein (ein Teilnehmer des Young Media Summits in Kairo im Frühsommer 2011) aus der Haft entlassen worden und Razan hatte darüber gebloggt. Nun ist das Netz voll von Nachrichten, dass Razan (auch eine Teilnehmerin des YMS) selbst verhaftet wurde.

Im Guardian hat Jillian York über Razan und ihren politischen Ansatz geschrieben. So habe ich sie auch erlebt. Beeindruckend im Engagement, klar verankert im kritischen Denken und Dekonstruieren von ausgrenzenden Kollektiven.

Ich hoffe sehr, dass sie bald wieder frei kommt. Im Gegensatz zu Amina ist Razan echt und in akuter Gefahr.

Nachtrag 06.12.11: Gerade gefunden ein FAZ-Interview mit Razan von Anfang November.

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