Mittwoch, 25. April 2012
Film: Schildkrötenwut
Gestern habe ich auf dem Achtung Berlin-Filmfestival den Dokumentarfilm Schildkrötenwut (auch auf Facebook) von Pary El-Qalqili gesehen und war sehr beeindruckt. In dem Film setzt sich Pary El-Qalqili mit ihrem palästinensischen Vater und ihrem Verhältnis zu ihm auseinander - sowohl in Berlin wie auf Fahrten nach Palästina. Ein sehr persönlicher Film zu Migration, Exil und Tochter-Vater-Beziehung, der es schafft Ambivalenzen darzustellen bzw. Stehen-zu-lassen.

Im Vorfeld war ich mir unsicher, ob ein solch persönlicher Zugang gelingen kann, durch die Montage des Filmes fand ich es dann aber sehr gelungen (und viel besser als der Trailer den ich oben verlinkt habe).

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Mittwoch, 15. Februar 2012
Berlinale: La Vierge, les Coptes et Moi
In La Vierge, les Coptes et Moi wird die Geschichte eines Filmemachers erzählt, der einen Dokumentarfilm zu Marienerscheinungen bei Copt_innen in Ägypten machen will. Der Film ist so ein Film über das Dokumentarfilmen. Er ist aber auch ein Film über einen in Frankreich aufgewachsenen Sohn von ägyptischen Copt_innen, der sich auf Wurzelsuche und Auseinandersetzung mit seiner Familie in Ägypten begibt. Es ist auch ein Film über die Beziehung eines Sohnes zu seiner Mutter. Und es ist ein durchaus lustiger Film.

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Montag, 9. Januar 2012
Nicht mehr mitspielen
Im taz Montagsinterview" setzt sich der frühere Politiker Mehmet Daimagüler kritisch mit seiner früheren Rolle auseinander:

"Ich habe zwanzig Jahre lang die Schnauze gehalten und das Spiel mitgespielt. Irgendwann hat man keine Lust mehr und dann ist es auch gut. "

"Ich habe mich damals im Vorstand der FDP für ein modernes Staatsbürgerschaftsrecht engagiert, aber zugleich habe ich die Klappe gehalten, wenn es um Kernbereiche des Diskurses ging. Wenn ich forderte, dass hier und dort am Staatsbürgerschaftsrecht etwas geändert wird, habe ich nicht gesagt, dass ich das Recht insgesamt in weiten Teilen für rassistisch halte. Weil das auch das Ende meiner politischen Karriere bedeutet hätte."

"Wenn ich ehrlich bin, glaube ich, dass mir schon damals klar war, dass solche Sprüche irgendwo zwischen Ignoranz und Opportunismus angesiedelt waren."

"Nicht Angst, andersherum: das Bedürfnis, geliebt zu werden. Jeder möchte doch geliebt werden."

"Vielleicht war ich einfach ein kleinbürgerlicher Spießer, der dazugehören wollte."


Beeindruckende Reflexion.

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Freitag, 25. November 2011
Deutschgriech_innen in der taz
In der taz schreiben Miltiadis Oulios, Vassilis Tsianos udn Margarita Tsomou über die Erfahrungen in Folge der Wirtschaftskrise in Griechenland in Deutschland als Griech_innen ausgegrenzt zu werden:

"Seit Einbruch der griechischen Krise sind viele von uns DeutschgriechInnen um einiges griechischer geworden. Bisher hatten wir es mit einem Profil zwischen assimiliertem Kanaken und zugehörigem Europäer geschafft, ein meist widerspruchsloser Teil Deutschlands zu sein, der die Herkunftsfrage unspektakulär und schnell beantwortet.

Unser Griechischsein konnten wir individuell dosieren, je nach der eigenen Vorliebe für Osterrituale oder Schafskäse - ansonsten performten wir auch mal unbemerkt den Inländer. Das hat sich geändert - der Migrationshintergrund ist nicht mehr so einfach im Hintergrund zu halten, denn Griechen stehen im Rampenlicht der gesamten Welt! "


In dem Artikel wird auch Vassilis Tsianos Konzept des postliberalen Rassismus dargestellt (das ich noch nicht verstanden habe).

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Dienstag, 15. November 2011
Alltäglicher Rassismus
betitelt die taz einen Bericht von Cigdem Akyol, in dem sie über ihre alltäglichen Rassismuserfahrungen berichtet sowie über jene ihres Bruders, der Downsyndrom hat und noch angreifbarer ist als sie.

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Montag, 7. November 2011
Ganz wie die Mutter
Am Freitag die Beerdigung eines Großonkels, heute ein 75. Geburtstag in der Stadt, in der ich aufgewachsen bin. Lauter Menschen, die mich zuletzt vor 10, 20 oder mehr Jahren gesehen haben. Mehrere sagen mir unabhängig voneinander: Eine Ähnlichkeit zum Vater, aber Du siehst vor allem aus wie Deine Mutter.

Ist ja jetzt auch nicht so überraschend, dass die Tochter der Mutter ähnelt. So bin ich etwas überrascht, dass die anderen überrascht wirken. Liegt es daran, dass mein Vater aus Indien stammt und ich nicht so ganz dominanzdeutsch aussehe?

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Donnerstag, 1. September 2011
Erste und zweite Generation im Gespräch
In der taz spricht die Schriftstellerin Hatice Akyün mit ihrem Vater über das Leben als Migrant_in.

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Mittwoch, 24. August 2011
Lasst die Blumen leben
In der ach so gefährlichen Wrangelstrasse wird vielsprachig darum gebeten, die Blumen leben zu lassen:

Vielsprachige Bitte in der Wrangelstrasse


Dabei fällt auf, dass kein türkischer Aufruf dabei ist. Entweder werden 'Türk_innen' nicht als Blumen-Vandal_innen wahrgenommen oder aber ihnen werden andere Sprachkenntnisse zugesprochen. Bei französisch-, englisch- und spanischsprechenden Menschen scheint es größere Bedenken zu geben.

Nachtrag 25.08.11: Eine Rückmeldung per Email zeigt mir, dass mein Beitrag nicht ganz verständlich war. Also nochmal anders formuliert:

Auch wenn viele meinen die 'Türk_innen' sein ein Problem - die Leute im Wrangelkiez wissen, dass die Probleme woanders herkommen. Die Leute, die dort wohnen, kümmern sich um ihren Kiez. Es sind vorallem die Tourist_innen und Partymachenden die sich über grundlegende Verhaltensregeln (nicht alles beschädigen, nicht überall hinpinkeln, Leute nachts schlaffen lassen, etc.) hinwegsetzen.

Das Schild des Fischladens ist ein schönes Symbol dafür.

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Sonntag, 1. Mai 2011
Anschlag auf Ausländer
Die taz schreibt in einem Artikel über einen Neoanziangriff im Schwäbischen:

"Anschlag auf "Ausländer", schrieben die Zeitungen. Das irritiert Ali Tecer. Zwar haben manche der Freunde einen türkischen oder italienischen Pass, aber er ist Deutscher, hier geboren, ging hier zur Schule, macht jetzt die Lehre zum Kfz-Mechatroniker beim BMW-Händler in Schorndorf, der nächstgrößeren Stadt. "Und dann sind wir immer noch die Ausländer." Neben ihm steht sein Vater, Duran Tecer, der vor 40 Jahren nach Deutschland kam, als Sohn eines Gastarbeiters bei Bauknecht."

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Sonntag, 10. April 2011
Bildungsfern
Die taz berlin berichtet über ein Projekt, dass "Jugendliche nichtdeutscher Herkunft" zu Pflegeassistent_innen ausbildet. Die Jugendlichen brauchen diese Unterstützung, weil sie durch rassistische Ausgrenzungen von Ausbildung fern gehalten werden.

""Viele haben schlechtere schulische Ergebnisse. Aber auch bei guten Ergebnissen erleben sie Benachteiligung bei der Ausbildungsplatzsuche", so Rüffers."

Zudem hält ein unsicherer Aufenthaltsstatus von Bildung fern:

"Lebensmitteltechnologie wollte er studieren, aber sein Aufenthaltsstatus verbot ihm die Aufnahme eines Studiums."

Die Ausbildung zu wenig qualifizierten und schlecht bezahlten Pflegeassistent_innen wird kulturalistisch begründet:

"Der Krankenhausbetreiber Vivantes als Ausbilder für Pflegeberufe habe sich als Kooperationspartner angeboten, weil "in dieser Branche die besonderen Kompetenzen von MitarbeiterInnen nichtdeutscher Herkunft erkannt und gebraucht werden", so Rüffer: "Die Zahl alter und pflegebedürftiger Menschen, auch Migranten, steigt enorm. Wer soll denn die Berliner künftig pflegen, wenn nicht sie?""

So schafft sich der Staat gut auszubeutende Arbeitskräfte, die schlechte Arbeitsbedingungen und niedrigen Lohn in Kauf nehmen müssen, und eine wichtige Versorgungslücke schliessen.

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